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Kategorie: Leinen führen

Frage: Dogge zieht zu Hunden

Gefragt am 20.11.2010 14:36 Uhr | Einsatz: € 20,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 1022

Hallo,

unsere 1,5 Jahre alte Deutsche Dogge ist an sich ganz gut erzogen (auch Hundeschule), nicht aggressiv und normalerweise auch ganz gut an der Leine zu führen.

Leider ist sie bei Situationswechseln (von zu Hause ins Auto und dann in den Park oder die Stadt) sehr aufgeregt und unkonzentriert.

Wenn wir andere Hunde sehen, die angeleint sind, leinen wir unsere Hündin auch an. Wenn wir den Hund dann an der Leine passieren wollen, fixiert sie den Hund, ist nicht mehr ablenkbar und stellt ihr Nackenfell hoch.

Je nach Entfernung zum Hund beim Passieren zieht sie dann wie aus heiterem Himmel rüber und will an den anderen Hund dran. Sie knurrt oder bellt jedoch nicht.

In anderen Situationen widerrum bleibt sie recht cool. Es scheint, dass ihr Verhalten auch mit dem jeweiligen anderen Hund zusammenhängt.

Für meine Freundin ist so eine Situation bei 65 kg Hundegewicht natürlich schwer zu handlen.

Ergänzung: Sofern alle Hunde frei sind, hat unsere Dogge in der Regel Angst und ergreift die Flucht.

Können Sie mir sagen wie wir das Problem mit dem Ziehen in den Griff kriegen können?

Vielen Dank und Grüße

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Antwort

Beantwortet von Angie Mienk (Profil ansehen)

Hallo Florian,
mir fällt auf, dass Sie bereits bei der normalen Leinenführigkeit Einschränkungen machen: ...geht normalerweise ganz gut an der Leine..." Ich gehe also davon aus, dass der Hund auch in anderen Situationen zumindest zeitweise an der Leine zieht. Das Problem Leineziehen ist also als allererstes abzustellen. Da es etliche Möglichkeiten des Leinentrainings gibt, schlage ich vor, dass Sie ein Anleitung einfach hier downloaden: http://www.hundeguru.com/Ebooks/GM1.pdf
Bitte alle Übungen ausschließlich mit Brustgeschirr durchführen. Leineziehen am Halsband kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben!
Was nun die Hundebegegnungen angeht, so ist dieses Problem leider weit verbreitet. Oft liegt die Ursache darin, dass man bereits die Welpen mit jedem Hund spielen läßt, dem man begegnet. Dadurch lernt dann schon der junge Hund, dass jeder andere Hund ein potentieller Spielgefährte ist. Wenn Ihre Dogge dann bei Begegnungen im Freilauf auch noch Angst zeigt, liegt es nahe, dass sie durch die (evtl. scheinbare) Aggression an der Leine dem anderen Hund zeigen will, wie "stark" sie ist, weil sie an der Leine keine Möglichkeit des Ausweichens hat. In diesem Fall hilft es, wenn man seinem Hund beibringt, bei Begegnungen mit anderen Hunden hinter dem Menschen zu gehen. Das kann man beim Leinentraining ohne Ablenkungen gut einflechten: Man nimmt die Leine kürzer und schneidet dem Hund durch einen Schritt in seine Richtung etwas den Weg ab. Gelobt wird in dem Moment, wo der Hund leicht hinter einem bleibt. Das ganze braucht eine Menge Übung und bis das klappt, heißt es, den Abstand zu anderen Hunden so groß wie möglich zu halten.

Da Ihr Hund im Freilauf die Flucht vor anderen Hunden ergreift, sollten Sie auch solche Begegnungen vermeiden. Auch wenn eine Dogge ein großer Hund ist, ist sie auf den Schutz ihrer Menschen angewiesen. Meist ist auch dieses Verhalten auf Fehler bei der Welpenerziehung zurück zu führen. Ein Welpe, der Angst vor anderen Hunden hat, muss unbedingt durch seine Menschen beschützt werden. Die meisten Hundetrainer stehen leider auf dem Standpunkt: "Da muss der Hund halt durch" und schon hat man einen Angsthasen, der sein Heil in der Flucht sucht. Wenn Flucht nicht möglich ist, ist Angriff eben die beste Verteidigung.

Ich würde Ihnen gerne raten, einen entsprechenden Kurs zu besuchen, kann Ihnen jedoch so keinen Trainer empfehlen, da ich ja nicht weiß, wo Sie wohnen. Wir haben leider häufig mit solchen Hunden zu tun und nur sehr vorsichtige Desensibilisierung in Verbindung mit Erhöhung der Führungsqualitäten des Hundemenschen kann da auf Dauer Erfolg bringen. Bei uns dauert so ein Kurs maximal 5 Tage, da immer die Gefahr besteht, dass solch ein Verhalten einmal eskaliert. Bitte suchen Sie nur einen wirklich guten Trainer auf, der gewaltfrei und mit viel Verstand arbeitet und Ihre Freundin gut anleiten kann. Hilfsmittel helfen da auf längere Sicht nicht, da die Dogge zunächst Vertrauen aufbauen muss zu Ihrem Menschen - Vertrauen dahingehend, dass ihr Mensch sie stets und ständig beschützen kann und dies auch tut. Dass dort etwas an Vertrauen fehlt, zeigt sich auch darin, dass der Hund nervös wird bei Situationswechseln.
Sie können uns gerne wieder kontaktieren. Bis dahin wünsche ich Ihnen und "Doggi" viel Spass beim Üben und viel Erfolg.

Nachfrage
Hallo,
vielen Dank für ihre schnelle Meldung.

Leider ist es nicht ganz so eindeutig wie sie es beschrieben haben. Wir haben ihr nie erlaubt mit jedem Hund zu spielen. Darüber hinaus ist ihre Leinenführigkeit nur bei anderen Hunden nicht gut. Kein Hund... kein Problem. :-)

Was das Thema "Vertrauen zum Herrchen und Frauchen" angeht, so muss ich ihnen zustimmen. Ich bin auch der Meinung, dass sie uns in den Situationen nicht ausreichend vertraut und dadurch ausweicht.

Wir ziehen im Dezember in den Heidelberger Raum (Baden-Württemberg), vielleicht kennen Sie ja in der Gegend einen guten Trainer?!

Sollen wir also nicht "konfrontieren" und auf diesem Weg versuchen durch bspw ruhige Führung von uns dem Hund beibringen, dass ihr nix passiert?
Wie sieht das mit Ablenkung in solchen Situationen aus? Wir könnten, wenn andere Hunde kommen, bspw ein Spielzeug oder Leckerchen hervorzaubern...

Grüße

Rückantwort
Hallo,
nun, wenn die Leinenführigkeit ansonsten gut ist, dürfte es auch kein Problem darstellen, dem Hund beizubringen, bei Hunden hinter Frauchen oder Herrchen zu gehen. Das zeigt dem Hund, dass Herrchen/Frauchen die Führung übernimmt und damit auch den Schutz. Bsp: Wenn Welpen vor irgendetwas Angst bekommen, suchen sie hinter der Mutter Schutz. Extrem wichtig dabei ist, wenn der Hund das ohne Ablenkung gelernt hat, besonders selbstsicher weiterzugehen und bei Hundebegegnungen dann keinesfalls langsamer werden oder den Schritt verkürzen. Auch den Hund dann in dieser Situation nicht anschauen. Diese Art und Weise vermittelt dem Hund Vertrauen. Wenn Sie es schaffen, extrem ruhig und souverän zu bleiben, dann können Sie versuchen den Hund durch extrem ruhige aber eben selbstsichere Führung allmählich auf großem Abstand mit anderen Hunden zu konfrontieren. Die Abstände können dann nach und nach verringert werden. Bedenken Sie bitte, dass dazu viel Geduld nötig ist und keinesfalls der Hund geschimpft werden darf.

Wenn Sie den Hund ständig mit Leckerchen oder Spielzeug ablenken, dann kann das zwar eine Weile funktionieren, ändert dann aber leider nichts am Vertrauensverhältnis. Besser ist, ein Leckerli zu geben mit viel Lob, wenn Sie mit Hund auf großer Distanz ordentlich an einem anderen Hund vorbei gegangen sind.

Leider kenne ich im Heidelberger Raum keinen Trainer, den ich Ihnen empfehlen könnte. Wenn Sie es aber auf die ruhige und souveräne Art und Weise und viel Geduld versuchen können, dann werden Sie auch so Erfolg haben. Wenn der Hund gelernt hat, dass er hinten Ihnen oder Ihrer Freundin Schutz findet, dann ist das Problem in absehbarer Zeit gelöst. Da es sonst ja keine Probleme gibt, müßte das, wenn Sie Ihre Freundin darin unterstützen, funktionieren. Wichtig ist dabei wirklich, Selbstbewußtsein und Souveränität auszustrahlen. Wir achten bei unseren Klienten immer darauf, dass die Menschen extrem aufrecht und zielgerichtet gehen, ohne dabei den Hund anzuschauen. Dann kommt der Hund nach hinten und mit einiger Übung funktioniert das dann auch. Spielzeug und Leckerchen verbunden mit Spiel und verbalem Lob und Streicheln erhöhen Vertrauen und Bindung - aber bitte erst, wenn Ihr Hund den anderen nicht beachtet hat.

Vorschlag: Probieren Sie es ein- oder zweimal aus und melden Sie sich dann hier einfach wieder.Vielleicht kennen Sie auch einen anderen Hundehalter, der sich bereit erklärt, zu Übungszwecken auf große Distanz zur Verfügung zu stehen. Das wäre optimal.

Viel Erfolg und grüßen Sie Hund und Frauchen

Angie

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