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Kategorie: Erziehung

Frage: Grundgehorsam

Gefragt am 24.11.2010 18:54 Uhr | Einsatz: € 20,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 1025

Hallo, ich habe seit drei Wochen einem ca. 1 -1,5 Jahre alten istrischen Brackenmischling.Einen Rüden.
Dieser Hund kennt absolut keinen Grundgehorsam, da er Straßenhund in Kroatien war, dort dann eingefangen wurde und auf eine Tötungsstation kam, wo er von unserem Tierheim in der Nähe herausgeholt wurde. Dort befand er sich knapp 4 Monate. Den letzten Monat dort, bevor wir ihn zu uns nach Hause geholt haben, haben wir ihn 3 mal wöchentlich besucht und sind mit ihm spazieren gegangen.
Er ist im Grunde ein ganz lieber Hund. Er verträgt sich mit unserem alten Rüden, lässt unseren Kater in Ruhe, trotz der Jagdinstinkte als Bracke und auch mit unserer kleinen Tochter (3Jahre) ist er super lieb.
Nur hat er folgende "Macken".
1. Das Fressen
Er schlingt alles in sich hinein, nach dem Motto wer weiß, wann es das nächste gibt. Was ich ja verstehen kann aus seiner Vergangenheit. Ich portioniere ihm das Futter jetzt schon und teile es auf 2mal täglich auf. Aber wie kann ich ihm diese Fressgier abgewöhnen? Er müsste ja merken, dass er genügend und regelmäßig Futter bekommt.

2. Gehorsam
Da er ja immer "wild" und "frei" gelebt hat, war es am Anfang schon schwierig ihn leinenführig zu bekommen. Dies geht inzwischen schon ganz gut.
Auch wenn ich ihn an der langen Schleppleine habe klappt das mit dem Fuß laufen und dem abpfeifen (zurückholen ) schon ganz gut. Nicht immer aber es wird.
Aber sobald er einen Weg findet loszukommen, bzw. sich aus der Haustür zu quetschen, dann ist er weg.
Gerade heute, bin ich ihm wieder 4km hinterher gelaufen und habe ihn nur bekommen, weil er in einen engen Hof gelaufen ist, wo ich ihm den Weg abschneiden konnte.
Als er bei mir war habe ich auch nicht geschimpft, sondern ihn gelobt, dass er dann doch zu mir gekommen ist auf rufen, zwar nur weil er keinen anderen Fluchtweg mehr sah, wenn ich ihn nicht in einen solchen "Engpass" kriege, kann ich ihm stundenlang hinterher, er flüchtet regelrecht.
Er kriegt bestimmt keine Schläge oder so.

Ich habe früher Alpenländische Dachsbracken gehabt, die ich selber bis zur JEP ausgebildet und geführt habe.
Aber diese habe ich immer als Welpe bekommen und nicht schon über ein Jahr alt.

Also habe ich hier die Frage, wie bekomme ich dieses Flucht verhalten bei ihm raus?
Ich meine er genießt es ja dann am Ende wieder zu Hause zu sein, auf seiner Decke auf der Couch schlafen zu dürfen, alles Sachen die er sonst nie hatte.
Aber wenn er erst mal abhaut, dann hat man so das Gefühl, er müsste um jeden Preis flüchten, selbst vor uns.

Leider habe ich auch kein hochgenug, bzw. überhaupt eingezäuntes Gelände zur Verfügung, wo ich ihn laufen lassen könnte ohne dass er "weg" kann, so dass er, spätestens wenn er sich ausgetobt hat zurück kommen würde, was allerdings dann auch ein paar Stunden dauern könnte bei seiner Ausdauer.
Ich würde ihn gerne irgendwann ohne Leine gehen lassen können (bei uns auf dem Dorf und den Feldern geht so was Gott sei Dank noch ).
Aber bisher habe ich einfach nur Angst, dass ich ihn dann nie wieder sehe.
Was kann ich tun?

Vielen Dank im Voraus für Ihre Vorschläge

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Antwort

Beantwortet von Angie Mienk (Profil ansehen)

Hallo,
zunächst einmal folgendes: drei Wochen sind nicht lange - geben Sie Ihrem Hund Zeit und seien Sie weiterhin geduldig mit ihm. Sie haben doch sehr gut begonnen. Ihr Hund hat bis jetzt ein sehr bewegtes Leben geführt und muss doch erst einmal wissen (nicht ahnen, sondern wissen), dass er zu Ihnen gehört! Dazu gehört zunächst einmal nichts weiter als Liebe, Fürsorge und ganz normale Erziehung (Leinenführigkeit, Benehmen im Haus). Einen Hund mit "Vergangenheit" sollte man grundsätzlich für etliche Wochen nicht von der Leine lassen. Bauen Sie erst einmal eine Bindung auf (wieder geht das nur mit Liebe:-) und lassen Sie ihm Zeit. Eine Frage: warum muß der Hund "bei Fuß" laufen? Das ist ansich ein Relikt aus alter Zeit und gehört in den Hundesport. Ein Hund, der in jeder Lage locker an der Leine geht, braucht das nicht. Ein solcher Hund darf auch seinem natürlichen Verhalten nachgehen und hin und wieder hier und da schnüffeln, mal ein wenig mehr an der Seite, vor oder ein wenig hinter seinem Menschen herlaufen. Beschränken Sie sich zunächst wirklich darauf, ihm immer wieder zu zeigen, dass er in jedem Fall zu Ihnen gehört, was immer er auch anstellen mag. Auch von Ihrem Gefühl her sollte das so sein.
Es ist sehr gut und richtig, dass Sie nicht schimpfen sondern sogar loben, wenn Sie ihn wieder eingefangen haben. Ich würde das jedoch nicht riskieren und erst einmal nur angeleint (Schleppleine reicht für den Auslauf erst einmal völlig aus) mit ihm rausgehen. Es kann noch viele Wochen dauern, bis der Hund weiß, dass er sich auf Sie verlassen kann und er nicht mehr auf sich allein gestellt ist. Das ist eben der Unterschied zum Welpen - ein Welpe schließt sich fast unverzüglich an seinen Menschen an - ein Hund mit "Vergangenheit" braucht seine Zeit. Rufen Sie ihn auch nicht öfter, nur um den "Gehorsam" unter Beweis zu stellen. Wenn Sie ihn rufen und er dann kommt, bieten Sie ihm etwas: Spiel, Richtungswechsel, ausgiebiges Kraulen, ein Stück Rennen. Er wird dann immer aufmerksamer und es wird ihm nicht langweilig, das dauernde Üben. Rufen Sie ihn jedes Mal äußerst freundlich und auffordernd beim Namen, damit er auch das gleich lernt. Sie werden sehen, wie bald sich Erfolge einstellen.
Dass Sie das Futter portionieren, kann funktionieren - auch das kann Wochen oder gar Monate dauern, bis er nicht mehr schlingt. Vielleicht versuchen Sie einfach mal, immer für einen vollen Napf zu sorgen (geht natürlich nur mit Trockenfutter - am besten angefeuchtet). Wir haben Hunde aus Tötungsstationen, die anfangs ähnlich gierig waren. Nach einigen Tagen war der Hunger dann gestillt und, da immer Futter zur Verfügung stand, hörte das Schlingen auf. Diese Hunde begannen dann, sich das Futter einzuteilen und fraßen nicht mehr als sie wirklich sollten. Dann kann man wieder dazu übergehen, normal zu füttern.
Und nun noch einmal das Wichtigste:
Ihr neuer Hund braucht erst einmal Liebe - nicht nur, dass Sie es so empfinden - er muß es immer wieder bewiesen bekommen, dass er willkommen ist und bei Ihnen sicher ist. Es ist vorwiegend eine Sache Ihres ehrlichen Gefühls (das scheint ja da zu sein). Zeigen Sie es ihm immer wieder deutlich. Und bitte passen Sie erst einmal gut auf, dass er nicht entwischen kann - es ist logisch, dass er erst einmal raus will - er kennt es ja nicht anders. Gut ist schon einmal, dass er offenbar selbst froh ist, wenn er wieder bei Ihnen ist. Das zeigt, dass er sich ja bei Ihnen im Grunde wohl fühlt, noch ist aber der 1,5 Jahre "erlernte" Freiheitsdrang größer. Es legt sich von allein - geben Sie ihm Zeit. Bald ist es überstanden - VERSPROCHEN.

Viel Glück und noch sehr viel Freude mit dem neuen Familienmitglied wünscht
Angie

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