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Kategorie: Aggression

Frage: Probleme mit unserem Rüden

Gefragt am 17.12.2010 10:44 Uhr | Einsatz: € 20,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 1026

Hallo,

Meine Familie (ich bin 18) hat sich im Januar 2010 einen Labrador-Riesenschnauzer-Mix Rüden zugelegt aus privater Zucht. Paul ist jetzt also etwas über 1 Jahr alt. Seine Bezugsperson ist ganz klar meine Mutter, ich gehe etwa jeden zweiten Tag mit ihm gassi. Meine Mutter war mit ihm seit er etwa 4 Monate alt war für 2 Monate in der Hundeschule bei einem Trainer, danach sollten wir das Gelernte mit Paul verinnerlichen. Ich gebe zu, das wir wohl nicht genug geübt haben. Mit Paul war das von anfang sehr schwierig, da er extrem zur Unaufmerksamkeit reicht und oft richtig unwillig wirkt, d.h. er weigert sich oder führt Kommandos erst nach mehrmaliger Aufforderung auf, obwohl er sie beherrscht.
Ein anderes Problem ist, dass er extrem aggressiv auf fremde Menschen, v.a. Männer reagiert. Ich denke er ist ängstlich und will sich durch Geknurre und Gebelle wehren. Wir haben einen eigenen Betrieb und wohnen auf demselben Grundstück, d.h. vor unserem Haus befinden sich immer viele Autos und Kunden. Ohne Leine mit Paul vorbei gehen ist nicht möglich, weil er sofort zu den Menschen rennt, nich immer aggressiv, auf Männer aber besonders oft. Dasselbe Verhalten tritt auf wenn man ihm im Wald frei laufen lässt und Menschen oder Hunde kommen. Er hört einfach absolut nicht mehr aufs "Hier", ignoriert mich richtig und kommt meist erst nach mehrmaliger Aufforderung. Wenn er nicht abgelenkt ist (selten der Fall leider) hört er darauf gut.

So und noch ein Problem ist, dass er nicht genug Respekt vor uns hat. Wenn ich ihn frei laufen lasse und dann wieder anleine und es heimgeht verbeisst er sich in der Leine, knurrt und schnappt auch nach meinen Schuhen oder Händen. Ich weiß, dass das furchtbar ist nur leider habe ich keine Ahnung wie ich da reagieren soll.

Mir ist bewusst, dass wir in der Erziegung versagt haben und ich möchte es gern wieder gut machen. V.a. braucht die Ratschläge meine Mutter, da ich ab Mai 2011 durch Studium nur noch am Wochenende zu Hause sein werde. Allerdings möchte ich natürlich auch, dass er auf mich hört und Respekt hat. Er ist zu Hause ein toller, absolut lieber und sehr sehr anhänglicher Hund, aber sein Verhalten draußen verdirbt einem jeden Spaß am gassi gehen und ich will Verhindern dass die fehlende Erziehung zur absoluten Frustration führt.

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Antwort

Beantwortet von Marianne Hoyer (Profil ansehen)

Guten Tag!

Ihr Welpe ist jetzt erwachsen geworden!

Es war gut, das Sie sich Anweisungen für Ihren Hund im Alter von 4 - 6 Monaten geholt hatten, jedoch holt es einen irgendwann ein, wenn man diese dann nicht befolgt.

Ihr Hund hat diverse Male getestet, wo seine Grenzen sind. Diese Phasen sollte man ernst nehmen, denn woher soll er sonst wissen, was erwünscht oder unerwünscht ist. Schließlich beginnt er irgendwann dann selber darüber zu entscheiden. Und das ist hier jetzt der Fall (er hört gut ohne Ablenkung, kommt Ablenkung dazu, hört er nicht mehr, weil er nicht hören will).
In der Hundeerziehung reicht es nicht aus, ihm Grundge- horsamsübungen beizubringen. Mit dem erwachsen werden des Hundes gilt es auch das gesagte durchzusetzen. Das macht einen Rudelführer aus. Aber auch Kinder nehmen die Erziehung nicht für voll, wenn ich nicht die nötige Konsequenz habe.
Das zu der Theorie, damit Sie ein besseres Verständnis für das Verhalten Ihres Hundes bekommen.
Und nun zu Ihrem Problem. Leider weiss ich nicht, was Sie vom Hundetrainer vermittelt bekommen hatten, sicherlich aber die Grundregeln, wie an lockerer Leine gehen, Sitz, Platz, Abrufhörzeichen: "Hier", bleib und "Nein" als Unterlassungs-hörzeichen. Üben Sie diese Kommando's mit ihm tägl. in kurzen Übungsphasen. Bleiben Sie dabei freundlich aber konsequent. Wiederholen Sie mit eine Übung mit Geduld aber Bestimmtheit, bis er sie korrekt macht. Dann gibt es eine tolle Belohnung wie z. B. Fleischwurst-, Käsestückchen und als Abschluß ein tolles Spiel mit Ihnen mit einem Ball an der Schnur o. ä. bis er nicht mehr aufpasst, dann nehmen Sie dieses Spielzeug blitzschnell weg. Besorgen Sie sich ca. 3 - 4 unterschiedliche Spielzeuge für dieses Spielbelohnen, das Ihr Hund aber nur zur Verfügung bekommt, wenn Sie mit ihm etwas machen als Highlight. Sein Spielzeug, was er jeden Tag zur ständigen Verfügung hat, ist dafür nicht geeignet, weil er es sowieso immer hat. Wenn diese Übungen gut klappen, bauen Sie langsam leichte Ablenkungen ein und steigern diese immer mehr. Unterwegs, wo er andere Personen gegenüber agressiv reagiert, besorgen Sie sich eine Wasserspritze am besten aus dem Friseurbedarf. Diese sind wie Blumenspritzen, jedoch viel kleiner und besser verstaubar für unterwegs. Versuchen Sie sich auf Abstand an Personen (können auch dafür bestellte Bekannte sein) heranzutasten. Ihr Hund dürfte sich dann schon in Anspannung begeben. Das ist der Zeitpunkt, wo von Ihnen ein scharfes "Nein" in Verbindung mit dem Spritzeinsatz (fester Strahl, ein Sprühnebel!)kommen muß. Ihr Hund müsste dann sehr überrascht reagieren. Gehen Sie mit ihm einfach weiter und loben Sie ihn, wenn er sich über 2 Sek. ruhig verhält mit Worte und einem Leckerchen. Den Hund dabei nicht in die Leine ziehen lassen, startet er schon durch, ihn zurück holen und die Leine gleich wieder lockern, auch wenn man dieses öfter wiederholen muß. Vergrößern Sie ansonsten besser den Abstand zur Fremdperson. Alle Übungen beginnt man erst immer mit keiner oder geringer Ablenkung, um eine Überforderung beim Hund zu vermeiden. Denn er hat keinen Lerneffekt, wenn er sich im Bellstress befindet. Durch regelmäßiges Wiederholen lernt er ganz schnell, das es sich lohnt brav zu sein und es für ihn so auch stressfreier ist. Geben Sie nicht auf, wenn es auf Anhieb nicht gleich klappt, Ihr Hund muß erst begreifen, was Sie von ihm erwarten.
Das widerwillige Hören müsste sich durch das Spielbelohnen auch ändern. Generell sollten Sie sich aber überlegen, Ihren Hund sinnvolle Beschäftigungen anzubieten. Er ist noch sehr jung und das Verbellen von Fremdpersonen kann auch zum Highlight werden, wenn er ansonsten keine hat.

Sollten Sie noch Fragen zur Umsetzung haben, können Sie sich gerne wieder an mich wenden.

Herzliche Grüße und viel Erfolg!

Marianne Hoyer

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