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Haluzinationen bei Parkinson

Gefragt am 21.02.2012
15:15 Uhr | Einsatz: € 20,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 2265

 

Meine Mutter ist 83 Jahre alt und hat Parkinson Seit einiger Zeit denkt sie immer man hätte sie entführt und sie könnte nicht nach ause kommen. Sie fleht uns an sie doch endlich wieder nach Hause zu bringen .Vor kurzem dachte sie auch jemand hätte versucht sie in der Nacht abzustellen.
Sie bekommt 200mg Seroquil. Nun habe ich gelesen, dass Neuroleptika bei Parkinson Halluzintionen hervor rufen können.
Bekommt sie zuviel. Sollte man lieber einanderes Medikament geben gegendie Halluzinationen. Vom Seroquilkonnte sie immer sehr gut schlafen. Kann man da ein anderes Medikament zum Schlafen geben? Was halten Sie von Zopiclon Ich weiß, dass es süchtig macht, wie die Benzodiazepine. Aber vielleich kann man das außer Acht lassen, da sie bestimmt nichtmehr lange lebt.
Bitte antworten Sie schnell. Meine Mutter leidet wirklich sehr unter ihren Wahrnehmungsstörungen

Fragesteller Fragesteller Gefragt am 21.02.2012
15:15 Uhr
Dr. med. Ralf Berg Dr. med. Ralf Berg Beantwortet am 21.02.2012
16:26 Uhr

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Beantwortet am 21.02.2012 16:26 Uhr | Einsatz: € 20,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 2265

Antwort von Dr. med. Ralf Berg (Neurologie / Nervenheilkunde)

Sehr geehrte Fragestellerin,

zunächst wäre zu klären, warum und unter welcher Zielsetzung ihre Mutter das Serquel bekommt. Da dies ein Mittel ist, das bei bipolaren Störungen, also sowohl bei Depressionen wie auch bei ! Halluzinationen (Schizophrenie) eingesetzt wird, kann ich mir schwerlich vorstellen, dass es nur zum Schlafen genutzt werden soll.
Fürs Schlafen gibt es natürlich Alternativen. Diese sollten Sie aber mit dem behandelnden Haus oder Facharzt absprechen. Es gibt in der Geriatrie einige Medikamente die neben der antipsychotischen Wirkung auch sehr müder machen. Ich denke nicht dass es momentan sinnvoll das Seroquil abzusetzen. Die Dosis ist eher zu tief als zu hoch. Zum Durchbrechen von Wahnvorstellungen können Tagesdosen bis 800 mg /Tag nötig sein. Die Anpassung muss schrittweise erfolgen, ich kann Ihnen nur raten, sich vor Ort an einen Neurologen/Psychiater zu wenden.
Daneben sollte noch untersucht werden, ob wirklich eine produktive Psychose mit Wahnvorstellungen vorliegt, oder ob es schon zu einer "Parkinson-Demenz" mit Verkennung der Realität gekommen ist, die den Verhaltensstörungen ihrer Mutter zugrundeliegen könnte. Da ich weiss hoch der Leidensdruck in der Familie durch diese Zustände ist, wäre es m. E. bei Verschlimmerung auch gerechtfertigt ihre Mutter auch stationär in einer Psychiatrischen Einrichtung zu behandeln und zu stabilisieren. Dort ist der einzige Ort, wo ihr Verhalten ärztlich und pflegerisch beobachtet werden kann.
Fazit: 1. Auf jeden Fall ambulante qualifizierte Neurologisch/Psychatrische Hilfe in Anspruch nehmen.
2. Möglichst bald ein zusätzliches Schlafmittel zum Seroquel einsetzen.
3. Das Seroquel unter ärztlicher Anleitung "aufdosieren"
4. Wenn die Situation eskaliert, auch eine stationäre Behandlung ihrer Mutter ins Auge fassen

Mit vielen Grüßen Dr. R. Berg

Fragesteller Nachfrage des Fragestellers Nachgefragt am 21.02.2012 15:15 Uhr

Meine Mutter hat das Seroquel gegen die Verwirrtheitszustän und Wahrnehmungsstörungen bekommen.
Ich habe den unten beigefügten Artikel so verstanden, dass bei Parkinsonkranken Seroquil anders wirkt als bei Demenz Erkrankungen und dass die Parkinsonkranken eine Empfindlichkeit sowohl gegen Dopamin als auch Seroqiel entwickeln können und die Symptome dadurch nur noch verschlimmert werden können. Wieso denken Sie dann man sollte dieses Medikament noch auf 800mg erhöhen? Bis jetzt ist trotz der Arztbesuche alles nur schlimmer geworden
Meine Muter kann definitiv nicht mehr ins Krankenhaus Wir sind auch einer ambulanten Paleativstation angeschlossen.Ein Wechsel in ein Krankenhaus ist nicht mehr einfach.
Ich möchte nur, dass meine Mutter wieder "zu Hause ist und nicht jeden Tag verschleppt wird. Was ist denn nun richtig mehr Neurileptikum oder weniger.Bitte lesen sie doch den folgenden Artikel und raten Sie mir bitte erneut.












Die Erkrankung führt zu einer subkortikalen und kortikalen Demenz. Die subkortikale Demenz äußert sich durch Störung der Konzentration, der Vigilanz und des Antriebs, während eine Störung der Merkfähigkeit das Charakteristikum der kortikalen Demenz ist.

Im Laufe der Zeit entwickelt sich häufig ein hypokinetisch-rigides Parkinson-Syndrom.

Das Parkinson-Syndrom bessert sich unter Therapie mit L-Dopa, jedoch entwickeln die Patienten bereits unter sehr niedriger Dosis psychotische Symptome wie Wahn und optische Halluzinationen. Diese Überempfindlichkeit gegenüber L-Dopa weist auf die Lewy-Body-Demenz hin.

Bei einer Behandlung der psychotischen Symptome mit einem Neuroleptikum zeigt sich ebenfalls eine Überempfindlichkeit gegenüber diesem Medikament. Die betroffenen Patienten werden durch Neuroleptika stark sediert und sind verwirrt.

5. Differenzialdiagnose [bearbeiten]
Differenzialdiagnostisch sollte an eine Frontale Demenz, an einen Morbus Alzheimer sowie an ein isoliertes Parkinson-Syndrom gedacht werden.

6. Diagnostik [bearbeiten]
Wichtig sind zunächst die Anamnese und die klinische Untersuchung. Zu den diagnostischen Kriterien gehören die Demenz sowie mindestens eines der folgenden Symptome:

optische Halluzinationen
Parkinson-Syndrom
Fluktuation der Aufmerksamkeit und Vigilanz
Die Überempfindlichkeit gegenüber Neuroleptika und L-Dopa ist als Hinweis auf die Erkrankung zu werten.

Um andere Ursachen einer Demenz auzuschließen, sollte ein Computertomogramm oder ein Magnetresonanztomogramm des Schädels angefertigt werden. Wenn der betroffene Patient jünger als 55 Jahre alt ist, sollte ein Morbus Wilson ausgeschlossen werden.

7. Therapie [bearbeiten]
L-Dopa und Neuroleptika sollten vorsichtig und niedrig dosiert werden. Cholinesterasehemmer können die Demenz günstig beeinflussen.

8. Prognose [bearbeiten]
Die durchschnittliche Krankheitsdauer beträgt fünf bis acht Jahre.


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Demenz | Morbus Parkinson
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Parkinson Houses
27.05.2010, DocCheck TV Redaktion
Dauer: 08:00 min

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Dr. med. Ralf Berg Rückantwort von Dr. med. Ralf Berg Beantwortet am 21.02.2012
16:26 Uhr

Hallo,

danke für die weiteren Informationen. Wenn das Krankheitsbild schon so weit fortgeschritten ist, dass eine stationäre Behandlung nicht mehr erfolgen soll, bleibt also nur vor Ort die Therapie zu ändern. Natürlich ist es richtig, dass Parkionsonkranke gegenüber Antipsychotika empfindlicher reagieren, da sie ja schon ein Dopamindefizit haben. Daher ist es richtig mit der niedrigsten Dosis zu beginnen. Da dies aber bei Ihrer Mutter weder zur Minderung der Halluzinationen noch zur Sedierung geführt hat, bleibt bis zum Versuch m. E. der Verdacht, dass dieses Medikament, was ja wie sie nun bestätigt haben schon zur Besserung der Wahnvorstellungen angesetzt wurde, nicht ausreichend hoch dosiert ist. Man beachte, das sämtliche Neben und Wechselwirkungen die in den Beipackzetteln aufgeführt sind nur "Mögliche" aber nicht obligate NW sind. Im Einzelfall ist es durchaus möglich, dass iher Mutter darauf trotz ihres Parkinsons nicht überempfindlich reagiert und eine ganz normale Dosierung benötigt. Was spricht denn dagegen dieses zu versuchen? Offensichtlich muss man bei Ihrer Mutter ja auch von einer Parkinsondemenz ausgehen, so daß Wahnvorstellungen auch ausschließlich durch das fortgeschrittene Parkinsonsymdrom bedingt sein können. Ein anderer Therapieansatz wäre, evt. die Dopamindosis wieder zu reduzieren und zu sehen, ob dann die Halluzinationen weniger werden. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, kann Ihre Mutter, trotz der Parkionsonmedikation nicht mehr alleine und selbständig sich bewegen. Die andere Alternative, die ebenfalls beschritten werden könnte ist also die, zwar eine vermehrte Steifigkeit in Kauf zu nehmen, wenn dafür die halluzinatorischen Symptome zurrück gehen würden.
Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich diese Entscheidungen für die eine oder andere Marschrichtung nicht hier per Internet vornehmen kann und will. Hier möchte ich nochmals meinen Rat an sie erneuern, dass sie vor Ort einen erfahrenen Kollegen hinzuziehen, der Ihnen in Kenntnis der klnischen Situation der Patientin, einen Vorschlag machen kann.
Besprechen Sie auch inwieweit nicht ein Versuch mit reinen Schlafmitteln wieder ein Tag/Nachtrhythmus herzustellen, möglich wäre.
Mit besten Wünschen Dr. R. Berg

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