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Kategorie: Neurologie / Nervenheilkunde

Frage: 2. Meinung eines Psychiaters zur Diagnose / tiefergehende Fragen zur Medikation

Gefragt am 26.05.2011 12:01 Uhr | Einsatz: € 20,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 1030
Bewertung: 4,0 (von 5 Sternen) 2. Meinung eines Psychiaters zur Diagnose / tiefergehende Fragen zur Medikation , 4 von 5 bei 1 Bewertungen Guten Tag, zur Vorgeschichte: im Sommer 2009 hatte ich Panikattacken und bin dann 2 Monate in einer Klinik gewesen. Ich hatte aufgrund von Schwindelanfällen starke Gesundheitsängste entwickelt und Stress (Trennung von der Mutter meines Sohnes und berufliche Belastung/Flucht in die Arbei

Guten Tag,

zur Vorgeschichte: im Sommer 2009 hatte ich Panikattacken und bin dann 2 Monate in einer Klinik gewesen. Ich hatte aufgrund von Schwindelanfällen starke Gesundheitsängste entwickelt und Stress (Trennung von der Mutter meines Sohnes und berufliche Belastung/Flucht in die Arbeit) spielten wohl auch eine Rolle. Ich bin mir im Nachhinein immer noch unsicher, was genau der Auslöser für die Panikattacken war. Wenn ich das Thema Burnout bei meinem (jetzigen) Therapeuten anspreche, sagt er nur, dass dies kein eigenständiges Krankheitsbild wäre und es vor allem um die Behandlung der begleitenden Krankheiten wie Depression und Angst ginge. Dieser (mein jetziger Therapeut) geht bei mir übrigens von einer generalisierten Angststörung aus. Bei meiner Entlassung aus der Klinik ging es mir aber noch nicht viel besser - ich hatte immer noch Angstzustände und Panikattacken. Die Panikattacken hörten erst auf als ich 3 Monate später begann Citalopram 20mg zu nehmen.

Auch das Schlafen (ich litt vorher vor allem auch unter Ängsten was die gesundheitlichen Folgen von Schlaflosigkeit angeht bzw. Angst aus Schlafmangel zu sterben) und die allgemeine Stimmung hat sich seitdem sehr verbessert.

Seit einiger Zeit nehme ich aber verstärkt wahr, dass ich morgens direkt nach dem Aufwachen sofort sehr unruhig bin, schwer atme, zittere und mir schwindelig ist. Manchmal habe ich auch Kopfschmerzen und Kribbeln/Brennen in den Händen und im Gesicht. Manchmal habe ich auch ein komisches Gefühl, dass mir bis in den Kopf hochsteigt - alles fühlt sich dann irgendwie pelzig/anders an und ich weiß nicht genau wie ich dies beschreiben soll ... Ich frage mich was das sein kann - es fühlt sich nicht so an wie die Panikattacken und die Angstzustände früher. Abends geht es mir meistens viel besser.

- sind dies Erschöpfungssysmptome (Burnout)? Wie kann ich relativ sicher feststellen, dass ich in einem Erschöpfungszustand bin - wie äußert sich dieser?
- sind dies Nebenwirkungen des Citaloprams? (sind die 20mg mittlerweile bei mir nicht mehr nötig? zuviel Serotonin? Serotoninsyndrom?)
- ist es evtl. noch zuwenig Citalopram (sollte ich auf 30mg erhöhen?)
- ist es immer noch die Grunderkrankung (welche auch immer), die durch das Citalopram nur etwas "gedeckelt" wird und daher anders in Erscheinung tritt?


Als ich einmal versuchte, das Citalopram abzusetzen, ging es mir nach ca. 5 Tagen sehr viel schlechter (Ängste wurden wieder stärker und ehemals vorhandene Zwänge traten wieder auf). Besonders Angst machte mir auch noch ein Symptom, dass sowohl beim Absetzen, als auch beim Wiedereinsetzen des Citaloprams auftrat: beim Einschlafen wurde mir schwindelig und ich sah mit geschlossenen Augen verschwommene und verzerrte Bilder - ich fühlte mich wie betrunken. Ich habe dies zuvor erst einmal erlebt habt, als ich etwas Alkohol getrunken habe während der Einnahme des Citalopram -seitdem trinke ich nur noch alkoholfreies Bier. Wie kann dieses Phänomen erklärt werden?

Vielen Dank und viele Grüße

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Antwort

Beantwortet von Dr. med. Ralf Berg (Profil ansehen)

Lieber Ratsuchender,

Was bei Ihnen am Morgen auftritt ist m. E. am ehesten ein sog. Hypervertilationssyndrom. Dies ist bei Ihnen auch kein eigenständiges Krankheitsbild sondern ist im Rahmen ihrer Angststörung/Depression zu sehen. Durch (bewußtes oder auch unbewußtes) verstärktes Atmen, kommt es zu Elektrolytverschiedungen im Blut die ursächlich für ihre Symptome (Kribbeln, flaues Gefühl etc.) sind. Durch LANGSames ruhiges Atmen mit bewußten Atempausen bildet sich dies aber wieder alles zurück.

Ich bin der Meinung dass Sie engmaschig psychiatrisch betreut werden sollen. Es sollte nicht so sein, dass Sie selbst die Medikamenten im Selbstversuch an- oder absetzen müssen. Lassen Sie sich bitte dabei beraten. Sowohl der Alkohol wie auch das Citalopram greifen in den Hirnstoffwechesel ein. Nimmt man beides zusammen kann dies zu unverhersehbaren Reaktionen kommen.
Insgesamt sollten Sie das Gespräch mit Ihrem Therapheuten suchen. Citalopram ist vielleicht nicht das geeigente Medikament für Sie. (Es wird bevorzugt als Erstes eingesetzt, da die Nebenwirkungen im Allgemeinen weniger ausgeprägt sind wie bei anden. Allerdings ist die Wirkung auf die Angst nicht immer ausreichend.
Aber es gibt sehr viele verschiedene Wirkstoffe, und man wird neben der Gesprächstherapie zur Überwindung Ihrer Angststörung sicher ein Präparat für sie finden, bis Sie diese Ängste besser im Griff haben. Wichtig ist ein direkter und auch konstanter Kontakt zu einen Therapheuten ihres Vertrauens, mit dem Sie sich zu allen evt. auftretenden Beschwerden besprechen können. Sie sehen das schon richtig, diese Medikamenten sollen Ihnen helfen ihre Ängste besser im Griff zu haben. Herauszufinden, wodurch diese Panikattaken ausgelöst werden, oder zumindest Verhaltensweise zu Trainieruen, damit man in der Lage ist dies Panikattaken abzuwenden ist die eigentlich Aufgabe.
Bitte schliessen Sie, fall die Zwänge und Ängste stärker werden, eine stationäre Therapie nicht gleich aus. Ob diese jetzt schon notwendig ist kann am besten Ihr Therapheut beurteilen, der Ihren bisherigen Krankheitsverlauf kennt.
Und wie gesagt, Ihre Hyperventilationbeschwerden sind nicht besorgniserregend, sonder eine Art körperlicher "Angstreaktion"
PS: bitte teilen sie mir noch mit wielange sie schon das Citalopram einnehmen. Erst mit dieser Information kann ich entscheiden, ob es nicht noch zu früh ist das Medikament zu wechseln.

Mit vielen Grüßen R. Berg

Nachfrage
Vielen Dank für Ihre Antwort,

allerdings finde ich es schade, dass Sie auch konkret auf die Fragen zu den Erschöpfungssymptomen eingegangen sind. Das Citalopram nehme ich bereits seit 1,5 Jahren. Im Krankenhaus war ich wie gesagt bereits (vor 2 Jahren). Dort habe ich mich aber überhaupt nicht wohl gefühlt und eine weitere Auszeit von 2 Monaten würde mich wohl auch in die Arbeitslosigkeit bringen, womit mir nun auch nicht wirklich geholfen wäre.

Ich habe nicht das Gefühl, dass sich meine Symptome durch bewusst langsames und ruhiges Atmen verbessern ... Vielleicht kann ich das bewusst auch gar nicht so steuern. Können Sie mir noch näheres zu den Elektrolytverschiebungen sagen?

Rückantwort
Danke für ihre weiteren Informationen. Nach 1,5 Jahren halte ich es für aussichtsreich, wenn mit Citalopram keine ausreichende Kontrolle der Angstzustände oder der bei Ihnen vorliegenen Symptome von Hyperventilation möglich ist, einen Wechsel des Medikaments in Erwägung zu ziehen. Das Ihnen die stationäre Möglichkeit nichts bringt, ist für mich plausibel nachvollziehbar. Warum Sie es schade finden, dass ich konkret auf ihre Fragen zum Erschöpfungssymtom eingegangen bin verstehe ich nicht. Meinten Sie vielleicht, dass es für Sie nicht ausreichend genug war? "Burn out" äußert sich ganz unterschiedlich. Was bei Ihnen nach Ihrer Schilderung vorzuliegen scheint ist m. E. eine beschleunigte oder vertiefte Atmung. (Dafür kann es auch internistische Ursachen geben. (z.b. Diabetes Nierenerkrankungen) lassen Sie zur Sicherheit dieses im Blut beim Hausarzt noch mal cheken wenn das alles ganz neu aufgetreten ist.
Nun zu dem Mechanismus der Elektrolytverschiebungen bei der Hyperventilation. Es handelt sich um einen vorübergehenden relativen Calziummangel. Durch die Hyperventilation wird zunächst nur der PH (= Säurewert) des Blutes verschoben durch Abatmung von C02. Da der Körper diesen PH wert unter allen umständen neutral halten will, werden Puffersysteme aktiviert, was zur Folge hat, dass sehr viel Calzium an Serumeiweise gebunden wird. So entsteht kurzfristig ein "relativer" Calziummangel.Das Calzium ist ja noch da, doch steht es für andere Systeme wie Nerven- oder Muskelmembranen, die ebenfalls viel Calzium brauchen, nicht mehr zur Verfügung. Diese können nicht mehr richtig arbeiten. Bei den Nerven kommt es zur Dauerdepolarisation und damit zu Mißempfindungen wie Kribbeln , Stechen, Ameisenlaufen.
Beim Muskel, insbesondere den kleinen Fingermuskeln der HÄnde zu einer Art Krämpfe, die Muskeln können nicht mehr entspannen, die Hände ziehen sich "pfötchenförmig" zusammen wenn dieser Zustand länger bestehen bleibt.
All dies kann unterschwellig aus eine diffusen Angst heraus ausgelöst werden. Sie sollten das unbedingt auch Ihrem Therapheuten schilden. Mit freundlichen Grüßen R. Berg

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