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Kategorie: Innere Medizin

Frage: Rheuma/Sek.Hyperparathyreoidismus/Vit.-D-Mangel - unklare Laborwerte

Gefragt am 23.09.2010 12:20 Uhr | Einsatz: € 25,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 1032

Sehr geehrte Damen und Herren,

möchte Ihnen gerne Fragen zu Laboruntersuchungen stellen.
Bin weibl., 51 J.
Letzte Woche hatte mir Herr Dr. Berg schon mal hier weitergeholfen u. kennt etwas die Vorgeschichte.

Neueste Diagnosen:
Sek. Hyperparathyreoidismu bei Vit.-D-Mangel
Angststörung u. Depression
2 Milzherde (werden noch abgeklärt)
Steatosis hepatis (wurde mir schon als junge Erwachsene gesagt, trinke überhaupt keinen Alkohol, seit 2 J. etwas Übergewicht, bis dahin immer Normalgewicht)

Labor:
Nebenbefundlich AK gg. Aktin, Abklärung ASMA
2/10 ASMA: atyp. Fluoresz.-Muster, Abklärung Vimentin (Vimentin wurde nicht ermittelt)

Hämostaseologie:

Pathologisch:
PTT 38,2 (22,5-35,7) erhöht
Lupus Ratio PTT 1,11 (ab 1,07) erhöht
Lupus-Antikoag.-Index 36,88 (bis 15) erhöht

Normal:
Kaolin-Ger.-Zeit
Quick (TPZ)
Thrombopl.-Zeit
Lupus-Antikoagulans
DRVVT Screen Lupus
IgG-Cardiolipin-AK

FRAGEN:
- Was hat das zu bedeuten bezügl. ASMA, Aktin, Vimentin
und der 3 erhöhten Werte der Hämostaseologie?
- Sollte ich weiter abklären lassen, oder besteht kein
Grund hierzu?
- Was bedeutet neuromuskuläre Balance bezügl. des
Hyperparathyreoidismus bei Vit.-D-Mangel?

Herzlichen Dank im Voraus für Ihre Bemühungen und

mit freundlichen Grüßen

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Antwort

Beantwortet von Dr. med. Ralf Berg (Profil ansehen)

Liebe Fragende,

Ihre Vermutung, dass Sie eine "Art" Rheuma haben ist schon ganz richtig. Nach den jetzt vorliegenden Untersuchungsergebnissen, deutet vieles daraufhin, dass Sie eine Autoimmunerkrankung, den Lupus erythematodes, der neben den Gelenken auch die Leber betreffen kann haben. Daraufhin deuten, die AK gegen Aktin, (auch die gegen Vimentin mein Rat ist weiter abklären lassen), die Lupus Ratio und die erh. Gerinnungswerte. Zur weiteren Erhärtung des Verdachts auf einen Lupus können noch ssDNA-Antikörper und dsDNA Antikörper bestimmt werden. Alle bisherigen Werte sind nicht massiv erhöht, auch die Beeinträchtigung der Gerinnung ist geringfügig. Dahr weiter abklären lassen.
Zur letzten Frage Neuromuskuläre Balance bei Hyperparathyreoidismus, ist denke ich wohl gemeint, dass Sie noch keine Ausfälle, wie Krämpfe, o. ä gehabt haben. Da der Hyperparthyreoidismus nur sekundär (durch den Vit D Mangel) ist, muss nicht operiert werden, sondern meist reicht ein Vitamin D Angebot an den Körper.
Lassen Sie unbedingt weiter abklären, da auch noch andere Kollagenosen in Frage (Dermatomyositis, Sklerodermine, Polymyositis etc) kommen können. Ihr Arzt ist schon auf der richtigen Spur. Ich hoffe sehr, dass Ihnen eine dann eingeleitete Therapie helfen wird. (Wundern Sie sich nicht, wenn Ihnen ihr Arzt vorschlägt mit Kortison zubehandeln. Es geht oft nicht anderst.) Hauptsache Ihre Gelenke haben weniger Schmerzen. Der Lupus, kann leider neben den Gelenken viele Organe (Haut, Leber ) befallen.
Viele liebe Grüße R. Berg
(Sie dürfen mir gerne als Rückfrage weiter berichten)

Nachfrage
Hallo Herr Dr. Berg,
vielen Dank für Ihre Antwort und hier noch einmal eine Nachfrage. Dann begebe ich mich wieder in "irdische" Behandlung.

Zuerst noch ein paar Angaben aus meinem Befundbericht aus der letzten Rheuma-Klinik.

Labor:
Autoimmunserologie:
ENA-Ak, Jo-1-Ak, SSB-Ak, Sm-Ak, SSA-Ak, ANA Hinweis auf Ak gg. Aktin (s.o.), ds-DNA(IgG), U1-sn-RNP-Ak, c-ANCA, p-ANCA, RF, CCP, C3-Kompl., C4-Kompl., IgM, IgG, IgA, freie Leichtketten Typ Kappa u. Lambda alle Werte o.B.
IgG 7,9 g/l 7,9 (7-16)Befund: kein Anhalt für eine Gammopathie.
Der CCP-Wert war lag vor 1 J. mal bei 28,5, danach 2 x negativ.

Zudem wurde eine Nierenschädigung mit geringer Einschränkung der GFR befundet.

Noch ein paar Wehwehchen meinerseits:
Seit Mai 2010 tauber Oberschenkel re. (keinerlei Rückenprobleme), seit ca. 1 J. Probleme beim Wasserlassen (Stopp and Go, kleinere unwillkürliche Urinabgänge), letzte Woche 2 x leichte Stuhlinkontinenz)-wie peinlich.
Des Weiteren in den letzten 3 Tagen ganz plötzlich auftretende rote, aber auch juckende Flecken an der Hand, Fuß u. gestern Schulter.
Ich habe bisher 1 Tabl. Vitamin D 20.000 i.E. eingenommen, vielleicht liegts daran.
Ansonsten habe ich keine typischen Lupus-Anzeichen (z.B. Schmetterlingserythem).
Wie schon berichtet, 2 Milzherde.

In meinem Befundbericht aus der Klinik stand nichts über eine weitere Abklärung, somit bin ich davon ausgeganen, dass die erhöhten Werte keine Bedeutung haben.

FRAGEN:
- Sind der Lupus oder andere rheum. Erkr. somit
ausgeschlossen?
- Kann er, falls doch vorhanden, vererbt werden?
- Könnte ich eine "Cortison-Probe" machen, habe Prednisolon
zu Hause?
- Was besagen der Lupus-Antikoag.-Index und Lupus-Ratio PTT?
- Könnten meine körperl. Probleme psychisch bedingt sein
(ich zweifele langsam an meinem Verstand)?

Es ist doch alles irgendwie seltsam, insb., da ständig neue Beschwerden hinzukommen. Meine Schmerzen in Füßen, Händen, Knien und Gesäß im Sitzen sind unverändert.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und vielen Dank für Ihre Bemühungen. Falls Sie weiter informiert werden möchten, teilen Sie mir doch bitte mit wohin ich faxen o. mailen kann.

Liebe Grüße

Heidi Petry

Rückantwort
Liebe Frau Petry

Ein Lupus oder eine andere rheumat. Erkrankung ist m. E. nicht sicher ausgeschlosssen. Mann kann (wie ich selbst in der Praxis 2fach schon erlebt habe) sich auf die Laborparameter nicht verlassen. Autoimmunkrankheiten verlaufen oft in Schüben. Es ist wie der Hirsch im Wald, wenn er sich gerade nicht zeigt, kann man noch solange auf die Pirsch gehen und man wird nichts finden. Trotzdem ist der Hirsch existent. Über eine Vererbung von Kollagenosen ist mir nichts bekannt, es gibt eben keine abgesichertes Wissen über die Entstehung der Kollagenosen, nur Theorien. Die Lupus Anitkog. Index und Lupus Ratio PTT können Hinweise auf Lupus sein. Auch kommt ein Hautbefall vor, diese Flecken sollten Sie ihren Rheumatologen zeigen (bevor sie wieder weg sind), ich glaube nicht das das an der Vit D Einnahme gelegen hat. Zwar kenne ich nicht Ihren Charakter und Sie als Persönlichkeit, aber ich möchte Sie bestärken nicht an Ihrem Verstand zu zweifeln. Zwar kann sich der Mensch so einiges einbilden, aber Ihre Beschwerden erscheinen mir doch sehr real.
Als Praktiker würde ich Ihnen nach wie vor zu einem Versuch mittels Cortisonstoß raten. Aber bitte nicht alleine irgendwie. Wenn dann muss man hoch genug (kurzfristig) einsteigen. Dazu nimmt man statt des Prednisolons, fluorierte (halb)synthesische Cortisone, die bis zu 40 mal so stark wirken wie ein Prednisonäquivalent. Dies muss dann auch ausgeschlichen werden und das Blut muss kontrolliert werden.
Weitere Mitteilungen oder Arztbriefe können sie mir am liebtsten per Fax 07743 929593 schicken.

Mit vielen Grüßen Dr. R. Berg

(Rückmeldung etwas spät, da ich eine Woche auf Fortbildund war)

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