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Kategorie: Innere Medizin

Frage: Fragen zu Hypoxie

Gefragt am 26.09.2011 14:09 Uhr | Einsatz: € 20,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 1025
Bewertung: 5,0 (von 5 Sternen) Fragen zu Hypoxie , 5 von 5 bei 1 Bewertungen Hallo, hatte etwas detaillierte Fragen zu bestimmten Formen der Hypoxie. Dabei geht es zum einem um die ischämische Gewebshypoxie und zum anderen um die verminderte Sauerstoffverwertung in der Zelle. Bei beiden Formen ist ja der Sauerstoffwert im Blut Normal, nur das Gewebe oder eben die Ze

Hallo, hatte etwas detaillierte Fragen zu bestimmten Formen der Hypoxie.

Dabei geht es zum einem um die ischämische Gewebshypoxie und zum anderen um die verminderte Sauerstoffverwertung in der Zelle. Bei beiden Formen ist ja der Sauerstoffwert im Blut Normal, nur das Gewebe oder eben die Zelle ist minderversorgt.

Nun die Frag: Kommt es bei diesen Formen auch zur Zyanose? Können diese Formen chronisch sein oder gibt es diese nur als akute Erkrankung? Und wie sieht die Diagnostik der jeweiligen Form aus?

Vielen Dank für ihre Hilfe.

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Antwort

Beantwortet von Dr. med. Ralf Berg (Profil ansehen)

Hallo,
nicht ganz einfache Frage, da erst einmal Grundlagen erläutert werden müssen: Cyanose= Klinisches Zeichen mit bloßem Auge zu sehen, bezeichnet die bläuliche Verfärbung von Nägeln,Fingern, Ohrläppchen, Zehen als "Periphere Cyanose", oder die bläuliche Verfärbung von Lippen/Zunge als "zentrale Cyanose" Dies tritt auf wenn über 30% der Moleküle des Blutfarbstoffes Hämoglobin nicht mehr mit Sauerstoff beladen sind. Allerdings nur wenn der absolute Gehalt an dem Blutfarbstoff (HB mg/dl) sich innerhalb der Normgrenzen befindet. Unter HB wert von 7 kann trotz Sauerstoffmangel die Cynose fehlen, bei Erkrankungen die mit stark erhöhtem HB -Werten einhergehen, können Patienten permanent blaue Lippen haben, ohne dass eine akute Hypoxie vorliegt.
Aus dem gesagten ergibt sich, das dieses Zeichen weder mit der Gewebshypoxie noch mit der verminderten Sauerstoffverwertung der Zelle direkt korreliert.

"Innere Hypoxie der Zelle" bzw. alle Zustände bei der die Sauerstoffverwertung in der Zelle gestört ist, zeichnen sich eigentlich dadurch aus, dass nicht nur der Sauerstoffgehalt im Blut sondern auch im Gewebe normal ist.
Da die verwertung jedoch blockiert ist (klassich bei der Cyankalivergiftung ) kommt es trotzdem zur funktionellen Hypoxie der Zelle. Eine Cyanose ist bei diesen Vergiftungsfällen nicht zu sehen.

Unter Ischämischer Gewebshypoxie versteht man eine Minderversorgung des Gewebes mit Sauerstoff, da die Blutversorgung oder die Durchblutung unzureichend ist. Hier tritt in dem betroffenen Gebiet meist eine Blauverfärbung ein, Ausnahme:
der Patient ist ausgeblutet, Ursache s. o.

Die "innere Erstickung" durch verminderte Sauerstoffverwertung führt, wenn Sie nicht antagonisiert werden kann zum Zelltod, daher gibt es keine chronische Formen.

Ischämien bes. in einzelnen Körperteilen, z. Teil auch in einzelnen Organgen, insbesondere wenn die Sauerstoffversorgung/Durchblutung nicht ganz aufgehoben ist, können schon chronisch vorkommen.
Die Zeiten wie lange dies eine Gewebe oder Organ durchhält sind spezifisch und Interindividuell variabel. Bei einer kompletten Hypoxie kann im Hirngewebe nach 10-15 Minuten nicht mehr mit einer Erholgung gerechnet werden. Die Herzmuskelzellen können sich u. U. noch nach 30-45 Minuten nochmals erholen. Sehnen und Knorpelgewebe kann stundenlange Hypoxie verkraften.
Daher läßt sich ihre Frage nach der Diagnostik nicht generell sondern nur spezifisch beantworten.
In der Praxis wird auch keine Gewebshypoxie gemessen, sondern, der Sauerstoffgehalt im Blut (arterielle BGA-Werte) und die Kreislaufparameter. Sind diese in Ordnung und liegt keine Unterbrechung des Blutflusses in das in Frage stehende Gewege oder Organ vor, kann es nur noch dann zu einer Hypoxie der Zellen kommen, wenn eine von Ihnen angesprochene Sauerstoffverwertungshypoxie (Vergiftung) vorliegt.

Ich hoffe ich konnte die Zusammenhänge etwas aufklären, auch wenn dies ein schwieriges Terrain ist. Man kann sich einem lebenden System eben auf verschiedenen Ebenen nähern und dies beschreiben. Morphologie, Funktion und Steuerungsebenen gehen dabei Verknüpfungen ein und sind auch nur so in Verbindung zu interpretieren. In der Medizin gibt es daher eine anatomische, biochemische, Physikalische Betrachtungsweise, aber eben so auch die klinische, symtomatologisch, deskriptive Herangehensweise, und darüberhinaus muss beim Menschen auch die Psychischen und psychodynamische und Spirituelle Ebene mit berücksichtigt werden.
Wenn Sie Ihre Kenntnisse vertiefen wollen, kann ich Ihnen das Thieme Taschenbuch Physiologie empfehlen in dessen zwei Bände in Kurzform, die Funktionen und Besonderheiten der einzelnen Gewebe und Organsysteme beschrieben werden.
Mit vielen Grüßen Dr. R. Berg

Nachfrage
"In der Praxis wird auch keine Gewebshypoxie gemessen, sondern, der Sauerstoffgehalt im Blut (arterielle BGA-Werte) und die Kreislaufparameter. Sind diese in Ordnung und liegt keine Unterbrechung des Blutflusses in das in Frage stehende Gewege oder Organ vor"

Dazu würde ich gerne noch etwas nachfragen. Bei der Gewebshypoxie wird jedoch zwischen arterieller Ursache (Was sie beschreiben) und einer Durchblutungsstörung unterschieden. In dem Fall der gestörten Gewebedurchblutung würde es ja trotz normaler arterieller Sauerstoffwerte zu eine Hypoxie kommen. An welchen WErten kann denn diese Störung abgeleitet werden?

Vielen Dank nochmal für ihre ausführliche Antwort.

Rückantwort
Hallo
leider muss ich nun auch eine Rückfrage stellen: Was stellen Sie sich unter einer gestörten Gewebedurchblutung vor ? Der Blutkreislauf ist ein geschlossenes System von den arteriellen Blutgefäßen, deren Erythrozyten Sauerstoff in der Lunge aufgenommen haben führt er durch das Gewebe = die winzigen Gewebskapillaren (unter 0,3minimeter maximal) zurück in die venösen Gefäße. Solange ein ausreichender Blutfluss mit sauerstoffreichem Blut existiert wird das Gewebe mit Sauerstoff versorgt. Eine Generelle Hypoxie (z.b. bei Lungenversagen, fehlen des Sauerstoffs in der Atmosphäre) führt, da ja auch das Blut in der Arterien ohne Sauerstoff ist zu einer Hypoxie des Gesamten Organismus(und natürlich zum Tod). Sind nur einzelne Körperteile von der Durchblutung abgeschnitten (z.b. das Gehirn beim Schalganfall, das Herz bei verlegung der Herzkranzgefäße) entsteht eben nur dort eine Hypoxie im Gewebe, meinen Sie diesen Fall?
Es gibt ein Gerät mit dem man die Prozentuale Beladung der Erythrozyten mit Sauerstoff messen kann, ein sog. Pulsoxymeter, allerdings eben nur an ganz wenigen Stellen (Nagelbett an Händen und Füßen, Ohrläppchen und bei Kleinkindern auch am Handballen,). Dies ist deshalb so, da nur dort die Kapillarstrecke nicht von der Haut überdeckt ist , oder die Haut mitsamt dem Gewebe so dünn ist, dass der Meßstrahl diese durchdringen kann und noch ausreichend reflektiert wird. Die Aussage, dass keine Gewebshyposie besteht, bezieht sich streng genommen nur auf den Nagel/Ohrläppchenbereich. Indirekt kann man aber natürlicch sagen, dass die den Arm versorgende Arterie A. Subclavia nicht mit einem Thrombus verstopft sein kann.
In Experimenten werden in dem zu untersuchenden Gewebe zwei ganz feine Gewebselektroden durch die Haut eingestochen um den Sauerstoffgehalt der Gewebe dirket zu messen. Diese sind sehr filigran und anfällig und eigenen sich nicht für eine Routineanwendung, zumal die Verletzung in keinem Verhältnis zum Erkenntnisgewinn steht.
Also eine Hypoxie durch eine Durchblutungsstörung setzt immer voraus, dass der arterielle Blutzufluss unterbrochen oder eben so stark vermindert ist, dass zu wenig Sauerstoff im Gewebe angeliefert wird und es durch den ständigen Verbrauch zu einem Abfall des Gewebssauerstoff kommt. Die Folgen werden oft indirekt "Gemessen", also wenn die Nieren eine Hypoxie haben, werden sich die Werte im Urin verändern.
Wenn das Gehirn eine Hypoxie hat, werden die geistigen Leistungen Sprechen Denken Konzentration WillkürMotorik gestört sein, Wenn eine Minderdurchblutung des Herzmuskel auftritt können wir im Blut nach einiger Zeit Enzyme nachweisen, die dort normalerweise nicht auftreten. Dies würde, auch wenn es dem Patienten schon wieder gut geht eine stattgehabte Hypoxie/Ischämie beweisen.
Etwas klarer geworden? Sie müssen ganz konkret das Gewebe, den Körperteil, die Situation bennen, (dies aber in einer eigenen Frage) für das Sie Zeichen einer Hypoxie vermuten, dann kann man Ihnen auch konkreter antworten. Ein Meßinstrument oder "Standartwerte" gibt es so nicht

mit Vielen Grüßen R. Berg

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