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Kategorie: Allgemeinmedizin

Frage: Hepatitis B

Gefragt am 07.10.2010 12:02 Uhr | Einsatz: € 10,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 1035

Meine neue Partnerin hat seit ihrer Geburt eine chronische Hepatitis B. Sie ist trotz kleiner Virenanzahl im Blut, Übertragungträger.

Ich habe nun die erste Spritze zur Hepatitis B Impfung (aktive Impfung) erhalten. Mein Arzt hat mir zusätzlich nun eine passive Impfung mit Bepatitis B Immunglobuline gespritzt.

Er meinte, daß dadurch eine Ansteckung der Hepatitis B ausgeschlossen ist, auch bei Schelechtsverkehr, da durch die passive Impfung sich nun Abwehrkräfte im Körper befinden bis die passive Hepatitis B Impfung greift.

Ist eine passive Impfung mit Hepatitis B Immunglobuline wirklich so sicher ?

Vielen Dank für Ihre Antwort.

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Antwort

Beantwortet von Dr. med. Ralf Berg (Profil ansehen)

Hallo, das ist ja eine in mehrerlei Hinsicht interessante Frage.

1. Datenlagen:
Ich gehe davon aus, dass Sie das Hepatitis B Immunglobulin von Behring erhalten haben. Von einem Schutz vor Ansteckung wird ausgegangen wenn dadurch (oder durch die aktive Impfung) mindestens ein AntiHBS-Titer im Blut von über 1 :100 gemessen werden kann. Daten darüber wie lange dieser Titer nach Einmalgabe eine Immunglobulins im sonst gesunden Organismus anhält gibt es nicht !! Das heißt in letzter Konsequenz, daß man regelmäßig diesen Titer kontrollieren muss. In welchen Intervallen ist ebenfalls nicht wissenschaftlich abgesichert, da keine Daten vorhanden. Empfohlen werden seitens der Firma mindestens alle 4 Wochen.
Die einzigen Daten zur Wiederholung der Immunglobulingabe, existieren nur bei Lebertransplantierten mit Hepatitis B Infektion. Dort reicht der AK -Titer der Spritze mindestens 3 Monate lang. Aber Vorsicht, dies sind keine "normalen" Vergleichspatienten, da diese andererseits auch immunsupprimiert sind. Man kann diese Daten nicht einfach auf Ihren Fall übertragen.

2. Finanzielle Aspekte:
Die passive Einmalgabe kostet 180 Euro und ist in Ihrem Fall zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung sicher nicht zu übernehmen. Das gleiche gilt für die notwendigen Titerbestimmungen, die ebenfalls mit ca. 60- 80 Euro pro Untersuchung zu Buche schlagen. Wollen Sie soviel Geld ausgeben?

3. Alternativen:
Bis zum aktiven Nachweis eines aktiven Impftiters z.b. 1 Woche nach der 3ten Impfung, besteht die Möglichkeit der Enthaltsamkeit. Dies ist nebenbei bemerkt die einzige 100 % sichere Möglichkeit.
Die zweitbeste (aber eben nicht 100 %tig) ist ganz einfach die Nutzung eines Kondoms, auch unter Kostengesichtspunkten schneidet diese Variante ganz gut ab.
Die größte Unsicherheit besteht bei der nun vorliegenden Methode, zumindest solange wie in Ihrem Blut nicht ein Titernachweis erfolgt ist.
Gerade bei der Hepatitis B kommt es bei Erwachsenen vor, dass es Nonresponder auf die aktive Impfung gibt. Daher ist bei beruflich exponierten von BG`s und dem RKI eine Titerbestimmung vorgesehen. (BG=Berufsgenossenschaften, RKI RobertKochInstitut)

Ich hoffe Sie konnten den doch etwas komplizierten Ausführungen bisher folgen.
Da nun beide Impfungen schon erfolgt sind mein abschließender Rat an Sie beide:
In jedem Fall die aktive Impfung (wenn möglich nach Schnellschema) zu Ende führen und:

1. Möglichkeit
Ich würde in jedem Fall nach 4 und 8 Wochen eine Hepatitistiterbestimmung (auch auf eigenen Kosten) vornehmen lassen, um mit Sicherheit ungeschützen Verkehr haben zu können.
2. Möglichkeit
Alternativ könnten Sie bis zur zweiten Impfung sich durch Kondome schützen. Ist nach weiteren nach weiteren 4 Wochen nach der 2 Impfung eine Titerbestimmung hoch genung für den Schutz, können Sie dann auf die Kondome verzichten. Man kann dann davon ausgehen, dass die aktive Impfung angeschlagen hat.
Zur Sicherheit sollte man das Absinken des Titers (normalerweise nach der 3. Imfpung sehr langsam, Schutz über 10 Jahre) beobachten.

Mit freundlichen Grüßen Dr. R. Berg

Nachfrage
Leider wurde nichts zu der Wirksamkeit des Immunglobulin Hepatitis B gesagt. Ich habe dieses Medikament von Behring 1Ml FER gespritzt bekommen. Darf ich nun meine Partnerin küssen ohne durch Speichel mit Hepatitis B Viren angesteckt zu werden ?
Geschützter GV ist sowieso der Fall, jedoch ist zuletzt ein Kondom gerissen. Mein Arzt hat mir daraufhin das Immunglobulin gespritzt und meint zu Vermuten, daß dies dann ein Notfall ist und von der Krankenkasse übernommen wird, da das Medikament die Viren rückwirkend bis zu 7 Tagen des Vorfalls immunisieren kann.

Mit freundlichen Grüßen

Rückantwort
Sehr geehrter Herr,

Leider habe ich Ihre Frage in dem Punkt der Wirksamkeit, so wie es in Ihre Nachfrage präzisiert wird nicht so verstanden. Denn:
Natürlich ist das das Immunglobulin wirksam.
Bevor eine Substanz in Deutschland die Zulassung als Arzneimittel erhält, muss immer ein Wirksamkeitsnachweis von der Firma geführt, und mit Studien die dieses belegen, der Zulassungsbehörde vorgelegt werden. Mit dem Medikament werden in jedem Falle so viele wirksame Immunglobuline gegen Hepatitis B Viren zugeführt, dass eventuell im Körper vorhandene Viren inaktiviert werden. Es besteht ein Sofortschutz. Bei oder nach einer einmaligen Exposition (wie beim geplatzten Kondom) ist dies in jedem Fall ausreichend und sicher, und bei dieser Konstellation natürlich auch ein Fall für die Krankenkasse.
Ich hatte die Frage so verstanden, dass Sie wissen wollten ob es Untersuchungen gibt, wie lange der passive Impfschutz durch Immunglobuline anhält. Diese gibt es auch nach Nachfrage beim Hersteller nicht. Denn diese Immunglobuline wurden eben für so einen einmaligen Un/Notfall,(med. Postexpositionsprophylaxe) entwickelt, und eben nicht als Überbrückung bis die aktive Immunisierung bei fortgesetzter Exposition greift. Einzige Erfahrung im Dauerschutz, bei Lebertransplantierten, wie schon gesagt.
Also im Moment ist alles wie Ihr Arzt es Ihnen gesagt hat so ok.

Auch wenn im Speichel Hepatitisviren vorkommen und beim Küssen übertragen werden können ist das Ansteckungsrisiko verschwindend gering beim Hepatitis B Typ. Ohne eine bereits vorhandene offene Wunde, oder Schleimhaut- verletzung bei Ihnen, also einen direkten Zugang in das Blut ist das Virus nicht in der Lage Sie zu infizieren. . Eine intakte Haut oder Schleimhaut stellt einen wirksamen Schutz gegen dieses Virus dar. Also, solange Sie keine Wunden ( z.n. Zahnextraktion) oder Rissen ( z.b. auf die Zunge/Wange gebissen) oder kleine Geschwüre (Aphten im Mund) haben können sie auch küssen.
Im Gegensatz zum Hepatitis A Virus, dass sich auch Oral/enteral ausbreiten kann, muss es beim B Virus zu einer "parenteralen" Übertragung (direktes übertragen in Blut bzw. ins Gewebe) kommen. Ich hoffe nun ist alles klar, und nun
viel Freude beim Küssen, und noch einen schönen Abend wünscht Ihnen Dr. R. Berg

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