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Kategorie: Sonstige Frage an Steuerberater

Frage: Übernahme Leasing-PKW

Gefragt am 02.12.2009 18:09 Uhr | Einsatz: € 90,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 1064
Bewertung: 5,0 (von 5 Sternen) Übernahme Leasing-PKW , 5 von 5 bei 1 Bewertungen Sehr geehrte Damen und Herren, ich bitte um Beratung in einer Frage zum Ankauf (Übernahme) meines derzeitigen Leasingfahrzeuges. Hier meine Ausgangssituation: Ich bin als Arzt angestellt und freiberuflich als Gutachter tätig. 1/2006 Leasing eines Autos (Listenpreis: 24970) mit 5

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bitte um Beratung in einer Frage zum Ankauf (Übernahme) meines derzeitigen Leasingfahrzeuges.

Hier meine Ausgangssituation: Ich bin als Arzt angestellt und freiberuflich als Gutachter tätig. 1/2006 Leasing eines Autos (Listenpreis: 24970) mit
5000 Euro Sonderzahlung, monatl. Leasingrate 196,72 (ab 15.12.06: 201,86) Euro.
Als Betriebsvermögen deklariert und steuerlich nach der 1%-Regelung behandelt.
Anfangs lag die betriebliche Nutzung deutlich über 50 Prozent, mittlerweile hat der
betriebliche Anteil soweit abgenommen, dass ich unter 50 Prozent geraten kann (ist
durch mich steuerbar). Ich führe derzeit kein Fahrtenbuch (nur im 1. Jahr zum Nachweis
der über 50% liegenden betrieblich veranlassten Fahrten.

Der Leasingvertrag läuft nach 36 Monaten zum 8.1.10 aus, der Leasinggeber hat mir
ein Angebot gemacht, den PKW für 9600 Euro (incl. MwSt) zu übernehmen (=kaufen).
Das Angebot möchte ich eigentlich nutzen.

Meine Fragen:

1. Wenn ich den Wagen im Betriebsvermögen belasse – wie werden die Übernahme-
kosten steuerlich abgesetzt (bisher ja Leasingrate voll abgesetzt und alle Autokosten, Privatanteil über 1%-Regelung als Betriebseinnahme)?

2. Kann ich den PKW auch privat kaufen bzw. ins Privatvermögen überführen – wie muss ich diese Überführung steuerlich abwickeln und wie würde sich das finanziell
für mich auswirken?

Vielen Dank schon einmal für Ihre Hilfe und ich hoffe bald von Ihnen zu hören.


Mit freundlichen Grüßen

M.S.

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Antwort

Beantwortet von Michael Herrmann (Profil ansehen)

Sehr geehrter Fragesteller,

zunächst einmal vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich aufgrund Ihrer Angaben und vor dem Hintergrund Ihres Einsatzes im Rahmen einer Erstberatung gerne beantworte. Die Beantwortung erfolgt gemäß der Sachverhaltsschilderung. Fehlende oder fehlerhafte Angaben zu den tatsächlichen Verhältnissen können das rechtliche Ergebnis beeinflussen.

Als Freiberufler sind Sie nicht buchführungspflichtig und können den Gewinn als Überschuss der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben berechnen. Dies ist wichtig für die Ermittlung der privaten PKW-Nutzung.

Im Gegensatz zur bilanziellen Gewinnermittlung kann das Fahrzeug nur dann im Betriebsvermögen geführt werden, wenn die betriebliche Nutzung über 50% beträgt. Eine Berücksichtigung der Aufwendungen als Betriebsausgabe ist nicht direkt möglich, wenn die Nutzung unter 50% beträgt (sog. gewillkürtes Betriebsvermögen). Dieses ist bei einer Einnahme-Überschuss-Rechnung nicht zulässig.
Wird das Fahrzeug weniger als 50% betrieblich genutzt, ist es automatisch ein Privatfahrzeug. In diesem Fall können Sie pro gefahrenen Kilometer 0,30 € als Betriebsausgaben geltend machen. Der gewinnerhöhende Ansatz der privaten PKW-Nutzung entfällt.

Nun zu Ihren Fragen:
zu 1) Anders als bisher (Leasing), werden die Kosten aus der Anschaffung über die Absetzung für Abnutzung gewinnmindernd berücksichtig. Dabei wird der Kaufpreis über die Restnutzungsdauer verteilt abgeschrieben (lineare Abschreibung). Diese beträgt bei einer Regelnutzungsdauer eines PKW von 6 Jahren ab der Übernahme (Kauf) noch drei Jahre. In diesem Jahr ist noch ein Monat (Dezember) berücksichtigungsfähig.
Im Jahr 2009 und 2010 besteht darüber hinaus noch das Wahlrecht degressiv abzuschreiben. Im ersten Jahr werden dann 25% vom vollen Kaufpreis abgeschrieben und im nächsten Jahr 25% vom Restwert (Kaufpreis abzüglich Abschreibung 2009).
Beispiel: (Kaufpreis geschätzt 12.000€)
lineare Abschreibung:
2009: 12000€ / 36 Monate = 333,33€
2010: 12000€ / 36 Monate x 12 Monate = 4.000€
degressive Abschreibung:
2009: 12000€ x 25% = 3000€
2010: 9000€ x 25% = 2250€

Letztlich wird immer der gesamte Kaufpreis über die Nutzungsdauer (3 Jahre) abgeschrieben. Die Verteilung auf bestimmte Jahre ist jedoch unterscheidlich.

Die übrigen Fahrzeugkosten werden wie gehabt abgeschrieben. Die einzige Änderung zur bisherigen Handhabung ist, dass die Leasingkosten durch die Abschreibung ersetzt werden. Der Gewinnermittlung ist eine Anlagenverzeichnis (Berechnung der Abschreibung) beizufügen.

2) Wenn der PKW weniger als 50% betreiblich genutzt wird ist er automatisch ein Privatfahrzeug. Dann ist beim Kauf buchhalterich nichts zu unternehemen, da der Kauf kein Geschäftsvorfall ist. Das geleaste Fahrzeug gehört nicht zum Betriebsvermögen, da er dem Leasingeber zuzurechnen ist. Daher ergibt sich auch keine Übergabe in das Privatvermögen.
Die finanzielle Auswirkung besteht darin, dass die Aufwendungen, wie oben beschrieben, mit 0,30€ je Kilometer absetzbar werden und die Versteuerung der Privatnutzung unterbleibt. Falls die tatsächlichen Kosten höher sind, ist auch ein höherer Kilometersatz absetzbar.

Welche Variante für Sie günstiger ist, hängt von den tatsächlichen Kosten und den betrieblich gefahrenen Kilometern ab. Dies kann nur durch ein detailierte Vergleichsrechnung ermittelt werden.

Wenn das Fahrzeug im Betriebsvermögen geführt wird, ist auch ein etwaiger Veräußerungserlös zu versteuern. Dieser mindert letztlich das Abschreibevolumen.

Meine Antwort beruht auf der Annahme, dass Ihre gutachterliche Tätigkeit nicht umsatzsteuerpflichtig ist.

Ich hoffe Ihnen mit diesen Angaben einen ersten Überblick über den Sachverhalt gegeben zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Michael Herrmann
Dipl.-Finanzwirt (FH)
Steuerberater

Nachfrage
Vielen Dank erstmal, das hilft mir erstmal weiter!

Noch eine Ergänzung und eine Nachfrage: Ich bin umsatzsteuerpflichtig mit meiner freiberuflichen Tätigkeit.

Frage: Veräußerungsgewinn fiele jedoch nur an, wenn ich den PKW weiter im Betriebsvermögen führen würde und dann irgendwann mal verkaufen? Nicht aber wenn ich jetzt den PKW bei Unterschreitung der 50%-Grenze privat kaufe vom Leasinggeber? Richtig?

Danke vielmals.

MfG

Michael Schütterle

Rückantwort
Sehr geehrter Herr Schütterle,

die Problematik des Veräußerungserlöses haben Sie richtig verstanden.

Bezüglich der Umsatzsteuerproblematik ist zu beachten, dass Sie im Fall der überwiegenden Privatnutzung bezüglich der Fahrzeugkosten in der Regel keinen Vorsteuerabzug mehr beanspruchen können, da die Leistungen nicht für die unternehmerische Tätigkeit (Privatfahrzeug) bezogen werden. Dies ist bei der Vergleichsrechnung, Betriebsfahrzeug versus Privatfahrzeug, zu beachten. Die nichtabzugsfähige Vorsteuer gehört dann zu den Fahrzeugkosten.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Herrmann
Dipl.-Finanzwirt (FH)
Steuerberater

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