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Kategorie: Sonstige Frage an Steuerberater

Frage: Dienstwagen bei Fahrten zum Kunden

Gefragt am 04.05.2011 17:34 Uhr | Einsatz: € 30,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 1028

Ich versteuere meinen Dienstwagen wie üblich mit 1% des Listenpreises sowie mit 0,03% pro Entfernungskilomter zum Dienstsitz. Die Entfernung zum Dienstsitz beträgt 3km.

In der Regel fahre ich 2 bis 3 mal pro Woche zu einem Kunden, der ca. 90 km entfernt ist. Da ein Büro unserer Firma fast gegenüber idem Kunden st, verwende ich dieses Büro für Meetings oder auch zum Arbeiten.

Die Frage, die sich nun stellt: Muss ich diese 90km auch versteuern? Ist das geldwerter Vorteil?

Die weitere Frage ist: Muss ich aufgrund des Finanzamtes meinen Dienstsitz in die 90km entfernte Lokation verlegen? Wie würde sich dann die Versteuerung meines Dienstwagens ändern?

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Antwort

Beantwortet von Oliver Burchardt (Profil ansehen)

Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich gerne im Rahmen einer Erstberatung beantworte.

Der Ansatz eines geldwerten Vorteils für die Nutzung eines Firmenwagen ist nur für Fahrten zwischen Ihrer Wohnung und der regelmäßigen Arbeitsstätte notwendig.

Wenn Sie den Firmenwagen für Fahrten zu einem Kunden Ihres Arbeitgebers nutzen, liegt daran kein zu versteuernder Nutzungsvorteil für Sie. Daher sind die Fahrten zu Ihrem Kunden steuerlich irrelevant.

Wo sich Ihre regelmäßige Arbeitsstätte befindet, ist für die Frage der Besteuerung allerdings sehr relevant. Sollte Ihr Dienstsitz im 90km entfernten Büro liegen, so müssen Sie die 0,03% des Listenpreises auf die 90km anwenden. In diesem Fall würden Sie eine deutlich höhere Steuerbelastung haben.

Dies wäre dann der Fall, wenn dort (wie dies im Verwaltungsdeutsch heißt) der Mittelpunkt Ihrer auf Dauer angelegten beruflichen Tätigkeit wäre. Eine regelmäßige Arbeitsstätte kann auch durch ein regelmäßiges Aufsuchen eines Betriebssitzes des Arbeitgebers begründet werden. Es muß allerdings unterschieden werden, welche Tätigkeiten Sie in der zweiten Betriebsstätte ausüben. Wenn Sie beispielsweise 1 Mal in der Woche an einem Meeting in der zweiten Betriebsstätte teilnehmen, suchen Sie diese zwar regelmäßig auf, ob dort eine regelmäßige Arbeitsstätte begründet wird, würde ich verneinen. Anders liegt der Fall, wenn in der zweiten Betriebsstätte Ihnen ein Büro zur Verfügung steht und Sie dort regelmäßig arbeiten. In diesem Fall liegt eine zweite Arbeitsstätte vor.

Leider kann ich Ihnen Ihre zweite Frage nicht abschließend beantworten. Es kommt hier sehr auf die Umstände Ihres Einzelfalls an. Sofern Sie im weiter entfernten Büro Ihres Arbeitgebers auch Ihrer Tätigkeit nachgehen und dort nicht nur untergeordnete Tätigkeiten (wie bspw. Teilnahme an Besprechungen) ausführen, begründen Sie eine zweite Arbeitsstätte mit der Folge, daß Sie für diese Fahrten ebenfalls eine Nutzungsbesteuerung in Kauf nehmen müssen.

Ich hoffe, Ihnen im Rahmen Ihres Einsatzes weitergeholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Oliver Burchardt
Steuerberater

Nachfrage
Angenommen, ich melde einen zweiten Wohnsitz nahe der 90km entfernten Lokation an. Muss ich dann nur noch die Entfernungskilometer vom 2. Wohnsitz zum Dienstsitz für mein Firmenfahrzeug versteuern? Wie muss ich dann die Fahrten zum ersten Wohnsitz versteuern, die ich angenommen, 1mal in der Woche mache?

Rückantwort
Sehr geehrter Ratsuchender,

in diesem Fall gelten die Grundzüge der doppelten Haushaltsführung.

Dann gilt folgendes: Sie versteuern den geldwerten Vorteil für die Fahrten zwischen 2. Wohnsitz und Dienstort wie bisher mit 0,03% des Bruttolistenpreises je Entfernungskilometer. Für die Familienheimfahrten sind 0,002% des Bruttolistenpreises je Entfernungskilometer anzusetzen.

Mit freundlichen Grüßen,

Oliver Burchardt
Steuerberater

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