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Kategorie: Gewerbesteuer

Frage: haftet ein 'Freier' für Prostituiertensteuer?

Gefragt am 27.11.2011 12:21 Uhr | Einsatz: € 25,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 1037

Ich habe eine Prostituierte aus Rumänien in einem FKK Club kennengelernt, wo eine Pauschale von EUR 25/Tag abgeführt wird. Da die Geschäfte in diesem Club eher schlecht liefen, bot mir die Dame an, mich auch privat zu besuchen, wobei sie eine Freundin hat, die dies ebenso macht. Dies habe ich dann auch regelmäßig seit Mai 2011 bis vor kurzem praktiziert. Ich habe ca. EUR 2000/mtl. (bei Tagessatz von EUR 250) an sie bezahlt.

Da nun meine Frau hinter das Verhältnis gekommen ist, hat diese mich unter Druck gesetzt, da sie der Meinung ist, daß es sich hier um Schwarzarbeit handelt und verlangt von mir, daß ich eine entsprechende Anzeige an die Zoll,- bzw. Finanzverwaltung erstatte. Wohl auch mit dem Gedanken, daß ich diese Frau dann nicht mehr buche. Da meine Frau mir Sanktionen angedroht hat, prüfe ich, ob ich ihren Forderungen nachkommen soll. Sie ist selbst Lohnsteuerzahler von hat einen Abzug von rund 50%, so daß sie sich besoders ärgert, daß das Mädchen, das Geld netto einstecken darf.

Ich fürche nun aber Konzequenzen für mich selber, da ich als möglicher 'Arbeitgeber' für diese Abgaben haftbar sein könnte, so daß eine Anzeige mir mehr schadet, als der Dame, zumal diese im Dezember zu ihrer Familie reist und möglicherweise nicht mehr zurückkehrt.

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Antwort

Beantwortet von Oliver Burchardt (Profil ansehen)

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich gerne im Rahmen einer Erstberatung beantworte.

Bitte beachten Sie, daß die steuerrechtliche Würdigung auf Basis der gemachten Sachverhaltsangaben erfolgt. Das Ändern, Hinzufügen oder Weglassen von Angaben kann das steuerrechtliche Ergebnis, ggf. auch wesentlich, beeinflussen.

Als Freier werden Sie im Regelfall nicht der Arbeitgeber der Prostitutierten. Im Ausnahmefall kann das zwar geschehen, allerdings müssen nach einem Urteil des FG München v. 14. Dezember 2007, Az 8 K 849/05 eindeutige Indizien dafür sprechen. Als ein wesentliches Merkmal ist die ausschließliche Tätigkeit für einen Kunden (im Urteilsfall war zwar ein entsprechender Club Arbeitgeber, die Grundsätze sind aber übertragbar) genannt worden. Dies dürfte bei Ihnen nicht der Fall sein.

Aus steuerrechtlicher Sicht stellt Prostitution den Betrieb eines Gewerbes dar. Die Prostitutierte ist damit für die ordnungsgemäße Versteuerung der erzielten Einnahmen sowohl in einkommen-, in gewerbe- als auch in umsatzsteuerlicher Hinsicht verantwortlich. Dafür haften Sie als Auftraggeber nicht, es sei denn, Sie wissen positiv oder müssten wissen, daß die Tätigkeit "schwarz" durchgeführt wird. Bei einer Prostitutierten dürfte dies aber für Sie schwerlich zu erkennen sein, da Sie keine Rechnung über die Dienstleistung erhalten dürften.

Aus einer rein steuerrechtlichen Sicht würde eine Anzeige also keine Folgen für Sie auslösen.

Grundsätzlich besteht in Deutschland keine Pflicht, Anzeige bei der Kenntnis von Straftaten zu erstatten. Die Ausnahme des § 138 StGB gilt für Steuerhinterziehung nicht. Darüber hinaus wissen Sie ja gar nicht, ob durch die Dame der Straftatbestand der Steuerhinterziehung erfüllt wird. Sie sollten hinsichtlich der Anzeigeerstattung unbedingt einen Rechtsanwalt hinzuziehen und klären, welche Rechtsfolgen eine fälschlich abgegebene Strafanzeige haben könnte, da § 164 StGB dies grundsätzlich unter Strafe stellt. Ich bin an einer diesbezüglichen Beratung aus berufsrechtlichen Gründen gehindert.

Ich hoffe, Ihnen im Rahmen Ihres Einsatzes habe weiterhelfen können.

Mit freundlichen Grüßen

Oliver Burchardt
Wirtschaftsprüfer
Steuerberater

Nachfrage
Vielen Dank für Ihr ausführliches Exposee. Wer wäre denn die zuständige Behörde für eine derartige Meldung (Finanzamt oder Zoll?)

Da durch die Beschäftigung im Club eine Steuernummer vorhanden ist, wäre es wohl für die Inkassostelle der Prostituiertensteuer ein leichtes, die dort gearbeiteten Tage zu überprüfen und festzustellen, ob ihre Beschäftigung bei mir ebenfalls gemeldet worden sind. Ihre Arbeitskollegin und sie hatten während der clubfreien Zeit jeweils einen Stammfreier (aller Wahrscheinlichkeit nicht mehrere), wobei diese für einen ca. 3 wöchiger Aufenthalt in der Heimat unterbrochen wurde. Da die Damen jeweils 3-4 Nächte bei ihren Freiern blieben, war eine gleichzeitige Beschäftigung im Club technisch gar nicht möglich.

Angesichts des Umstandes, daß ich die Bezahlung von unserem Gemeinschaftskonto vornahm, ist meine Frau in dieser Frage sehr unerbittlich. Ich persönlich würde die Sache am liebsten abhaken, zumal die Damen jetzt wieder im Club arbeiten.

Rückantwort
Eine Anzeige müßte beim für die Steuerfahndung zuständigen Finanzamt gestellt werden.

Allerdings wird eine solche Anzeige wohl keinen Erfolg haben. Die Einkommensteuer ist eine Jahressteuer, die bei Gewerbetreibenden erst im Jahr 2012 erklärt wird. Eine Steuerhinterziehung kann daher heute noch gar nicht eingetreten sein, da heute noch keine Erklärungspflicht für Einkünfte des Jahres 2011 besteht.

Soetwas wie eine Inkassostelle für von Prostitutierte zu zahlende Steuer existiert nicht.

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