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Kategorie: Urologie

Frage: Harnwegsinfekt mit Serratioa fonticola

Gefragt am 06.11.2010 12:36 Uhr | Einsatz: € 20,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 1024

Hallo,

zur Vorgeschichte: redizivierende Harnwegsinfekte seit Juni 2010- war seitdem vielleicht 2 Wochen Infektfrei.Wurde erst abmulant behandelt, mit 4 verschiednen Antibiotika (Cotrim, Nitrofurantoin, Ciporobay),ohne Erfolg. Dann stationär mit Cefuroxim i.V. auch ohne Erfolg. Nach Antibiogramm Umstellung auf Imipenem i.V. für 5 Tage, danach Nitrofurantoin oral für weitere 14 Tage- dann infektfrei für ca. 2 Wochen. bei Blasenspiegleung Stein festgestellt und entfernt, weitere Steine wurden nicht gefunden.

Neuer Infekt Anfang September, wieder mit e.coli, nach Antibiogramm Ciporobay für 2 Wochen. dennoch kein Erfolg.

Nach neuem Antobiogramm Umstellung auf Nirofurantoin. Urin wurde nie steril, sind immer einige leukos und manchmal Erys drin, in Kultur Mitte Oktober wurde nichts nmachgewiesen, daher Medikament abgesetzt.



Danach wieder mehr Leukos und Erys, neue Kultur. mein Urologe sagte, auchdarauf sei nix gewachsen, er habe sie aber nennoch eingeschickt. Befund des Labors:

1.000.000 keime/ml

1. Keim: Serratia fonticola

2.Keim: enterococcus sp.

Für den 1. keim ist wohl nur Gentamycin sensibel. Im Kh sagte man mir, dieses Medikament würde man mir ungern geben, da es gewichtsangtepasst dosiert werden müsse und bei meinem Gewicht von 160 kg sei das dann zu hoch dosiert.

Mein Urologe will das nun dennoch machen, mit 160 mg täglich für 5 Tage. Ichhabe Angst, dass das eh zu wenig ist und man nur Resistenzen fördert damit. Ich habe nun seit 5 Monaten Infekte und ständige Antibioikagabe hat nicht zur Inkeftfreiheit geführt.

Urogramme im September und letzte Woche waren unauffällig.

Ich habe einen leichten Druck auf dem Unterbauch, sonst keine Beschwerden. Ab und an ein ganz leichtes Brennen. Ich trinke ca. 3,5 l Wasser täglich.

Im Urin sind allerdings immer Leukos. Muss man den Infekt unbedingt behandeln?

Habe mir eine zweite meinung eingeholt, der zweite Urologe will nix machen, einfach abwarten.

habe aber Sorge vor einer Urosepsis.Umgekehrt habe ich Sorge, dass dieses letzte Medikament nicht mehr hilft, wenn wirklich mal was ganz schlimmes ist.

Was tun??

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Antwort

Beantwortet von Dr. med. Olaf Stephan (Profil ansehen)

Sehr geehrter Fragender,

der von Ihnen an erster Stelle erwähnte Keim (Serratia fonticola) ist ein Stäbchenbakterium aus der Familie der Enterobakterien (Enterobacteriaceae), hierzu gehört auch der zweite Keim (Enterokokken). Der bevorzuge Lebensraum dieser Bakterien-Arten ist die Umgebung der Darmflora. Als Krankheitserreger spielen diese Bakterien nur selten eine Rolle, jedoch werden sie in letzter Zeit häufiger bei den sogenannten nosokomialen Infektionen (das sind im Krankenhaus erworbene Infektionen mit speziellen Erregern, die oft gegen viele Antibiotika resistent sind, wie Pneumonie, Wundinfektion oder Harnwegsinfektion) gefunden. Es wäre also durchaus möglich, dass Sie diesen Keim auch erst bei einem Krankenhausaufenthalt erworben haben. Normalerweise sind die Harnwege und der Urin steril, d. h. es werden keine Bakterien nachgewiesen. Ein bakterieller Infekt der Harnwege, evtl. auch bei bestehender urologischer Grunderkrankung (z. B. Steinleiden, Prostataleiden oder chronischer Infekt) kann sich immer bis zu einer schweren Infektion mit der Gefahr der Urosepsis ausweiten (da haben Sie mit Ihrer Befürchtung schon Recht) und sollte deswegen wenn möglich saniert werden. Auch die Anzahl der Keime mit 1.000.000 ist hochpathologisch, auch die Leukozytose (Vermehrung der weißen Blutkörperchen im Urin) weist auf die bestehende Harnwegsinfektion hin. Insofern würde ich auch auf alle Fälle zu einer antibiotischen Therapie raten. Mit Sicherheit wurde bei Ihnen auch der Test auf die Wirksamkeit verschiedener Antibiotika in Bezug auf die nachgewiesenen Bakterien durchgeführt, deshalb auch die Entscheidung für Gentamycin. Des weiteren sollte auf eine Antibiotikakombination geachtet werden, die beide Keime erfasst, falls der zweite nicht auf Gentamycin sensibel ist. Eine Therapie mit Gentamycin ist auch im Bereich der Harnwege gut möglich, da das Medikament hier auch eine gute Wirksamkeit besitzt. Gentamycin ist aber nur als Präparat zur intravenösen Infusion verfügbar, d. h. Sie müßten jeden Tag bei Ihrem Urologen eine Kurzinfusion bekommen. Die Dosis von 160 mg täglich wäre auch richtig, die tägliche Dosis kann maximal 240 mg betragen. Gentamycin kann toxische Wirkungen hauptsächlich auf die Nieren, die Ohren und das Gleichgewichtsorgan entfalten. Eine Voraussetzung für die Therapie ist also, dass Ihre Nieren in Ordnung sind und Sie viel trinken sowie dass die Therapie ärztlich überwacht wird. Aus Ihren Angaben entnehme ich aber, dass wohl alle Voraussetzungen erfüllt sind, und damit rate ich Ihnen, die vom behandelnden Urologen vorgeschlagene Therapie durchführen zu lassen. Nach Abschluss der Behandlung kann dann überprüft werden, ob der Urin nun endlich keimfrei ist. Ich wünsche Ihnen gute Besserung, mit freundlichen Grüßen O. Stephan.

Nachfrage
Hallo,
vielen Dank für die schnelle Antwort.

Ist die Dosis 160 mg bei einem Körpergewicht von 160 kg denn wirklich ausreichend? Ich habe gelesen, dass man 3-5 mg/kg einsetzt.
Sind 5 Tage Behandlung sicher ausreichend?

Besteht nicht die Gefahr einer Resistenzbildung?

Da ich keine starken Beschwerden habe, will der andere Urologe erstmal nicht behandeln. Das verunsichert mich.
Ach ja: Wenn ich viel getrunken habe, ist der Teststreifen auch negativ auf Leukos und Blut.

Nach meinem KH-Aufenthalt wurden bereits 3 Kulturen gemacht, in denen immer nur e.coli gefunden wurde.Wenn ich den Erregeer aus dem KH hätte, hätte er dann nicht schon eher gefunden werden müssen?

Kommen diese cErreger in der menschlichen gesunden Darmflora vor, oder anders gefragt, kann die Infektion einfach durch Schmierinfektion bei häufigen Durchfällen aufgetreten sein???

Rückantwort
Sehr geehrter Fragender,

bei einem Harnwegsinfekt ist eine Dosis von 160 mg über 5 Tage in der Regel ausreichend, da der Keim lediglich noch auf Gentamycin sensibel ist, bestehen offenbar schon mehrfache Resistenzen, bei sehr großer Flüssigkeitsaufnahme wird der Urin auf Grund der erhöhten Menge stark verdünnt, deshalb können die Teste dann gelegentlich negativ werden, durch die Verdünnung kann die Nachweisgrenze der Teste unterschritten werden. E. coli gehört auch zu den physiologischen Keimen der Darmflora, wie die beiden anderen, ich sagte auch nur, der Keim könnte aus dem Krankenhaus sein, auch Schmierinfektionen oder eine hämatogene Streuung über das Blut sind möglich. Chronische Harnwegsinfektionen sind häufig recht asymptomatisch, trotzdem rate ich zu einer Behandlung, auf Grund der möglichen Komplikationen in der Zukunft. Mit freundlichen Grüßen O. Stephan.

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