Kategorie: Urologie |
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Frage: Harnwegsinfekt mit Serratioa fonticola |
| Gefragt am 06.11.2010 12:36 Uhr | Einsatz: € 20,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 1024 |
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Beantwortet von Dr. med. Olaf Stephan (Profil ansehen)
Sehr geehrter Fragender,
der von Ihnen an erster Stelle erwähnte Keim (Serratia fonticola) ist ein Stäbchenbakterium aus der Familie der Enterobakterien (Enterobacteriaceae), hierzu gehört auch der zweite Keim (Enterokokken). Der bevorzuge Lebensraum dieser Bakterien-Arten ist die Umgebung der Darmflora. Als Krankheitserreger spielen diese Bakterien nur selten eine Rolle, jedoch werden sie in letzter Zeit häufiger bei den sogenannten nosokomialen Infektionen (das sind im Krankenhaus erworbene Infektionen mit speziellen Erregern, die oft gegen viele Antibiotika resistent sind, wie Pneumonie, Wundinfektion oder Harnwegsinfektion) gefunden. Es wäre also durchaus möglich, dass Sie diesen Keim auch erst bei einem Krankenhausaufenthalt erworben haben. Normalerweise sind die Harnwege und der Urin steril, d. h. es werden keine Bakterien nachgewiesen. Ein bakterieller Infekt der Harnwege, evtl. auch bei bestehender urologischer Grunderkrankung (z. B. Steinleiden, Prostataleiden oder chronischer Infekt) kann sich immer bis zu einer schweren Infektion mit der Gefahr der Urosepsis ausweiten (da haben Sie mit Ihrer Befürchtung schon Recht) und sollte deswegen wenn möglich saniert werden. Auch die Anzahl der Keime mit 1.000.000 ist hochpathologisch, auch die Leukozytose (Vermehrung der weißen Blutkörperchen im Urin) weist auf die bestehende Harnwegsinfektion hin. Insofern würde ich auch auf alle Fälle zu einer antibiotischen Therapie raten. Mit Sicherheit wurde bei Ihnen auch der Test auf die Wirksamkeit verschiedener Antibiotika in Bezug auf die nachgewiesenen Bakterien durchgeführt, deshalb auch die Entscheidung für Gentamycin. Des weiteren sollte auf eine Antibiotikakombination geachtet werden, die beide Keime erfasst, falls der zweite nicht auf Gentamycin sensibel ist. Eine Therapie mit Gentamycin ist auch im Bereich der Harnwege gut möglich, da das Medikament hier auch eine gute Wirksamkeit besitzt. Gentamycin ist aber nur als Präparat zur intravenösen Infusion verfügbar, d. h. Sie müßten jeden Tag bei Ihrem Urologen eine Kurzinfusion bekommen. Die Dosis von 160 mg täglich wäre auch richtig, die tägliche Dosis kann maximal 240 mg betragen. Gentamycin kann toxische Wirkungen hauptsächlich auf die Nieren, die Ohren und das Gleichgewichtsorgan entfalten. Eine Voraussetzung für die Therapie ist also, dass Ihre Nieren in Ordnung sind und Sie viel trinken sowie dass die Therapie ärztlich überwacht wird. Aus Ihren Angaben entnehme ich aber, dass wohl alle Voraussetzungen erfüllt sind, und damit rate ich Ihnen, die vom behandelnden Urologen vorgeschlagene Therapie durchführen zu lassen. Nach Abschluss der Behandlung kann dann überprüft werden, ob der Urin nun endlich keimfrei ist. Ich wünsche Ihnen gute Besserung, mit freundlichen Grüßen O. Stephan.
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