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Kategorie: Sportmedizin

Frage: Hämatom

Gefragt am 14.12.2011 16:48 Uhr | Einsatz: € 10,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 1034

Sehr geehrter Herr Doktor,
vor 6 Wochen hatte sich meine Ehefrau (76)bei einem Fahrradunfall ein grösseres Hämatom(ca.10X10 cm2)medial unterhalb des linken Knies mit einer entsprechenden Schwellung des ganzen Beines zugezogen.Obwohl der Arzt,der sich die Verletzung angeschaut hatte,ausser der Empfehlung das Bein hochzulagern bis die Schwellung von selbst verschwindet,eine Therapie zur Beschleunigung des Heilungsprozesses für überflüssig hielt,hatte sie von Anfang an diese Schwellung systematisch mit Essitol-Umschlägen behandelt,die aber ausser einer Kühlung des betroffenen Beines keinen durchschlagenden Erfolg brachten.Danach hat sie sich entschlossen bei einem Sportmediziner vorstellig zu werden,der unverzüglich mit dem Bandagieren des ganzen Beines begann,was nach ca. 10 Tagen zu einer gewissen Verringerung der Schwellung führte,wonach er ihr zur Weiterbehandlung das Tragen von Kompressionsstrümpfen empfiehl,die ihr seinerzeit gegen Venenbeschwerden verschrieben wurden. Zusätzlich wendet meine Frau zur Behandlung der Schwellung auch Heparingel an und nimmt seit einigen Tagen Bromelain-Tabletten zu sich,so dass die Schwellung immer geringer zu werden scheint,allerdings an einigen Stellen eine deutlichen Verhärtung tastbar ist,wodurch jedoch die Beweglichkeit insbesondere des Kniegelenks (abgesehen von den bestehenden Arthroseschäden) nur unwesentlich beeinträchtigt wird.
Leider macht sich aber noch eine Schwellneigung des linken Fusses bemerkbar,wenn nachts auf die Kniegegend ein Druckverband gegen die vom Unfall herrührende Schwellung angelegt wird.
Meine Frage lautet daher:Welche Massnahmen(abgesehen von operativen Eingriffen) könnten noch zur Anwendung kommen,um die Folgen des Hämatoms möglichst vollständig zu beseitigen z.B. aus dem Bereich der Physiotherapie ,und was halten Sie von der Wirksamkeit von Exhirud,das zwar in den niedergelassenen Apotheken nicht mehr erhältlich ist aber online weiterhin vertrieben wird.
Mit freundlichem Gruss

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Antwort

Beantwortet von Dr. med. Ive Schaaf (Profil ansehen)

Guten Abend,

Ein Hämatom wird besser resorbiert, wenn Druck ausgeübt wird so wie der Sportmediziner dies jetzt empfohlen hat. Von der zusätzlichen Anwendung von Cremes ist wenig bis gar nichts zu erwarten. Die Wirkstoffe sind zwar theoretisch richtig, dringen aber tatsächlich nicht tief genug ein. Die Wirksamkeit, die der Patient erfährt, ist in der Refel eher durch die Creme an sich als durch den Wirkstoff bedingt. Daher empfiehlt es sich, wenn schon, denn schon die Creme oder das Gel im Kühlschrank aufzubewahren. Das gilt auch für Exhirud. Und das gilt vor allem nach dieser Zeit, denn die Einblutung ist ja mittlerweile vom Körper schon im Abbau begriffen.
Mit einer Kompression muss man nachts vorsichtig sein. Es kann zur Stauung kommen und man muss sehr gut den möglichen Nutzen gegen eventuelle Komplikationen abwägen. Tendenziell würde ich die Kompression tagsüber empfehlen und nachts eine Pause machen.

Was die Physiotherapie betrifft, so kann Lymphdrainage durchaus positive Effekt zeigen. Aber abgesehen davon machen Sie schon alles was sinnvoll und möglich ist.

Was den weiteren Verlauf betrifft, so kann es trotz bester Behandlung zu Einschmelzungen kommen, die dann entlastet werden müssen, wenn sie anfangen sich zu überwärmen oder zu schmerzen. In solchen Fällen ist davon auszugehen, dass sich Fettgewebe in den Bluterguss gemischt hat und daher der vermeintliche Bluterguss eben kein reiner Bluterguss ist und deshalb unter Umständen auch nicht vollständig vom Körper abgebaut werden kann.

Hilft Ihnen das oder haben Sie weitere Fragen?

Dr. Schaaf

Nachfrage
Hallo Frau Dr. Schaaf,
nur zur Klarstellung:Meinten Sie mit" Einschmelzung" ein sog.organisiertes Hämatom das sich ggf.entzünden kann, und dann operativ entfernt werden müsste?Was sollte evtl.getan werden um einer solchen Entzündung vorzubeugen?
MfG

Rückantwort
Ja, meinte ich.
Es gibt nur die genannten Möglichkeiten. Hochlegen, wickeln, kühlen.
Der Körper transportiert das Blut ab so gut er kann. Je größer die Angriffsfläche ist, umso besser. Je kugeliger bzw abgekapselter das Ganze ist, um so weniger Chancen hat der Körper, den Bluterguss abzutransportieren, aber es bildet sich eine Hülle, durch die hindurch nichts mehr abtransportiert werden kann. Schließlich bleibt eine kugelige Flüssigkeitsansammlung in einer festen Hülle. Anfangs ist die Flüssigkeit noch geronnen, ein so genanntes organisiertes Hämatom, später wird der Inhalt der Kugel und duchsichtig, ein so genanntes Serom.
Es ist ein Wettlauf mit der Zeit.
Ein Serom kann im Laufe der Zeit kleiner werden, aber es kann sich auch entzünden. Dann muss man es entlasten, also aufschneiden bzw. ausschneiden.

MfG

Dr. Schaaf

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