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Kategorie: Neurologie / Nervenheilkunde

Frage: Z.n. Läsion des N. radialis u. Armplexusparese

Gefragt am 04.03.2011 11:11 Uhr | Einsatz: € 30,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 1026
Bewertung: 5,0 (von 5 Sternen) Z.n. Läsion des N. radialis u. Armplexusparese , 5 von 5 bei 1 Bewertungen Meine Tochter ( 18) hatte vor ca. 20 Monaten einen Reitunfall mit den o.g. Verletzungen. Die Radialisverletzung entstand durch einen Oberarmbruch, der durch einen Nagel versorgt wurde.Die erste Beurteilung eines Neurologen sah so aus : komplette Läsion des li. N.radialis bei Oberarnschaftfrakt

Meine Tochter ( 18) hatte vor ca. 20 Monaten einen Reitunfall mit den o.g. Verletzungen.
Die Radialisverletzung entstand durch einen Oberarmbruch, der durch einen Nagel versorgt wurde.Die erste Beurteilung eines Neurologen sah so aus : komplette Läsion des li. N.radialis bei Oberarnschaftfraktur, die alle Muskeln einschl. des M.brachioradialis betrifft, der M. triceps brachi ist nicht betroffen. Zusätzlich liegt noch eine obere linksseitige Armplexusparese mit kompletten motorischen Ausfällen, fehlenden sensiblen Störungen und Reflexausfällen.
Der letzte Messbefund vom Dezember 2010 lautet : N. radialis motorisch links mit deutlich verlangsamter NLG und hochgradig erniedrigter Amplitude, R. superficialis n. radialis links nicht messbar, EMG des M. biceps brachi, M. brachioradialis und M. extenso digitorum mit pathologischer Spontanaktivität und Zeichen der Renervation. EMG des M. interosseus dorsalis li. bis auf einge Polyphasien normal.
Unsere Tochter klagt über fehlende Kraft im linken Arm, ab und zu Schmerzen in der linken Schulter und SEnsibilitätsstörungen im bereich des linken Daumens.
Nach Aussage des behandelnden Neurologen ist mit einer vollständigen Genesung innerhalb der nächsten Monate zu rechnen. Meine Frage ist nun, ob Sie diese Einschätzung teilen ? Können sich die Nerven auch nach einer so langen Zeit noch erholen ? Trifft das auch auf die z.Z. nicht messbaren zu ?
Vielen Dank für ihre Mühe
Mit freundlichem Gruß

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Antwort

Beantwortet von Uni-Arzt Torben C. Müller (Profil ansehen)

Sehr geehrter Fragender.

erst einmal eine Anmerkung zum natürlichen Ablauf.
1. Es kommt zur traumatischen Degeneration an der Stelle wo der Nerv verletzt wird. Das Nervenende (Axon) zerfällt Der Wachstumskolben beginnt anzuschwellen.
2. Es kommt zur absteigenden Degeneration, d.h. die Nerven gehen distal (körperfern) kaputt. (Die sog. Waller-Degenration).
3. Danach kommt es zu einer retrograden Degeneration, die proximal bis ins Rückenmark geht.
4.Nun beginnt die REGENERATION. Der Nerv fängt wieder an zu wachsen und wächst grob gesagt wieder am Endorgan (z.B. Muskel) und an der Verbindung zum Rückenmark an.

Nerven wachsen optimalerweise 1-2 mm/Tag, d.h. theoretisch nach 20 Monaten a 30mm sollte die KOntinuität wieder hergestellt sein. Selbst wenn man weniger optimistische Studien nimmt, die von 2-4 mm die Woche sprechen, sollte nach 20 Monaten die Kontinuität des Nervens wiederhergestellt worden sein.

Wurde einer der betr. Nerven damals durchtrennt? Wenn ja wurde er wieder genäht?

Schmerzen und Sensibiltätsstörungen treten u.U. auch nach vollständiger Regenration eins Nervens sein. Der Ursprungszustand wird niemals mehr erreicht. Es wird sich in den betroffen gebieten immer anders anfühlen als auf der gesunden Seite. Allerdings lernt der Körper damit umzugehen. Sprich man gewöhnt sich nach und nach daran. Bei Ihrer Tochter scheint doch eine grössere Beeinträchtigung vorzuliegen, daher ist es sicher wichtig "dran" zu bleiben.

Zu der Einschätzung und Ihrer eigentlichen Frage,
theoretisch kann es auch nach so langer Zeit noch zu einer Regeneration kommen,
praktisch ist es nicht abzuschätzen wann und ob überhaupt es eintritt.

Man kann es Ihrer Tochter nur von Herzen wünschen, dass sich der Zustand noch weiter verbessert.

Falls Sie noch eine Rückfrage haben so stellen Sie diese gerne,
ansonsten wünsche ich Ihnen eine schöne Woche und Ihrer Tochter einen guten Heilungsverlauf

Mit freundlichen Grüssen


T.C. Müller

Nachfrage
Hallo, erst einmal vielen Dank für Ihre Antwort, die auch noch überraschende Neuigkeiten für uns enthielt, z.B. dass der Ursprungszustand nie wieder erreicht wird.
Bei unserer Tochter wurden keine Nerven zusammengenäht. Obwohl sie mit einer Fallhand ins Krankenhaus eingeliefert wurde, machte man keine weiteren neurologischen Untersuchungen oder ein MRT und versorgte nur den BRuch mit einem T 2 Nagel.Bei den späteren neurologischen Untersuchungen wurde angenommen, dass nur Dehnungsverletzungen aufgetreten sind, weil keine Anästhesie und Analgesie, sondern nur eine Hypästhesie/ Hypalgesie vorlag.
Der Grund nach der Frage einer weiteren ärztlichen Einschätzung über den weiteren Verlauf ist, dass die private Unfallversicherung unserer Tochter uns ein Angebot gemacht hat:
entweder sofort 1 / 2o stel der Armwertes oder eine weitere Untersuchung in ca. 15 Monaten, wo dann über eine Invaliditätseinstufung entschieden wird, falls noch Probleme bestehen. Nur wie soll man das als Laie einschätzen können. Bisher haben wir immer nur gehört, dass mit einer vollständigen Genesung in wenigen Monaten zu rechnen ist.
Noch eine Frage : Was haben Sie damit gemeint, dass es wichtig ist , dran zu bleiben ? Hat denn Krankengymnastik noch Sinn ? Oder was kann man noch tun ?
Vielen Dank für Ihre Mühe
Mit freundlichen Gruß

Rückantwort
Lieber Fragender,

ich kann Ihnen aus meiner ganz privaten Erfahrung sagen, dass nach einer Nervendurchtrennung bzw. Läsion es sich immer anders anfühlt als vorher. Auch ich hatte eine solche Läsion und Sie wird mich mein Leben lang begleiten, aber ich habe trainiert und bin jetzt fast wieder so gut, wie ich es vorher einmal war.
Also Krankengymnastik respektive Ergotherapie macht durchaus Sinn,
Bei einem geschlossenen Bruch, sprich einer Verletzung bei der die Haut intakt bleibt ist es auch durchaus nicht unüblich, dass Nerven nur "gequetscht" werden, dann ist auch keine Kontinutitätsoperation erforderlich

Eine Genesung innerhalb weniger Monate ist meiner Ansicht nach eine völlig falsche Einschätzung.
Ich will Sie und vor allem Ihre Tochter keinesfalls entmutigen, aber eine nervale Schädigung ist eine langwidrige Angelegenheit.

Zu dem "Angebot" Ihrer Versicherung. Ich bin kein Jurist, daher konsultieren Sie besser einen medizinjuristisch bewanderten Juristen.
Versicherungen haben primär nicht das Ziel, das Optimale für den Versicherten herauszugeben, sondern das Optimale für die Versichertengemeinschaft respk. Kapitalgesllschaft zu erlangen. Daher würde ich mich in diesem Aspekt sehr gut juristisch beraten lassen.

Mit "dran" bleiben meine ich, dass in diesem konkreten Fall alles menchenmögliche daran gesetzt werden sollte Ihrer Tochter ein "normales" Leben zu ermöglichen mit möglichst wenigen Einschränkungen.

Ein kontinuierliches Training, z.B. Krankengymnastik gehört ganz sicher dazu, dann schadet es auch nicht sich mehrere Meinungen einzuholen, und evtl auch noch alternative Verfahren wie die TCm (Traditionelle Chinesische Medizin) asuzuprobieren.

Ich wünsche Ihrer Tochte von herzen alles Gute


Mit freundlichen Grüssen

T.C. Müller

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