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Kategorie: Neurologie / Nervenheilkunde

Frage: Wirkung von Citalopram

Gefragt am 08.03.2011 15:14 Uhr | Einsatz: € 20,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 1046

Sehr geehrter Damen und Herren,

nach langem Hin & Her habe ich von meinem Hausarzt die Diagnose Depression erhalten.
Sprich, nachdem ich mich ihm gegenüber geöffnet habe.
Hier gibt und gab es in der Vergangenheit mehrere mir bekannte Auslöser.
Nun haben wir versucht meine dunklen Gedanken, die Schlaflosigkeit und die Mutlosigkeit med. durch Medikation \"in Griff\" zu bekommen. Ein Platz zur Psychotherapie ist gefunden, Start hier Anfang Mai.

Nun habe ich von meinem Hausarzt Fluoxetin 10 mg verschrieben bekommen.
Davon bekam ich massives Herzrasen bei 10 mg u. Schlaflosigkeit bei einer Einnahme abends. Besserung trat ein, bei einer Einnahme von 5 mg am Morgen. Bei Dos. Steigerung auf 10 mg am Morgen, wieder Herzrasen, Druckgefühl im Hals und Enge und mir war ständig kalt. Nach einer Einnahme von 2 oder 3 Tagen kam es kurzzeitig (1-2 Tage) zu einer massiven psychische Beeinträchtigung und es ging mir sehr schlecht.

Aber: unter der Einnahme von Fluoxetin merke ich sehr schnell eine stimmungsaufhellende Wirkung.

Dann nach erneuter Rücksprache mit dem Hausarzt doch ein anderes Mittel. Da sich niemand quälen solle und der Puls stark erhöht war.

Er verschrieb Citalopram:
Einahme 10 mg am Morgen.
Die ersten 1-2 Tage nur Übelkeit und Schwindel und nächtliches Erwachen, nach einer Schlafphase von ca. 2-3 h und nicht wieder einschlafen. Ab Tag 3 Müdigkeit, innere Unruhe, Übelkeit, Schwindel, Benommenheit, Zittern und die psychischen Faktoren haben
sich verstärkt. Gestern war Tag 5 und es war am Schlimmsten. D.h. es fing bereits am Abend an, dass ich unter extremen Angst - und Engegefühlen litt. Die Übelkeit war so extrem das ich Erbrechen musste.

An der Stimmung hat sich nichts pos. verändert, sie geht irgendwie in den Keller und ich bin zeitweilig sehr gereizt bis aggressiv oder traurig und überfordert. Da durch, dass ich mich sehr benommen fühle, gerade in den ersten Stunden nach der Einnahme, mute ich mir keine Autofahrt zu.

Habe gestern meinen Hausarzt noch einmal telefonisch kontaktiert, der möchte mich an einen Neurologen überweisen. Termin in drei Wochen!!

Nun stellt sich die Frage, Citalopram weiternehmen? Absetzen? Die Dos. verringern und nur 5 mg nehmen? Oder doch noch mal ein anders Mittel ausprobieren? Wenn ja welches?

Heute morgen habe ich keine Citalopram genommen.
Mein Hausarzt tendierte zu der Gabe von Fluoextin, da ich stark Übergewichtig bin und Bulimie habe. Wobei ich zurzeit \"noch\" symptomfrei bin. Ausserdem habe ich Hashimoto und nehme hier 100 mg L-Thyroxin. Nur zur Info.

Vielen Dank.

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Antwort

Beantwortet von Uni-Arzt Torben C. Müller (Profil ansehen)

Lieber Fragender,

ich würde Ihnen raten, die Einnahme von Citalopram zu beenden. Sie leiden an einem grossen Spektrum von Nebenwirkungen, die nicht zu rechtfertigen sind.
Da Sie zudem noch an Bulimie leiden erscheint es mir tatsächlich sinnvoll sich in eine neurologisch/psychiatrische Behandlung zu begeben.

Bei den verschiedenen Antidepressiva unterscheidet man zwischen fünf gruppen:
1. Klassische Antidepressiiva sind die trizylklischen, z.B. Amitryptlin.
2. Tetrazyklische Antidepressiva.
3. Selektive Reuptake-Inhibitoren, wobei ihre bisherigen Antidepressiva zu dieser Gruppe gehören (SSRI)
4. MAO-Hemmer
5. andere Antidepressiva, auch als atypische bezeichnet, die haben keine bzw. geringe Nebenwirkungen auf das Herz. Vertreter dieser Gruppe sind: Hyperforat, Trazodon und Viloxazin.

Ich schreibe Ihnen diese 5 Gruppen nur auf, damit Sie sehen, dass es durchaus auch noch alternative Möglichkeiten gibt auf der pharmakologischen Ebene einzugreifen.

Zudem gibt es auch nebenwirkungsarme Präparate aus der Natur wie das frei erhältliche Johanneskraut (trozdem Beipackzettel lesen!!).

Die Auswahl eines für Sie richtigen Präparates sollte durch einen erfahrenen Kollegen erfolgen und eigentlich kein grösseres problem darstellen, allerdings kennen sich Neurologen/Psychiater tatsächlich am besten mit dieser Thematik aus.

Zudem sollte bei Ihnen ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt werden, bei dem berücksichtigt wird, dass Körper und Seele als Einheit zu behandeln sind.

Eine Alternative würde auch die Beurteilung durch einen Mediziner des TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) darstellen. Haben Sie schon einmal daran gedacht?

Ansonsten hoffe ich, dass ich Ihnen weiterhelfen konnte, ansonsten bitte einfach nachfragen

Alles Gute

Herzlichst

Torben C. Müller

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