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Kategorie: Neurologie / Nervenheilkunde

Frage: Ulnaris-Nerv

Gefragt am 27.02.2011 09:44 Uhr | Einsatz: € 10,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 1039

SEhr geehrte(r) Frau / Herr Doktor!
Sind Läsionen am Ulnaris-Nerv, die für starke Schmerzen inclusive der klinischen Symptome sorgen, immer eindeutig auch durch die neurophysiologischen Messwerte zu belegen oder können auch Läsionen mit starken Schmerzen am Ulnaris-Nerv sein, wenn die Messwerte "normal" sind?

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Antwort

Beantwortet von Uni-Arzt Torben C. Müller (Profil ansehen)

Sehr geehrter Ratsuchender,
die Ulnaris-Läsion ist in erster Linie eine klinische Diagnose, d.h. der Nervus Ulnaris ist nicht in Ordnung wenn Sie Schmerzen im sensiblen Versorgungsanteil des Nervens haben, wenn bestimmte Muskeln nicht mehr richtig funktionieren, die ihre Befehle eigentlich vom N. ulnaris bekommen.
Das Vollbild ist die so genannte Krallenhand, sowie ein positives Fromnet-Zeichen.
Wenn Sie eine "Krallenhand" sehen wollen, geben Sie den Begriff bei Bildsuche bei Google ein.
Das Fromnet-Zeichen zeigt eine Atrophie eines am Daumen versorgten Muskels an und man schafft es nicht vernünftig ein Blatt Papier mit der betr. Hand zu zerreissen. (auch hier hilft die Google Bildsuche)


Meistens handelt es sich bei Nervus ulnaris Läsionen um eine Druckschädigungen in Höhe des Ellenbogen- oder Handgelenkes. Diese können Resultat einer Fraktur oder eine Lähmung durch fehlerhafte Lagerung bei einer Narkose sein.
Manchmal fällt der N. ulnaris auch aus seinem Knochenkanal am Ellenbogen heraus (Luxation) oder wird durch Entzündungen oder chronische Überlastung, z.B. durch viele hebelartige Bewegungen geschädigt. Man spricht von einem Sulcus-ulnaris-Syndrom. (Sulcus heisst der Kanal)
Es kann auch zu einer Schädigung des Nervens am Handgelenk kommen unter einem bestimmten Band (dem Ligamentum carpi palmare), dieser zustand wird dann als Guyon--Logen-Syndrom beschrieben.
Manchmal finden sich auch im Kanal des Nervens kleinere Knochstückchen (Osteophyten), diese können ebenfalls zur Läsion führen.

Therapie ist je nach Ursache durchzuführen, stets ist eine Schonung des betroffenen Armes zu empfehlen. Beim Sulcus-ulnaris-Syndrom muss man operieren und den nerven wieder an die richtige Stelle bringen.

Eine Abgrenzung von einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule ist ebenfalls durch klnische Untersuchung durch Ihren Neurologen möglich.

Die elektrophysiologischen Untersuchungen können hinweise auf Schädigung geben, allerdings sind Sie meiner Ansicht nach nicht ausschlaggebend wenn sie klinisch Symptome haben! Daher halte ich es in diesem Fall für weiter angebracht eine weitere Diagnostik/ bzw. chirurgische Intervention anzustreben, da die Funktion des Armes einfach sehr wichtig ist und hierbei nicht geschlampt werden darf.

Ich hoffe ich konnte Ihnen helfen, wenn Sie noch eine konkrete Nachfrage haben stellen Sie sie gerne

Bitte geben Sie dabei dann auch an, was Sie unter klnischen Symptomen verstehen, bzw. was Sie konkret haben, ausser Scherten


Diese Antwort kann kein ausführliches Ärztliches Gespräch ersetzten, die Antowrt erfolgt nur auf Grundlage der von Ihnen eingestellten Informationen.

Ich wünsche Ihnen gute Besserung und einen schönen Sonntag

Mit freundlichen Grüsse

Torben C. Müller

Nachfrage
SEhr geehrter Herr Dr. Müller!
Vielen Dank für Ihre ausführliche, informative Antwort. Meine Frage hatte folgenden Hintergrund. Bei meiner Frau wurde vor 5 Jahren der Ulnaris-Nerv volarverlagert. Die Messwerte waren normal, die Operation erfolgte aufgrund des klinischen Befundes. Nach einer langsamen, aber stetigen Besserung kamen nach einer Überlastung die Schmerzen wieder. Die aktuellen Messwerte sind normal, trotz starker Schmerzen im Versorgungsgebiet des Ulnaris und der entsprechenden klinischen Symptomatik. Müssten sich derartige Schmerzen und klinische Beschwerden verursachende Läsionen am Ulnaris-Nerv nach einer solch langen Zeit zwingend in den Ergebnissen der neurophysiologischen Messung mit schlechten Messwerten niederschlagen?
Vielen Dank für eine erneute Antwort.

Rückantwort
Lieber Ratsuchender,

eine zwangsläufige Niederschlagung in den Messparametern z.B. Nervenleitgeschwindigkeit, muss es ja nicht geben. Der Nerv kann trotz allem gut leiten, vermutlich liegt der Nerv jetzt wieder nicht optimal.
Wie vor fünf Jahren können Messparameter in Ordnung scheinen und der Nerv trotz alledem durch irgendetwas irritiert sein. Es könnte zu einer z.B. zu einer Verwachsung gekommen sein.
Es kann sich aber auch um eine Entzündung handeln, die durch die Überlastung provoziert wurde.
Mit ihrer Nachfrage haben Sie eigentlich Ihre eigene Frage schon selbst beantwortet;-)
Vorerst würde ich den Arm schonen und dann eventuell doch noch einmal mit einen handchirurgen sprechen, was der dazu meint.

Ihrer Frau alles gute

Herzlichst

T.C: Müller

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