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Kategorie: Innere Medizin
Frage: Unklare Beschwerden bei unklaren Laborwerten
Einsatz: € 35,00
Bewertung: 3,7 (von 5 Sternen)

Guten Tag,
hätte gerne einen Rat zur weiteren Abklärung bzw. Symptombekämpfung.
Vorhandene Laborwerte in zeitlicher Reihenfolge
MCV Fl 96 (Ref. 80-96) Leukos 4,4 (Ref. 4,8-10,8)
Vollblut: Na 1878 (Ref. 1900-2000 mg/l), Magn 33,1 (Ref. 34-36 mg/l,Kupfer 1,25 (Ref. 1,1-1,2 mg/l), Zink 7,15 (Ref. 7,3-7,7 mg/l)Vit.B6 7,7 (Ref. 11,3-30 µg/l), VitD3 36 (Ref. 50-300 nmol/l), Biotin 126 (Ref. 200 ng/l,
Vit.B5 0,285 (Ref. 0,67-0,99 µmol/l), GSH+2GSSG 705 (Ref. 763-1500 µmol/l),Arginin 72 (Ref. 75-140 nmol/ml), Glutaminsäure 34 (Ref. 50-131 nmol/ml),
Asparaginsäure 2 (Ref. 20-50 nmol/ml), Taurin 55 (Ref. 57-228 nmol/ml), Ornithin 39 (Ref. 42-120 nmol/ml), Carnitin im Serum 5,108 (Ref. 6,5-12 mg/l)
BSG 18 (Ref. 10), Bili 1,42 (Ref. 95)
Leukos 3,2 (Ref. 4,-11,3), Ery 3,2 (Ref. 4,1-5,1), Hb 9,8 (Ref. 12,3-15,3), Hkt 28,6 (Ref. 34,7-44,7), Thrombo 85 (Ref. 140-440)
Leukos 4,4 (Ref. 4,0-9,4), Ery 4,38 (Ref. 4,2-5,4), Hb 13,6 (Ref. 12-16), Thrombo 263 (Ref. 150-440)
Neutro 44,6 % (Ref. 50-70), Lympho 44,5 (Ref. 25-40), Mono, Eos., Baso normal.
Hb 13,7 (Ref. 12-16), Ery 4,22 (Ref. 4-5,2), Leuko 5,8 (Ref.3,8-11,0), Thrombo 282 (Ref. 150-350), MCV 96,2 (Ref. 80-96), EVB (RDW) 14,7 (Ref. 11,5-14,5)
Mitochondriale Aktivität: 80,4 (Ref. 90, Optimal 95)
LDH5: 35,3 (Ref.6-16), Mykoplasmen IgA-IgG positiv
Beschwerden: Gangunsicherheit, Kopf/Rückenschmerzen, Sensibilitätsstörungen,Blasenfunktionsstörung, Zittern,
chron. Augenentzündung, Drehschwindel,Kreislauf,inzwischen Depressionen
Vielen Dank

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Antwort

Beantwortet von Dr. med. Olaf Stephan (Profil ansehen)

Sehr geehrter Fragender,

es ist sehr schwer, beinahe unmöglich, auf Ihre Frage anhand der mitgeteilten Informationen zu antworten. Der größte Teil der übermittelten Laborwerte liegt im Normbereich, die anderen zeigen allenfalls geringfügige Abweichungen, die natürlich die von Ihnen beschriebene komplexe Symptomatik nicht erklären. Allerdings ist es auch nur sehr selten möglich ein Krankheitsgeschehen nur anhand von Laboruntersuchungen eindeutig zu klären. Hierzu sind immer die klinische Untersuchung, die ausführliche Exploration der Beschwerden sowie ggf. apparative oder bildgebende Untersuchungsverfahren erforderlich. Jede Fachrichtung hat da heute ein breites Spektrum von Verfahren anzubieten. Diese sind bei Ihnen noch nicht erfolgt oder nicht mitgeteilt. Da die von Ihnen geschilderten Beschwerden sich sehr vielfältig darstellen, gehe ich davon aus, dass eher eine breite Diagnostik erfolgen sollte, d.h. neben dem Hausarzt oder Internisten erscheint es u. U. erforderlich auch einen Neurologen, einen HNO-Arzt und einen Orthopäden zu konsultieren. Natürlich kann es sich bei den von Ihnen geschilderten Beschwerden um ein Wirbelsäulenproblem handeln, aber es ist auch eine beträchtliche Anzahl von weiteren Diagnosen in Betracht zu ziehen. Neben den konventionellen Röntgenuntersuchungen gibt es heute auch die Möglichkeit der MRT-Diagnostik, insbesondere im Bereich des Kopfes und der Wirbelsäule, hier ist beispielsweise eine große Aussagemöglichkeit gegeben und es fehlt die Strahlenbelastung durch das Röntgen. Insofern werden Sie sicherlich von Ihren behandelnden Ärzten umfassend beraten werden. Ich wünsche Ihnen baldige Besserung. Mit freundlichen Grüßen

O. Stephan

Nachfrage
Sehr geehrter Herr Dr. Stephan,

vielen Dank für Ihre Mühe, meine sicher nicht einfache Frage zu beantworten.

MRT Schädel vor 2 Jahren unauffällig. 2 Neurologen sowie der Großteil der Internisten/Allg.ärzte waren der Meinung "psychosomatisch". Beschwerden begannen vor 3 J. mit einer (therapierten) Borreliose einhergehend mit deutl. Gewichtsverlust. ELISA inzwischen negativ, Blot mit wechselnden Banden. Nach kürzlicher Antibiose (4 Wochen) zunächst beschwerdefrei und anschließend böser Rückfall.

Zuerst wurde alles auf die Psyche geschoben, nun auf die Borreliose, deshalb erfolgte keine weitere Diagnostik. Wohl aufgrund des straffen Budgets leider auch wenig Interesse seitens der Ärzte. Halten Sie denn eine Borreliose als Ursache für möglich bzw. würden Sie mir zu weiteren Antibiosen raten oder eher zur Symptombekämpfung?

Wäre Ihnen für eine ehrliche Antwort sehr verbunden.

Rückantwort
Sehr geehrter Fragender,

bezugnehmend auf die von Ihnen nachträglich geschilderten Fakten würde ich sagen, dass Ihre Beschwerden, insbesondere Gangstörungen, Sensibilitätsstörungen und Blasenfunktionsstörungen durchaus mit dem Vorliegen einer Neuroborreliose vereinbar wären, wobei es sich hier wohl in Anbetracht des längeren Verlaufes um eine chronische Neuroborreliose handeln würde. Diagnostisch sollte hier auch die Untersuchung von Liquor (Rückenmarksflüssigkeit, durch Punktion im Bereich der LWS gewonnen) mit Nachweis der entsprechenden Antikörper erfolgen. Therapeutisch kann die chronische Neuroborreliose durchaus ein Problem darstellen, unbefriedigende Therapieeffekte und Rückfälle treten hier nicht selten auf. Für die Behandlung kommen eigentlich nur zwei Antibiotika infrage, Ceftriaxon und Cefotaxim, beide können nur intravenös verabreicht werden, Doxycyclin reicht in der Regel nicht aus. Die Therapiedauer sollte in jedem Fall 3 bis 4 Wochen in gleichbleibender Dosierung erfolgen. Eine längere Therapiedauer wird heute nicht angeraten. Sollten die Symptome nach dem Verschwinden infolge der Therapie wieder auftreten, wird empfohlen, die Antikörper gegen Borrelien in Blut und Liquor (s.o.) zu untersuchen, bei positivem Ergebnis sollte nochmals ein Antibiotikazyklus erfolgen, bei negativem Ergebnis ist dann nach anderen neurologischen Ursachen zu suchen. Das sind in Kurzfassung die aktuellen Empfehlungen. Eine Liquoruntersuchung ist in der Regel wenig belastend, risikoarm und hier diagnostisch wegweisend, die Untersuchung wird vom Neurologen durchgeführt, evtl. auch im Rahmen eines kurzen stationären Aufenthaltes. Ich hoffe, dass ich Ihnen ein wenig weiterhelfen konnte, ich wünsche Ihnen baldigst gute Besserung, mit freundlichen Grüßen
O. Stephan

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