Kategorie: Innere Medizin |
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Frage: Ich bekomme meine Schilddrüsenunterfunktion nicht in den Griff |
| Gefragt am 23.11.2010 20:22 Uhr | Einsatz: € 40,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 1056 |
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Beantwortet von Dr. med. Christoph Schmülling (Profil ansehen)
Sehr geehrte Ratsuchende,
Ihre Fragestellung ist sehr komplex und leider zunächst nur inkomplett zu beantworten. Zunächst einmal fokussieren Sie sehr auf die Schilddrüse. Dies hat insofern seine Berechtigung, als dass die Schilddrüse ein kleines aber sehr mächtiges Organ ist, welches durchaus für alle Symptome, die Sie nennen, direkt oder indirekt verantwortlich sein kann. Die Betonung liegt allerdings auf "kann". Viele der Ihrerseits geschilderten Symptome sind nämlich so unspezifisch, dass auch andere Ursachen in Frage kommen können. Der Stand der Ihreseits geschilderten Dinge beschränkt sich bisher auf eine Laboranalytik, die man versucht mit den Gegebenheiten der subjektiv empfundenen Wirklichkeit zu "harmonisieren". Das hört sich etwas theoretisierend an, ist aber im Gegenteil ein häufiges praktisches Problem. Man ist geneigt, die Dinge so zu interpretieren, dass sie in ein Gesamtbild passen. Oft ist diese Herangehensweise erfolgreich und zielführend, manchmal führt sie auf die völlig falsche Fährte. Ein wirklich handfester Befund ist der erste von Ihnen genannte TSH-Wert. Dieser ist deutlich zu hoch, was für eine Schilddrüsenunterfunktion sprechen kann. Die Bestimmung der "peripheren Schilddrüsenhormone" FT3 und FT4 hätte hier noch erfolgen müssen. Zudem ist der TSH-Wert recht anfällig für äussere Störeinflüsse. Er zeigt, wie viele andere Hormone auch, eine zirkadiane Rhythmik - TSH-Werte wechseln im Tagesverlauf. Viele Medikamente können den TSH-Wert beeinflussen und auch die Korrektheit von Blutabnahme und Transport müssen gesichert sein. Gehen wir von einer validen (verlässlichen) Bestimmung aus, so hätte man zumindest einen Ultraschallbefund und ggf. die Bestimmung der Antikörper (anti-TPO und TRAK) folgen lassen müssen, ggf. auch eine Schilddrüsenszintigraphie. Auch der genannte Eisenwert ist nicht so beeindruckend niedrig, als dass man einen Effekt auf Ihre Befindlichkeit erwarten muss - er kann (!) eine unterstützende Rolle spielen, durchaus. Was fehlt, um konkretere Hinweise zu geben, ist sicherlich eine weitere Blutanalytik, v.a. des Blutbildes, der Blutsalze, Leber-, Nierenwerte, des endokrinologischen Basisstatus etc.. Weitere wichtige Fragen: wie ist die Entwicklung Ihres Körpergewichtes, wie hoch sind Blutdruck (auch in der Nacht !) und Ruhepuls, wie ist Ihre Schlafqualität, haben Sie evtl. nächtliche Atempausen (kann man einfach testen) etc., etc. Und: wie geht es Ihnen abgesehen von den Ergebnissen der medizinischen Diagnostik ? "Müdigkeit (täglich), antriebslos(täglich), Erschöpfung(täglich), häufige Kopfschmerzen, ..." können natürlich auch auf ein Überlastungssyndrom hinweisen - körperlich wie seelisch. Das passiert gerade Selbständigen nicht gerade selten - man ist gewohnt zu funktionieren, sich bis zum umfallen zu verausgaben, nicht auf die Signale der Seele zu hören ... In diesem Falle wäre ein TSH-Wert von 9 möglicherweise nur ein Puzzelteil, welches formal zwar passt, eigentlich aber gar nicht zu dem aktuellen Bild gehört. Derzeit gibt es für Sie noch zu viele Fragen, und nur wenige Antworten. Dies ist ein sehr unbefriedigender Zustand, das verstehe ich. Trotzdem: seien Sie optimistisch! Gehen Sie nochmal zurück auf "Los", begeben Sie sich zu einem/einer guten Facharzt/Fachärztin für Innere Medizin oder Allgemeinmediziner und gehen Sie Schritt für Schritt einen geradlinigen diagnostischen Weg mit ihm/ihr. Lassen Sie die o.g. Blutanalytik und die Schilddrüsendiagnostik einmal komplett (!) durchführen und somit auch eine echte Diagnose stellen. Und: hüten Sie sich vor "Kaffeesatzlesen" in Laborbefunden (einem Hobby, das auch manchen Ärzten zu gut gefällt). Zuallererst zählt Ihr Befinden, gerade was Schilddrüsenhormonanalytik betrifft. Fühlen Sie sich unter einem bestimmten TSH-Wert richtig wohl, dann lassen Sie sich nicht zu einem "Finetuning" überreden, wenn er noch nicht ganz so ist, wie die Lehrmeinung derzeit fordert. Ich bin sicher, dass eine Ursache Ihrer Beschwerden gefunden wird und Sie sich bald wieder besser fühlen werden. Alles Gute wünscht Ihnen mit freundlichen Grüßen aus Köln Dr. med. Christoph Schmülling |
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