Kategorie: Innere Medizin |
|---|
Frage: galle |
| Gefragt am 29.10.2009 17:36 Uhr | Einsatz: € 30,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 1046 |
|
Bewertung: 4,0 (von 5 Sternen)
bei meiner 91-jährigen Mutter wurde per Ultraschall (nach heftigen Bauchschmerzen)festgestellt, daß sie einen 1,5 cm großen Polyp in der Galle hat. Der Arzt rät zur Entfernung der Gallenblase. Meine Mutter hat keine weiteren schweren Erkrankungen, außer gelegentlich hohem Blutdruck und ständiger Verstopfung. |
Klicken Sie hier und fragen Sie einen Arzt zum Thema Innere Medizin!
| Antwort |
|---|
|
Beantwortet von Dr. med. Christoph Schmülling (Profil ansehen)
Sehr geehrte(r) Ratsuchende(r),
Polypen in der Gallenblase verursachen (von in der Medizin immer zu berücksichtigenden seltenen Ausnahmen abgesehen) keine Schmerzen ! Hier scheint mir die Frage nach der wahren Ursache der Schmerzen ungeklärt geblieben zu sein. Eine mögliche OP-Indikation (ein guter Grund für eine Operation) kann aus einem einmaligen vorübergehenden (!) Schmerzereignis ohne ganz klare Ursachenfindung keinesfalls (!) entwickelt werden. Ich vermute, dass der zur OP ratende Kollege eher die Gefahr einer bösartigen Entwicklung aus dem Gallenblasenpolypen im Auge hatte und aufgrund dessen zur Operation rät. Das Gallenblasen-Karzinom ist ein seltener, aber vor allem im Alter auftretender Tumor. Es gilt nun das Risiko einer bösartigen Entwicklung gegen das allgemeine und individuelle OP- und Narkose-Risiko bei Ihrer Mutter abzuwägen. Sollte das Aussehen des Polypen, seine Textur, seine Wachstumsform, die im hochauflösenden Ultraschall sehr gut beurteilt werden können, schon Hinweise auf bösartig-raumgreifendes Wachstum zeigen, wäre eine Operation nahezu unabdingbar, um eine Situation nicht zu verpassen, in der die Entfernung der Gallenblase und damit des Polypen echte Heilung bedeuten würde. Erfüllt der Polyp jedoch die Ultraschallkriterien der Gutartigkeit, so wäre ich, obschon dies keine Garantie bedeutet, viel eher geneigt, eine engmaschige Ultraschallkontrolle (zunächst alle 4-6, bei unveränderten Befunden später alle 8-12 Wochen) an die Stelle der OP zu setzen. Für die Kalkulation des Risikos (das klingt furchtbar technisch, ist aber nicht so gemeint) sind nicht nur die Vorerkrankungen und der Allgemeinzustand Ihrer Mutter entscheidend, sondern vor allem die Frage, wie Ihre Mutter selbst zu der OP steht. Wäre sie eher der Typ, der sagt "ich hab zwei Weltkriege überlebt, da werd ich den Chirurgen wohl auch noch schaffen ..." und eine rauschende Ballnacht zu ihrem 100sten Geburtstag plant, hätte ich deutlich weniger Sorgen, als bei einem eher schwer zu aktivierenden, introvertierten Menschen - in der OP macht das keinen Unterschied, aber in der postoperativen Phase, die da bedeutet: früh nach der OP aus dem Bett, auch wenn es noch zwickt, anstrengende Atem- und Krankengymnastik über sich ergehen lassen, der Darm noch träger, als sonst und der Toilettengang anstrengend ... da braucht man einen ganz festen Willen zur Mitarbeit und "innewohnende" Aktivität, sonst sind die (lebengefährlichen) Komplikationen vorprogrammiert ! Ich hoffe, ich konnte Ihnen nahebringen, welch komplexer Entscheidungsprozess hier vonnöten ist. Die medizinischen Leitlinien empfehlen bei Gallenblasenpolypen über 1 cm Größe klar die OP und man würde bei einer gesunden, die OP bejahenden 50-Jährigen, keinen Moment zögern. Im Fall Ihrer 91-jährigen Mutter hilft einem solch eine Leilinie nicht viel weiter. Auf jeden Fall gilt: lassen Sie sich nicht zu übereilten Entscheidungen hinreissen. Holen Sie sich mehrere Meinungen ein und besprechen sie alles ruhig im Familienkreis. Die Entscheidung wird letztlich Ihre Mutter treffen und meine Erfahrung ist die, dass 91-Jährige für sich selbst oft viel weiser entscheiden, als medizinische Experten, die nicht viel älter sind als deren Enkel. ;-) Ich wünsche Ihnen, Ihrer Familie und besonders natürlich Ihrer Mutter alles Gute und eine am Ende gute Entscheidung. Mit freundlichen Grüßen Dr. med. Christoph Schmülling |
Klicken Sie hier und fragen Sie einen Arzt zum Thema Innere Medizin!
| Bewertung | ||
|---|---|---|
| 1. Wie hilfreich war die Antwort des Arztes? |
|
4,0 |
| 2. Wie bewerten Sie die Reaktionszeit des Arztes? |
|
4,0 |
| 3. Wie empfehlenswert ist der Arzt? |
|
4,0 |
