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Kategorie: Innere Medizin

Frage: Alternative zu Omeprazol gesucht

Gefragt am 22.06.2011 22:26 Uhr | Einsatz: € 10,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 1043

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin 25 Jahre alt, 179 cm groß und wiege 81kg.

Da ich unter großen Libidomangel leide (seit ca. 3 Jahren,schleichender Prozess) entschloss ich mich untersuchen zu lassen. Meine Hoden, die Hypophyse und sonstige Organe sind in Ordnung. Bei der endokrinologischen Untersuchung wurde festgestellt, das mein Testosteron grenzwertig sei (11,6 nmol/l).

Meine endokrinologische Ärztin wurde hellhörig als ich ihr von meiner, nun über 4 Jahre langen, Einnahme von Omeprazol 40 mg (wegen meines Refluxes und Hiatushernie) erzählte.

Sie ist der Meinung das Omeprazol meinen Testosteronhaushalt durcheinander bringen kann, da Omeprazol bekannt dafür sei Gynäkomastie zu fordern. Sie empfahl mir jetzt das Medikament nicht mehr zu nehmen.

Ganz so einfach ist das natürlich nicht für mich, da ich ohne das Medikament nach einigen Tagen vor Schmerzen nicht mehr schlafen könnte...

Ich bitte Sie deshalb um einen Rat welche Medikamente ich den noch nehmen könnte, die nicht mit \"Gynäkomastie\" in Verbindung stehen. Also eine Alternative zu Omeprazol. Wie stehen Sie zum Thema \"Bulrich Salz\"?

Ich möchte diesem Ansatz hintergehen und schauen, ob ein Absetzen von Omeprazol mein Testosteronhaushalt wieder auf die Sprünge hilft.

Achja, sollte die Verbindung von Gynäkomastie mit Omeprazol nicht bekannt sein, wurde mir diese Quelle empfohlen:

http://www.arznei-telegramm.de/html/1998_03/9803031_02.html


Vielen Dank für Ihre Hilfe!

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Antwort

Beantwortet von Uni-Arzt Torben C. Müller (Profil ansehen)

Sehr geehrter Fragender;

Sie sind noch sehr jung, die Langzeitentnahme von einem PPI(Protonenpumpeninhibitor), und das wäre bei Ihnen aufgrund Ihres anatomischen Befundes notwendig, würde ich Ihnen aufgrund folgender Langzeitnebenwirkungen sowieso nicht empfehlen:
Ich habe in einer der vorigen Antworten dazu ausführlich Stellung genommen
Die lebenslange Einahme von PPI (das ist die Medikamentengruppe zu denen auch Omeprazol gehört) kann auch zu folgendem führen:
1. PPI-Abhängikeit; d.h. wenn Sie das Präparat absetzen kommt es zusätzlich zu Ihrem anatomischen Problem, der axialen Zwerchfell-hernie noch zu einem Säureproblem im Magen. Die Belegzellen produzieren dann überschüssig viel Säure, was Ihre Refluxproblematik noch weiter verschärfen würde-
2. Einige Menschen reagieren mit Leberenzymerhöhungen, was für mikroschäden der Leber spricht. (Deshalb regelmaessige kontrolle der Leberwerte)
3. Eine DAuertherapie scheint Einfluss auf Nahrungsmittelallergien zu haben; diese scheinen verstärkt unt PPI-Dauertherapie aufzutreten.
4. Es gibt wohl eine Auswrkung auf den Knochenstoffwechsel; kann die Osteoporose Neigung verstärken.
5. Es gibt das Risiko, dass sich Bakterien in ihrem Magen ansiedeln, da nur noch wenig Säure da ist. Dies kann im schlimmsten Fall zu einer chronischen Magenschleimhautentzündung führen.
Die langfristigen Nebenwirkungen sind aber noch in Erforschung, d.h. die Liste kann noch länger werden.

Eine ernsthafte Frage ist, ob Sie sich nicht einfach operieren lassen und das Problem der Hernie sowie des damit verbundenen Refluxes chirurgisch beheben lassen. Ob eine Operation bei Ihnen möglich ist, müssten Sie natürlich mit einem Chirurgen besprechen, allerdings wäre das doch eine Option auf die regelmässige Medikamenteneinnahme zu verzichten. Somit hätten Sie auch keine Nebenwirkungen mehr zu befürchten.

Bullrich-Salz besteht zu 100% aus Natron, dies kann zwar kurzfristig u. U. helfen, allerdings gilt es nicht mehr als aktuell empfohlenes Medikament. Schaden wird es vermutlich auch nicht, also Sie können es gerne probieren. Nur werden Sie Ihre Hernie damit auch nicht aus der Welt schaffen.

Sie sind noch sehr jung, daher ist es wirklich wichtig, dass Sie nicht dauerhaft an Reflux leiden; sonst besteht langrfristig auch die Gefahr, dass Krebs entsteht. Die Speiseröhrenschleimhaut kommt einfach auf Dauer nicht mit der Säure zurecht, denn dafür ist sie nicht gebaut.

Selbst wenn Sie die allgemeinen Lebensführungsregeln beachten; d.h. nicht Rauchen, keine stark koffeinierten getränke, keine scharfen Speisen, Vorsicht mit allen Formen des Alkohols, kann gut sein, dass Sie weiter an Reflux leiden. Zumal vielleicht schon eine PPI-Abhängikeit vorliegt.

Ich würde mit einem Chirurgen reden.
Wenn Sie noch Fragen haben gerne in einer Rückantwort.

Mit freundlichen Grüssen

T.C, Müller

Nachfrage
Sehr geehrter Herr Dr. Müller,

vielen Dank für Ihre Antwort. Da Sie mir zu einer Operation raten, nehme ich mal an das es nicht wirklich eine medikantöse Alterntive zu Omeprazol gibt?

Mein Internist erstellte im April 2008 folgenden Befund:

1. Distale ulceröse Refluxösophagitis Grad B-C bei großer Hiatushernie.
2. Diffuse Gastritis Schwerpunkt Antrum.
3. Bulbus/postbulbäres Duodenum u. proximaler Abschnitt der Speiseröhre unauffällig.
4.HLO-Test: Negativ.

Können Sie ungefähr abschätzen ob eine OP noch möglich ist?


Vielen Dank!

Rückantwort
Sie schreiben, dass Sie eine grosse Hiatushernie haben, diese lässt sich nur chirurgisch definitiv versorgen.
Die medikamentiöse Alternative Ranitidin ist ebenfalls in dem von Ihnen zitierten Arzneitelegramm als Förderer der Gynaäkomastie aufgelistet. Daher macht das wohl auch keinen Sinn, mit Zantic anzufangen.
(Zantic=Ranitidin ist ein H2-Antihistaminikum und hemmt ebenfalls die Magensäureproduktion).
Zu Ihren Diagnosen:
1. Auf Dauer gefährlich, aufs Leben bezogen deutlich erhöhte Krebsgefahr.
2. Diffuse Gastritis (Was soll diffus als Diagnose?)....Unter Omeprazol entwickeln sich gerne chronische Gastritiden, da es weniger Säure gibt können mehr Bakterien ansiedeln und ihr Unwesen treiben.
3. ist gut
4. keine Helicobacter-Besiedelung, auch das ist gut, kann sich allerdings jederzeit ändern, doch unter Omeprazol eher unwahrscheinlich, da H.B. eine saures millieu bevorzugen

Eine Operation ist meiner Ansicht nach möglich,
welche Operationstechnik bei Ihnen die geeignetste sein wird, muss der behandelnde Chirurg entscheiden. Wahrscheinlich wird es auf eine laparoskopische Operation (also mit Kamera) in Vollnarkose hinauslaufen.

Ich wünsche Ihnen gute Besserung

MfG
T.C. Müller

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