Kategorie: Dermatologie |
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Frage: cafe au lait Flecken |
| Gefragt am 16.06.2010 14:31 Uhr | Einsatz: € 20,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 1086 |
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Hallo, unsere zweijährige Tochter hat am Rücken zwei cafe au lait Flecken. Bei einem weiteren Fleck an der Stirn wurde vom Kinderarzt eine cal-Fleck ausgeschlossen. Sonst gibt es bei unserer Tochter keine Auffälligkeiten und es ist auch kein Fall von NF1 in unserer Familie bekannt. Dennoch machen wir uns Sorgen wegen der beiden cal Flecken und wir haben folgende Fragen: 1. Wir haben gelesen, dass cal-flecken nahezu immer von Geburt an vorhanden sind bzw. in den ersten Lebensmonaten entstehen. Ist demnach die Gefahr bei einer zweijährigen bereits gebannt? 2. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit dass nach dem zweiten Lebensjahr noch weitere cal-Flecken entstehen? 3. Sehen Sie in unserem Fall ein konkretes Risiko für NF1? Besten Dank. |
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Beantwortet von Dr. med. Olaf Stephan (Profil ansehen)
Sehr geehrte Fragende,
Die Neurofibromatose Typ 1 (Morbus Recklinghausen oder periphere Neurofibromatose) ist eine autosomal dominant vererbte Erkrankung, die vor allem Haut und Nervensystem betrifft. Typische Veränderungen an der Haut sind mehrere Café-au-lait-Flecken sowie Neurofibrome. Die Krankheit wird durch Veränderungen in einem Gen hervorgerufen, welches normalerweise hemmend auf die Zellteilung wirkt, deshalb kommt es zu einer überschießenden Gewebsvermehrung und den typischen Veränderungen. Die Diagnosestellung erfolgt in der Regel klinisch anhand der sichtbaren Symptome. Die Neurofibromatose Recklinghausen ist eine genetische Erkrankung, so dass eine kausaleTherapie nicht möglich ist, die Behandlung orientiert sich deshalb nur an Veränderungen, die für den Patienten störend oder gefährlich sind. Seit 1987 sind diagnostische Richtlinien festgelegt, die nach wie vor ihre Gültigkeit haben, es gibt also keinen Labortest zum Ausschluss bzw. Nachweis von NF 1. Die Diagnose wird gestellt, wenn zwei oder mehr der folgenden Kriterien erfüllt sind: - 6 oder mehr Café-au-lait Flecken grösser als 5 mm im vorpubertären Alter, grösser als 15 mm nach der Pubertät, - 2 oder mehr Neurofibrome, - Freckling (sommersprossenartige Pigmentierung) in Achsel- bzw. Leistenbereich, - Sehbahntumor, - 2 oder mehr Irishamartome (auch Lisch-Knötchen genannt), - charakteristische Knochenveränderung oder Verbiegung langer Röhrenknochen mit oder ohne Pseudarthrose, - ein Verwandter ersten Grades (Elternteil, Geschwister, Kind) hat NF 1 entsprechend diesen Kriterien, Café-au-lait Flecken (Milchkaffee- Flecken) sind bräunliche flache Pigmentflecken der Haut, sie können bereits bei Geburt vorhanden sein, häufig treten sie jedoch in den ersten Lebensmonaten auf, um evtl. in Grösse und Anzahl noch zuzunehmen. Die Café-au-lait Flecken entwickeln sich praktisch immer bis zum Schuleintritt, d.h. ein Kind, das bis zum Alter von 5-6 Jahren keine Flecken aufweist, hat mit großer Wahrscheinlichkeit keine Neurofibromatose. Café-au-lait Flecken sind harmlos, die Intensität der Pigmentierung ist abhängig von der Sonnenexposition, sie befinden sich meist am Körperstamm und den Extremitäten, nur sehr selten im Gesicht. Die kutanen Neurofibrome entstehen während der Pubertät und können im Erwachsenenalter noch an Zahl zunehmen. Es handelt sich um kleine, vorstehende, gutartige Hauttumore, aus ihnen entsteht kein Hautkrebs. Die Anzahl der kutanen Neurofibrome ist meistens sehr variabel. Unter Freckling versteht man Pigmentveränderungen im Sinne von kleinsten Café-au-lait Flecken, das Aussehen erinnert etwas an Sommersprossen. Freckling ist in der Achselhöhle und in der Leistengegend lokalisiert, es kommt bei gesunden Personen nicht vor und ist auch bei NF 1 nicht konstant vorhanden, es tritt in der Regel erst im Laufe des Schulalters auf. Es hat an sich keinen Krankheitswert, ist jedoch von diagnostischer Bedeutung. Sehbahntumoren treten bei NF 1 (im Vergleich zu Nichtbetroffenen) gehäuft auf (bei ca. 15% der Betroffenen). Diese immer gutartigen Tumoren werden oft zufällig im CT oder MRT entdeckt, nur sehr selten verursachen diese Tumoren Symptome, die Sehbahntumoren treten in den ersten Lebensjahren auf, nach der Pubertät entstehen sie nicht mehr. Bei den sogenannten Irisknötchen handelt es ich um gutartige, wärzchenförmige Erhebungen auf der Vorderseite der Regenbogenhaut des Auges. Sie treten bei der Mehrzahl der von NF 1 Betroffenen im Schulalter auf, während sie bei Gesunden nicht vorkommen. Sie stellen damit ein wichtiges diagnostisches Kriterium dar, sind aber für die Betroffenen selber absolut harmlos. Irisknötchen werden vom Augenarzt bei der Untersuchung an der Spaltlampe entdeckt. Die Knochenveränderungen betreffen lediglich etwa 1% der Betroffenen, abgesehen von der Pseudarthrose des Schienbeins haben sie kaum Auswirkungen. Somit besteht bei Ihrer Tochter derzeitig keine NF 1, bezüglich des zukünftigen Verlaufes verweise ich auf die oben aufgeführten diagnostischen Kriterien, ggf. empfehlen sich Kontrolluntersuchungen beim Kinder- oder Hautarzt. Mit freundlichen Grüßen O. Stephan.
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