Kategorie: Allgemeinmedizin |
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Frage: zitternde Hände |
| Gefragt am 04.10.2009 10:48 Uhr | Einsatz: € 100,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 1054 |
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Bewertung: 5,0 (von 5 Sternen)
Ich bin 1964 geboren. Als Säugling hatte ich Mumps-Meningitis und zwischen dem 7. und 11. Lebensjahr mehrere schwere Lungenentzündungen, Sinusitis und chronische Bronchitis. Die Atemwegserkrankungen sind in den 70er Jahren umfangreich (und erfolgreich) mit Antibiotika behandelt worden; an Penicillin-Spritzen und Berlocombin kann ich mich erinnern, es waren aber noch weitere Präparate, die über Jahre in unterschiedlicher Dosierung verordnet wurden. Als eindeutige Nebenwirkung der Antibiotika ist eine Gelbfärbung der Zähne (Tetracycline) zurückgeblieben. |
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Beantwortet von Dr. med. Christoph Schmülling (Profil ansehen)
Sehr geehrter Ratsuchender,
Zitter der Hände ist ein sehr häufiger Beratungsanlass in der allgemeinmedizinisch-internistischen Praxis und eröffnet in der Regel eine breite Differenzialdiagnostik. Grundsätzlich kann Zittern durch neurologische, aber sehr häufig auch durch psychosomatische Ursachen (im Verlauf oft kombiniert) hervorgerufen werden. Eine der häufigsten Ursachen ist der "essentielle Tremor", dessen Ursachen noch nicht in Gänze verstanden sind. Das Auftreten in der Jugend spricht eher gegen sein Vorliegen. Für eine genauere Einordnung der Ursache des Zitterns wäre es notwendig zu wissen, ob der Tremor (das Zittern) auch im Schlaf besteht, ob er auftritt, wenn Sie ganz alleine sind, wie die Frequenz des Tremors ist, wie er sich verändert, wenn Sie Zielbewegungen ausführen (z.B. eine Gabel zum Mund führen) usw. Ganz abgesehen von diesen genaueren Untersuchungen und Angaben legt die Tatsache, dass Sie bereits seit dem 13. Lebensjahr ein Händezittern bemerkt haben und mittlerweile zu den Mittvierzigern gehören, ohne dass sich das Zittern auf andere Körperpartien ausgeweitet hat oder weitere neurologische Symptome hinzugetreten sind, folgende Überlegungen nahe: Theorie 1: Im Rahmen ihrer Erkrankungen im Jugendalter ist z.B. durch die Meningitis oder Medikamentennebenwirkungen bereits ein neurologischer Schaden eingetreten, der keine Dynamik mehr aufweist, also abgeschlossen ist. Dieser wird in der Regel durch eine genaue Untersuchung beim Neurologen inkl. Messung von Nervenleitgeschwindigkeiten, EEG, ggf. CT , MRT oder SPECT zu diagnostizieren sein. Ich halte dies allerdings für sehr unwahrscheinlich ! Theorie 2: Im Verlauf Ihrer Kindheit und frühen Jugend ist es, möglicherweise im Rahmen Ihrer schwerwiegenden Erkrankungen, zu einer Traumatisierung gekommen, die eine "seelische Wunde" hinterlassen hat, dessen Ausdruck das Zittern war. Ich glaube jeder, der sich vorstellt als Kind schwer erkrankt gewesen zu sein, kann nachvollziehen, dass dies nicht fernliegt. Dieses Zittern kann sich, insbesondere wenn man es früh "erworben" hat, im Laufe des Lebens "verselbstständigen" und in ein "Zittern aus Angst vor dem Zittern" münden. Letzteres gibt es übrigens sehr häufig auch im Rahmen einer generellen Angsterkrankung bzw. einer sog. "sozialen Phobie". Meine Empfehlung für Sie ist eine neurologische Basisdiagnostik aber vor allem auch die Vorstellung bei einem guten Pychotherapeuten/Psychosomaten, der sich insbesondere mit Angsterkrankungen auskennt. Ich weiß, dass es in Deutschland häufig Schwierigkeiten mit dieser Empfehlung gibt ("... aber Herr Doktor, ich bin doch nicht verrückt ..."), aber seien Sie gewiss, dass das nichts, aber auch gar nichts mit "verrückt" zu tun hat - ganz im Gegenteil: Psychosomatosen sind eine der häufigsten Beratungsanlässe in der Allgemeinmedizin - sie werden nur leicht missdeutet. Zum Punkt "Medikamente", weil Sie ihn ansprachen: natürlich kann man Ihren Körper sedieren, mit dem Effekt, dass auch die Hände ruhiger werden - aber das ist für Sie, soweit ich das aktuell beurteile, nicht der Weg. Eine medikamentöse Möglichkeit ausserhalb der Psychopharmaka wäre die Gabe eines Beta-Blockers. Diesbezüglich sollten Sie mit Ihrem Hausarzt darüber sprechen, ob Kontraindikationen bestünden. Eine echte Empfehlung kann ich hier, ohne Sie persönlich zu kennen und ein längeres Gespräch über mögliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen zu führen, nicht geben. Medikamente sehe ich nicht als ersten Schritt. Ich glaube, dass die Ursache am ehesten im psychosomatischen Bereich liegt und sie die Chance haben, unter professioneller Anleitung, das Zittern zu "verlernen". Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen Dr. med. Christoph Schmülling |
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