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Kategorie: Allgemeinmedizin

Frage: Überlebensdauer bei starkem UG

Gefragt am 15.09.2009 15:52 Uhr | Einsatz: € 10,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 1013
Bewertung: 3,3 (von 5 Sternen) Überlebensdauer bei starkem UG , 3.3 von 5 bei 1 Bewertungen Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin 32 Jahre alt, anorektisch und seit einigen Jahren stark untergewichtig (BMI von 12,5-13). Blutwerte etc. waren immer ok., auch ist die hygienische Versorgung in Deutschland gut (also nicht zu vergleichen mit UG-Patienten in Entwicklungländern. Was denke

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin 32 Jahre alt, anorektisch und seit einigen Jahren stark untergewichtig (BMI von 12,5-13). Blutwerte etc. waren immer ok., auch ist die hygienische Versorgung in Deutschland gut (also nicht zu vergleichen mit UG-Patienten in Entwicklungländern. Was denken Sie oder gibt es schon Erhebungen, wie lange ein Mensch mit einem solchen UG überleben kann?

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Antwort

Beantwortet von Juliane Theben (Profil ansehen)

Liebe Fragende/Lieber Fragender,

mit Sicherheit erwarten Sie jetzt genaue Zahlen auf Ihre gestellte Frage - aber die wird Ihnen kaum jemand nennen können.
Ich denke leider, dass Sie besser eine andere Frage stellen sollten - nämlich:
Wie finde ich professionelle Hilfe, um von diesem gefährlichem Untergweicht auf ein Normalmaß zurückzukommen??

Ich bin mir sicher, dass Sie diese Antwort schon 1000Mal gehört haben, da Sie schreiben, dass Sie seit Jahren unter Anorexie mit sehr starkem UG leiden. Dennoch kann ich Sie nur inständig dazu ermutigen, sich professionelle Hilfe zu suchen!!!! Sie befinden sich mit einem BMI von 12,5 in einem schon höchst gefährlichen Bereich von UG, egal wie gut die hygienischen Bedingungen sind!!!!!!Selbst unter den besten hygienischen Bedingungen, die man sich nur vorstellen kann, gibt es schon jetzt eine Reihe von Komplikationen bei einem BMI von 12,5, die in Ihrem Falle eintreten können, die tötlich sein könnten!

Leider kann ich mit Ihnen kein persönliches Gespräch führen und per Internet Lösungsstartegien in Ihrer Situation anzubieten ist schwer. Ich kann Sie nur inständig bitten sich professionelle Hilfe zu suchen, egal wie peinlich oder unangenehm es Ihnen sein mag. Anorexie ist eine anerkannte Krankheit, die nur mit professioneller Hilfe von Therapeuten bahndelt werden kann. Scheuen Sie sich nicht Hilfe zu suchen, es gibt eine Reihe von Menschen, die unter Anorexie leiden, die aber mit therapeutischer Hilfe einen Weg aus der Anorexie hausgefunden haben. Es braucht mit Sicherheit vile Geduld uaf dem langen Weg und viel Einfühlungsvermögen - aber ES GIBT HILFE und ES GIBT EINEN WEG HERAUS AUS DER ANOREXIE.

Deshalb bitte nicht mehr länger warten und auf keine weiteren statistischen Zahlen vertrauen, sondern suchen Sie sich professionelle Hilfe - und zwar HEUTE !!!!

Ich hoffe ich habe Sie nicht verängstigt oder eingeschüchtert, aber ich denke es ist meine Pflicht als Ärztin, Ihnen in Ihrer jetztigen Situation auch den Ernst der Lage vor Augen zu führen. Meine Intention ist es nicht Sie zu verängstigen, sondern Ihnen Mut zu machen sich Hilfe zu suchen!!!!

Mit besten Grüßen

J.Theben

Nachfrage
Sehr geehrte Frau Dr. Theben,

herzlichen Dank für Ihre Antwort. Natürlich haben Sie recht, auch habe ich mir bereits ambulante Hilfe gesucht und nehme Zusatznahrung (Fresubnin), um einer weiteren Gewichtszunahme entgegenzuwirken und mich zu stabilisieren. Auch will ich nicht auf Statistiken blind vertrauen, trotzdem wäre mir an einem Anhaltspunkt gelegen. Gerade weil es mir jetzt nicht mehr so egal ist, ich aber für einen stationären Aufenthalt eine gewisse Vorlaufszeit benöige (gehe derzeit noch arbeiten).

Könnten Sie daher noch einmal genauer auf meine Ausgangsfrage eingehen? Gibt es Studien zur Überlebensdauer? Gibt es Langzeitstudien für Lebenserwartungen bei chronisch Anorexiekranken? Welche körperliche Komplikationen meinten Sie in Ihrer Antwort?

Rückantwort
Liebe Fragende/lieber Fragender,

zunächsteinmal war ich sehr beruhigt zu hören, dass Sie sich bereits in ambulanter Behandlung befinden und eine stationäre Therapie fest eingeplant haben - Glückwunsch zu diesem Schritt, der ist sehr wichtig und mutig !!!!
Ich habe mich vor diesem Hintergrund die letzten Tage in Fachjournalen nach der Überlebensdauer bei Anorexie-Patienten erkundigt. Es gibt zwar zu dem Thema Anorexie und verschiedene Behandlungsstrategien zahlreiche Studien, aber ich habe in keiner Studie konkrete Zahlen gefunden. Es wird zwar in jeder Studie erläutert, dass die Lebenserwartung deutlich eingeschränkt ist, aber genaue Zahlen habe ich in diesem Hinblick nicht gefunden. In den meisten Studien wird die Frage diskutiert wieviele Patienten als geheilt entlassen wurden, wieviele verstorben sind und wieviel Prozent rückfällig geworden sind. SORRY, dass ich Ihnen auf diese Frage nicht weiterhelfen kann - aber vielleicht können die Fachärzte der Klinik Ihnen weiterhelfen, in der Sie Ihre stationäre Therapie machen werden - die Kollegen beschäftigen sich ja seit Jahren nur mit diesem Krankheitsbild, vielleicht kennen die Kollegen noch andere Datenbanken.

Die Komplikationen, die ich in meiner Antwort meinte umfassen eine breite Palette. Ihr körper befindet sich in einer katabolen Kreisslaufsituation; das heißt Ihr völlig untergewichtiger Körper versucht aus jedem bischen Körperfett noch Energie zu gewinnen. So werden zum Beispiel auch Reserven angegriffen, die bei normalgewichtigen Menschen, niemlas angegriffen würden - wie z.B. das "Nierenbett", das eine Art Fettkapseldarstellt, das die Niere vor Verletzungen/Erschütterungen schützt - auch diese Fette, die Schutzfunktionen der Organe darstellen, sind bei Ihnen nicht mehr vorhanden. Ein geringes Trauma würde ausreichen um weitreiche Komplikationen nach sich zu ziehen, die bis zum Multiorganversgagen führen können, da Ihr Körper keine Restreserven mehr besitzt.
Weiterhin werden Sie auch einen sehr instabilen Elektrolythaushalt haben, was wiederrum zu Herzrythmusstörungen oder auch im Extremfall zu einem plötzlichen Herztod führen kann.
Auch bei einer ausgezeichneten Hygiene, wird Ihr Immunsystem bei einem BMI von 12,5 genauso geschwächt sein, so dass Keime, die einem "gesunden Menschen" nichts ausmachen, Ihnen sehr wohl zusetzen können.
Insgesamt befindet sich Ihr Körper in einem absoluten Mangelzustand, der keine Reserven hat sich gegen Keime/Traumata/Stress zu wehren.......

Wie schon in der ersten Antwort gesagt - ich möchte Ihnen keine Angst machen!!!! Ich möchte Ihnen nur verdeutlichen, dass keine Zeit zu verlieren ist - Sie müssen die stationäre Therapie unbedingt beginnen. Ich hoffe Sie haben "nahe Menschen", die Sie auf dem mutigen Weg begleiten und drücke Ihnen beide Daumen, dass Sie es schaffen !!!!

Mit besten Grüßen Ihre
J.Theben

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