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Kategorie: Kindererziehung allgemein

Frage: frech

Gefragt am 08.06.2010 21:43 Uhr | Einsatz: € 10,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 1023

wenn kinder richtig frech
sind wie gehe ich da mit
am besten um ?

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Antwort

Beantwortet von Ronald Schulze (Profil ansehen)

Hallo „Unbekannt“,

Ihre Frage impliziert, dass es sich nicht um Ihre eigenen Kinder handelt, sondern eher um Fremde, mit denen Sie jedoch - beispielsweise institutionellen - Kontakt haben ?! Sie beschreiben auch keine konkrete Situation und / oder aktuelle Problematik sondern bleiben Allgemein.

Unserer Ansicht nach ist, „Frech sein“ „unkultivierte Zivilcourage“; demnach letztlich eine durchaus, von der Gesellschaft erwünschte Verhaltensweise, die in Ihren Ursprüngen - also im „kindlichen Wirken“ wohlwollend gefördert und aufmerksam begleitet werden sollte.

Insoweit lassen Sie uns eine weitere Sichtweise zum Thema einbringen, die „Frechheit“ ein wenig positiver - als üblich - fokussiert.

Der Belgische Philosophieprofessor Michel Meyer sagt über Frechheit :

Frechheit ist „eine Lebenshaltung. … eine Form geistiger Unabhängigkeit. Die Suche nach der Wahrheit ist eine Frechheit. Die Frechheit schafft einen Abstand zwischen dem, was Leute vorgeben zu sein, und dem, was sie wirklich sind. Frechheit bedeutet das Infrage stellen der Normen. Frechheit schafft einen Abstand, eine Differenz, einen Unterschied zu den Normen und erschließt somit deren Wahrheit und Berechtigung.“ Frechheit stellt „ohne Respekt Dinge in Frage … . Andererseits kann der Freche - ich denke da vor allem an früher, an die Hofnarren etwa - auch eine Stütze der Mächtigen sein. Indem der Hofnarr nämlich das Verbotene ausspricht und damit den Zorn des Volkes kanalisiert, verhindert er unter Umständen den Umsturz. Und wenn der Freche mit seiner Kritik beim Volk Empörung hervorruft, kann es sein, dass diese sich gegen ihn selbst richtet und nicht gegen die Machthaber.“ Der Freche zeigt Missstände auf und bewegt das Volk zum Nachdenken. … Selbstgerechte Leute, die von ihrem Tun ganz und gar überzeugt sind. Angsthasen, Mutlose und Kleinbürger“ ertragen Frechheit nicht. „Frechheit wird von ihnen als undemokratisch betrachtet, da sie - wie erwähnt - das Versteckte, das Nichtgesagte, die Differenz zu Tage fördert…“ … Dreistigkeit erstaunt … Beleidigung“ lenkt ab, „Frechheit“ sucht „die Auseinandersetzung, und zwar von innen her. Ihre Sprache ist die Sprache der Eingeweihten. Das wissen all jene, die sich der Ironie bedienen, und dadurch unterscheidet sich die Frechheit auch von der bloßen Kritik. Der Dreiste bleibt außerhalb, der Beleidigende stürzt sich mitten hinein, der Freche aber hält Distanz - die Bedingung der Möglichkeit, der Wahrheit auf die Spur zu kommen.“ Frechheit äußert sich meist in verbalen Attacken, „aber nicht immer. Wenn einer in Jeans zur Familienfeier geht, hat das unter Umständen auch frechen Charakter. … „Freche sind heute leider eine Seltenheit geworden - einige wenige Intellektuelle sind verblieben. Bei den anderen hat sich die Frechheit, wenn man so will, auf das Tragen eines farbigen Jacketts oder einer auffälligen Brille reduziert. … Zwar gibt die Demokratie das Recht auf Frechheit, andererseits bietet der grassierende Konformismus - diese Vereinheitlichung von Geschmäckern und von Meinungen - eine schlechte Voraussetzung für die Praxis des Infragestellens. Die Frechheit geriet zur Ausnahme, weil Unterschiede in einem solchen Umfeld angst machen. Jedermann nimmt heute am selben Wettlauf teil, und so wird die Kritik an diesem wirkungslos. … Die Frechheit der Mächtigen würde ich als Arroganz bezeichnen, denn sie richtet sich gegen Schwächere. Eitelkeit kann man beim Frechen sicher auch beobachten, er braucht ja ein gewisses selbstdarstellerisches Talent. … Durch Frechheit ernsthaft zu Schaden, kam in der Vergangenheit „Jesus und Sokrates. Die Wahrheit wird halt oft als Frechheit gesehen.“

Unter einer Frechheit wird im allgemeinen Sprachgebrauch eine Respektlosigkeit verstanden. Dazu zählt vor allem anmaßendes und unverschämtes Benehmen. Es ist hauptsächlich ein Vorwurf gegen Kinder, hat aber in älterer Literatursprache auch den Beigeschmack von Widersetzlichkeit (mit frechem Mut). „Frech“ steht auch für „ungezähmt“, „begierig“ „tapfer“, „kühn“, „lebhaft“, „keck“, „dreist“. „Ungebührlichkeit“, „Tölpelei“ oder auch für „dummer Streich“ und „beleidigende, anzügliche Rede“ - doch auch ein „Kompliment“ ist möglich „Sie haben da eine freche Frisur, … eine freche Garderobe …“.

Insoweit empfehlen wir Ihnen einen aufgeschlossenen, humanistischen und toleranten Umgang mit „frechen Kindern“.

Herzliche Grüsse,
www.engagement-mensch.de

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