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Kategorie: Urologie

Frage: Nierenstein und eiweissreiche Ernährung

Gefragt am 02.11.2011 11:38 Uhr | Einsatz: € 20,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 1037
Bewertung: 5,0 (von 5 Sternen) Nierenstein und eiweissreiche Ernährung , 5 von 5 bei 1 Bewertungen Guten Tag! Zur Vorgeschichte: Ich hatte vor 9 Jahren eine schwere Nierenkolik. Noch während ich in der Notaufnahme war, ging beim Wasserlassen ein Nierenstein ab. Leider verschwand dieser in der Toilette, konnte daher nicht näher untersucht werden. Seitdem war ich ohne Folgebehandlun

Guten Tag!

Zur Vorgeschichte:

Ich hatte vor 9 Jahren eine schwere Nierenkolik. Noch während ich in der Notaufnahme war, ging beim Wasserlassen ein Nierenstein ab. Leider verschwand dieser in der Toilette, konnte daher nicht näher untersucht werden. Seitdem war ich ohne Folgebehandlung beschwerdefrei.

Letztes Wochenende plagte mich erneut eine Kolik. Diese trat nach dem Joggen auf. Die Schmerzen waren erträglich und hielten ca 1 knappe Std an. Mein Urologe hat Spuren von Blut im Urin festgestellt. Der Ultraschall war nicht eindeutig, da die "Nierentrichter gestaut" waren. Als nächstes steht ein Röntgen mit Kontrastmittel an. Als ich 1 Tag später erneut beim Joggen war, hatte ich wieder eine (etwas leichtere) Kolik. Beim Wasserlassen habe ich bisher keinen Abgang bemerkt.

Ich habe vor ca 4 Monaten aufgrund Übergewicht und ungesunder Ernährung meine Gewohnheiten komplett umgestellt. Ich trinke ca 3 Liter stilles Wasser pro Tag und ernähre mich eiweissreich und relativ kohlenhydratarm (seitdem 12 kg abgenommen bei bestem Befinden). Die Eiweissquellen sind überwiegend Fisch, Hühnchen, Magerjoghurt und Hüttenkäse plus tgl als Ergänzung 2-3 Proteinshakes aus hochwertigem Proteinpulver. Die Kohlenhydrate beziehe ich aus Vollkornprodukten und Gemüse. Ich gehe ca 2-3 mal pro Woche Laufen sowie 2-3 mal ins Fitnessstudio.

Nun meine Fragen:

1. Kann es sein, dass die Koliken tatsächlich nur bei entspr. Bewegung (Joggen) auftreten? Und sollte ich demnach die Koliken durch Sport bewusst "provozieren" oder besser abwarten, was das Röntgen sagt?

2. Ist es möglich, sollte ich wider Erwarten auch nach dem Sport beschwerdefrei bleiben, dass der Stein unbemerkt abgegangen ist?

3. Was bedeutet es, dass (beim Ultraschall) die "Trichter gestaut" sind und was ist die Ursache?

4. Wie lange dauert es, bis ein Nierenstein entsteht? Ich befürchte, dass meine eiweissreiche Ernährungsumstellung vor ca 4 Monaten ursächlich sein kann, oder liegt die Ursache eher in der jahrelangen Fehlernährung zuvor?

5. Können moderne, hochwertige Proteinsupplemente überhaupt die Bildung von Nierenstein fördern? Ich dachte, nur die in tierischen Eiweissquellen enthaltenen Purine wären "gefährlich". Meine Präparate bestehen hauptsächlich aus Molke- und Sojaprotein.

6. Ist zu empfehlen, wenn 5. zutrifft, alternative Proteinquellen heranzuziehen, und welche? Dass ich trotz großer Gewichtsabnahme nur sehr wenig an Muskulatur eingebüßt habe, führe ich auf mein Training und die Proteinzufuhr zurück. Ich möchte weiterhin Muskulatur erhalten bzw aufbauen. Wären neben pflanzlichen Eiweissen auch Aminosäurenkonzentrate eine Möglichkeit, oder können diese ebenfalls Nierenstein fördern?

Natürlich steht noch ein ausführliches Gespräch mit meinem Urologen an, neulich hatte er keine Zeit, da ich ohne Termin dazwischenkam. Dennoch wäre es toll, auf diese Fragen schon mal Antworten zu bekommen.

Vielen Dank!

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Antwort

Beantwortet von Dr. med. Ralf Berg (Profil ansehen)

Sehr geehrter Patient,

ich möchte mal von hinten anfangen.
Die wahrscheinlichste Ursache der Steinbildung bei Ihnen ist wohl ihre große Gewichtsabnahme. Dabei (beim Abbau der Zellen)fallen große Mengen von Urat, Oxalat an. Diese können sowohl zu Gichtanfällen, oder aber zu Steinbildungen führen.
Im Sinne Ihrer Frage nr 4 liegt also die Ursache an der Jahrelangen Fehlernährung. Wie schnell ein Stein wachsen kann ist nicht genau bekannt, und hängt ganz entscheidend von der Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit und der Leberfunktion ab. Aber es gibt viele Fallberichte, dass recht kurz (4 Wochen bis 2-3 Monate ) nach radikaler Ernährungsumstellung mit Gewichtsabnahme es zur Steinbildung kommen kann. Bezüglich der Proteine ist zu sagen, 1. dass auch Molke (da ja von der Kuh) zu den tierischen Eiweisquellen gezählt wird 2.Auch ist richtig, dass nicht die Aminosäuren alleine (die z.b. auch zu Oxalsäure umgewandlet werden können) sondern auch Purine zur Steinbildung führen können. 3. Selbst pflanzliche (soja) Produkte besitzen einen Zellkern in dem diese Purine (wenn auch im Verhältnis viel weniger) vorkommen.
Von der Menge ist dies aber sicher gegen den Anteil der aus dem Zellabbau und der Gewichtsabnahme einhergeht zu vernachlässigen.
Zu Frage 3 gestaute Trichter: durch den stattgehaben Steinabgang kommt es im Ureter zu Verleztungen (daher das Blut) und anschliesend zu einer Schwellung, so dass der Urin nicht mehr so schnell abtropfen kann. Ein versierter Urologe sieht oder vermutet dies wenn die Pyelontrichter etwas "gestaut" wirken. Dies ist jedoch kein echter Stau mit Verbreitung des Nierenbeckens! Also bei v.a. Steinabgang normal und eben ein Hinweis dass diese stattgefunden hat.
und zu Frage 1 und 2: Natürlich ist es nicht nur möglich sondern oft so, dass durch Sport der Stein abgegangen ist. Ich würde an Ihrer Stelle nicht versuchen durch Joggen Koliken zu provozieren, sondern lieber abwarten, was das Röntgen erbringt. Dann können sie ja wieder loslegen. In der Summe der Antwort, hören Sie ja heraus, dass mein Rat an Sie wäre es nun etwas langsamer angehen zu lassen. Es ist toll, dass Sie eine Lebensumstellung geschafft haben, aber Sie sollten nun einen Gang zurückschalten. Auch wenn nun das Gewicht für eine Weile gleichbleiben sollte. Diese Zeit sollten Sie sich nehmen, die Niere wird es Ihnen danken, der "Zellschutt" muss auch entsorgt werden.

Mit besten Grüßen. Ihr Dr. R. Berg

Nachfrage
Sehr geehrter Herr Dr. Berg,

herzlichen Dank für Ihre ausführliche Antwort, die mir sehr weitergeholfen hat.

2 Nachfragen:

- Eine Kolik rührt doch daher, daß der "Stein ins Rollen" kam. Das heißt aber nicht zwangsläufig, daß er auch wirklich abgegangen ist, oder? Bei meiner 1. Kolik vor 9 Jahren habe ich einen deutlichen kurzen Schmwerz beim Wasserlassen vespürt, als der Stein abging. Diesmal (bisher) nichts dergleichen.

- Eine weitere Gewichtsabnahme ist nicht geplant. Vielmehr die Stabilisierung des Erreichten, und dann nach und nach ein gezielter, moderater Aufbau von Muskulatur. Daher nochmal kurz das Thema Supplementierung mit Protein-Konzentraten. Da Sie vermuten, daß der Nierenstein eher von der langen Fehlernährung und anschließender Gewichtsabnahme und weniger von der "neuen" Ernährung kommt, kann ich diese (vorausgesetzt, die noch ausstehenden Blutergebnisse sprechen nicht dagegen) wohl beibehalten, auch die Proteinzufuhr mit ca 2g Protein / kg Körpergewicht (incl. Supplementierung durch Proteinshakes)? Oder würden Sie im Sinne der Gesundherhaltung der Niere generell auf alternative Eiweissquellen zurückgreifen?

Vielen Dank und einen schönen Abend!

Rückantwort
Sehr geehrter Fragender,

zu Ihrer ersten Nachfrage ist zu sagen, dass natürlich eine Kolik nicht aussagt, dass der Stein gleich abgegangen ist. Er kann im Ureter steckenbleiben, sich (meist aber nicht auf Dauer) noch in der Harnblase befinden. Da der Harnleiter in der Regel enger ist als die Harnröhre, kommt es auf die Größe des Konkrements an. Kleine Konkremente können wenn Sie erst einmal in der Blase sind, ohne dass man etwas spürt bei eine Miktion einfach abgehen. Bei größeren Brocken kann es zu den Empfindungen kommen, die Sie beschrieben haben.

Die von den med. Gesellschaften für Ernährung angegeben empfohlenen Richtwerte für die Eiweisszufuhr liegen etwas unter der Menge, (ca. l- 1,5g/kg), allerdings gilt dies unter reinen Erhaltungsgesichtspunkten. Unstrittig ist, dass es mit dem Muskelaufbau besser klappt, wenn die Proteinversorung höher ist.
Vorausgesetzt ihre Nierenwerte sind wieder normal, sehe ich keinen Grund warum Sie ihre Strategie ändern sollten. Bei einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr, ist eine gesunde Niere durchaus in der Lage, überflüssiges Eiweis auch direkt auszuscheiden. Makroskopisch kann ein stark schäumender Urin daraufhindeuten, dass die Niere viele Eiweisbestandteile ausscheidet. Ist dies bei Ihnen immer der Fall reduzieren Sie die Eiweismenge etwas, da dann die Eiweisausscheidung meist schon über 3g/Liter Urin liegt, was bei intakter Niere ein Zuviel an Eiweiszuführ bedeutet. (große Proteinurie).
In der Medizin kann man mit dem Microalbumintest auch leichte Proteinurien (ab 10- 20mg/Liter Urin) nachweisen.
Dieses passiert aber auch schon bei Fieber, Infektionen, SChwangerschaft oder eben auch intentsivem sportlichen Training.
Dieser Verlust ist nicht schlimm. Wichtig ist für Sie, dass sie eben ausreichend trinken, so dass die Eiweise, oder Eiweissabbauprodukte im Nierenbecken sich nicht so konzentrieren können, dass es zu einer Auskristallisation und somit zur Steinbildung kommt. Bei Ihnen sollte gerade wenn Sie intensiv Sport machen eher 2- 2,5 Liter Trinkmenge am Tag angestrebt werden.

Mit vielen Grüßen Dr. R. Berg

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