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Beantwortet von Dr. med. Ralf Berg (Profil ansehen)
Guten Abend,
das ist schon eine außergewöhnliche Geschichte. Meine Einschätzung ist (leider), daß Ihr Mann wohl recht hat die ganze Sache als abgeschlossen zu betrachten.
Wie die weibliche Eizelle, so müssen auch die männlichen Keimzellen reifen um zu einem Spermium auszuwachsen. Dies geschieht im Hoden in verschiedenen Stadien. Wenn nur noch die Sertolischen Zellen gefunden werden, so heißt dass dass gar keine Spermien (und auch deren Vorstufen) mehr vorhanden sind. Die Sertolischen Zellen stellen nur eine Art Binde und Stützgewebe im Hoden dar, und haben mit den Spermiogenese nichts zu tun. Warum auch im Hoden ohne Neoplasie gar nichts mehr gefunden wird, und warum dies offensichtlich 8 mal vorher nicht so war wird Ihnen vermutlich niemand sagen können. Die Chanchen dass hier wieder eine Spermien Produktion beginnt sind, gerade weil nach Ihrer Aussage die Hormone in Ordnung sind, also eine hormonelle Stimmulation stattfindet äußerst gering. Der Abstand zur OP war m. E. ausreichend. Zwar dauert die Spermiogenese ca. 64 Tage, aber es müssten auf jeden Fall Vorstufen (Spermatozyten I und II Ordnung Spermatiden) vorhanden sein.
Nach der Bestrahlung ist die Wahrscheinlichkeit, dass nochmals eine Spermien gebildet werden sehr unwahrscheinlich.
Es tut mir leid Ihnen da keine Hoffnung machen zu können.
Mit vielen Grüßen Ihr Dr. R. Berg
Nachfrage
Guten Abend Herr Dr. Berg,
Vielen herzliche Dank für ihre wirklich sehr schnell Antwort.
Ich muss aber nun doch noch ein zwei Sachen nachfragen.
Wie kann das sein, dass dann auch beim gesunden Hoden nichts mehr produziert wird? Das will einfach nicht in meinen Kopf rein. Die Bestrahlung erfolgte nur bei dem Hoden bei dem die TINs gefunden wurden.
Wissen Sie, ich würde so gerne mal die Befunde sehen, nur wie gesagt, meinMann will nichts mehr davon wissen. Wir haben inzwischen einen Sohn mittels DI bekommen und somit wurde auch unser Kinderwunsch erfüllt, aber so ganz wollte ich die Hoffnung auf ein Wunder nicht aufgeben. Das Ganze liegt nun schon ein paar Jahre zurück.
Abschließend noch eine letzte Frage: Was meinen Sie sollte er eigentlich mal wieder zu einer Vorsorgeuntersuchung gehen, oder meinen Sie auch, dass da nichts mehr kommen kann (betreffend Seminom, nicht Spermien). Scheinbar hat man zu meinem Mann gesagt, dass er nicht kontrolliert werden müsse...der Hoden mit den TINs wurde ja bestrahlt und beim anderen wurde ja histologisch nichts gefunden.
Vielen Dank schon mal im Voraus für die Klärung meiner Fragen
Freundliche Grüße
Rückantwort
Ich kann sowohl Ihren Wunsch die alten Befunde nochmals zu sehen verstehen, wie auch, dass sie nach einer Erklärung suchen.
Falls die Spermiogramme nicht älter als 10 Jahre sind, so müssten Sie schon noch vorhanden sein, da alle Befunde 10 Jahre von dem der Sie durchgeführt hat aufbewahrt werden müssen. Schwierig, bzw. unmöglich ist es aber trotzdem an diese ohne Einwilligung Ihres Mannes heranzukommen.
Nur ein mitbehandelnder Arzt, der diese Befunde bei seiner Therapie berücksichtigen muss, kann ohne weiteres Einblick erhalten. Bei allen anderen Personen ist der Arzt an die Schweigepflicht gebunden und kann ohne die ausdrückliche Bewilligung durch den Betroffenen nichts herausgeben. Falls dies Ihnen so wichtig ist, müßten Sie mit Ihrem Mann schon noch einmal darüber sprechen. Er muss zumindest schriftlich Sie bevollmächtigen, daß Sie einblick in die damaligen Akten erhalten.
Für den zweiten Teil Ihrer Frage möchte ich darauf hinweisen, dass meine Ausführungen natürlich nur Annahmen und keine Beweise sind, wie sich das Ganze zugetragen hat. Spekulieren wir einmal: Wie kann es zu einer vollständigen Auslöschung aller Keimzellen kommen? Natürlich in dem man beide Hoden vollständig entfernt hat (Kastration). Was könnte es bei noch vorhandenen Hoden den gleichen Effekt haben: Ionisierende Strahlen in hoher Dosis (Radiokastration) Eigentlich nur bei einem Strahlenunfall denkbar, bei dem aber, so es zu ein Ganzkörperbestrahlung gekommen ist noch viele weitere Ausfälle zu beklagen wären.
Als eine wahrscheinliche Möglichkeit, war es das Immunsystem Ihres Mannes selbst, das durch sog. Antikörper die gegen die eigenen Keimzellen gerichtet waren diese vollständig vernichtet hat.
Version A Entweder ist primär das Seminom entstanden, und der Körper hat dann berechtigterweise, wenn auch nicht mit Erfolg Antikörpter gegen die Keimzellen entwickelt. Das diese klein sind und mit dem Blut überall hingelangen können, werden sowohl die Keimzellen im tumorösem Hoden, wie auch die völlig unbeteiligten im gesunden Hoden angegriffen.
Version B Es ist völlig unabhängig von einem Hodentumor zu einer Autoaggresionskrankheit gekommen, bei dem durch einen Fehler in der Antikörperproduktion versehentlich AK gegen eigene gesunde Keimzellen gebildet werden. Möglicherweise konnten aber einige Zelllinien nicht vollständig vernichtet werden, sonder waren "nur " fehlgebildet und führten erst zum Seminom.
Vorsorge: ab 45 Jahren sollte jeder Mann die Männervorsorge in Anspruch nehmen. Diese bezieht sich in erster Linie auf die Untersuchung der Prostata, die ja wahrscheinlich bei Ihrem Mann noch vorhanden ist. Die Häufigkeit des Prostatakarzioms ist größer als von Seminom und allen anderen Hodentumoren zusammen.
Bez. der Kontrolle des seminom würde ich mich der Meinung der Kollegen anschließen. Wenn einfach keine Keimzellen mehr nachgewiesen werdne können, macht eine Kontrolle keinen Sinn und ist auch nicht möglich.
Dies beantwortet auch ihre letzte Frage, nach dem Wunder. Aus dem Verlauf und wie sich den Fall schildern, wäre es tatsächlich ein Wunder wenn bei Ihrem Mann einmal wieder Spermien nachgewiesen werden könnten.
Es ist das Wesen der Keimzellen, dass sie sich nicht aus anderen Zellen neubilden können. Sind alle Stammzellen der Keimzellen zerstört, so ist dies ein unumkehrbarer Prozess.
Mit Entschuldigung für die tech. Probleme. Ich hoffe ich konnten nun alle Ihre Fragen beantworten Mit vielen Grüßen Dr. R. Berg
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