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Kategorie: Gynäkologie

Frage: Clamydien

Gefragt am 02.07.2009 19:13 Uhr | Einsatz: € 20,00 | Status: Beantwortet | Aufrufe: 1259

Guten Tag,

ich hätte gerne Ihre Meinung, auf welchem Weg die Clamydien zu mir gelangt sind. Mein Mann hatte eine Affäre. Als er mir dies sagte, hatte ich schon diese Beschwerden im Unterleib (sonst hatte ich die ganzen Jahre keine) darum ließ ich mich untersuchen. Die Abstriche bis auf die Clamydien waren in Ordnung.Mein Mann war sich sehr sicher, dass durch seinen sexuellen Kontakt die Clamydien an mich übertragen wurden. Zeitgleich ließ er sich von einem Urologen untersuchen. In Sperma, Urin und Blut konnten allerdings keine Clamydien nachgewiesen werden. Sie können sich vorstellen, wir waren mehr als überrascht. Ich von meiner Seite kann fremden sexuellen Kontakt zu 100 % \"ausschließen und auf andere Toiletten als unsere eigene setze ich mich auch nicht.
Der sexuelle Kontakt beschränkte sich lt. meinem Mann auf Oralverkehr und Petting und Berührung von Scheide und Glied ohne einzudringen. Meine Gynokologin sagte aber, dass die Clamydien nur durch Geschlechtsverkehr übertragen würden. Vielleicht hat er das sexuelle Ausmaß ein wenig reduziert, um mich nicht noch mehr zu verletzen – könnte ja sein.
Vor 1 1/2 Jahren wurden mit einer Blutuntersuchung -auf meinen Wunsch -bei mir Clamydien ausgeschlossen (wir hatten vor 11 Jahren eine Infektion, die mit Antibiotika behandelt - dann aber nie nachkontrolliert worden ist).
Zu der Übertragung durch Oralverkehr fanden wir im Google Symptome, wie Halsschmerzen aber keine Angabe darüber, ob man sich dann auch angesteckt hat. Kann man sich durch Oralverkehr \"nur\" Halsschmerzen zuziehen oder kann man sich auch anstecken?
Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Mann Überträger von Clamydien war, ohne sich selber angesteckt zu haben? Ich bin gespannt, welche Meinung Sie dazu haben. Kann ich die Clamydien - durch was auch immer( Toilette o.ä.) an unseren Sohn übertragen? Könnte mein Mann trotzdem Clamydien haben, auch wenn beim Abstrich nichts festgestellt wurde. Weil wir meinen, dass nunmehr alles miteinander passt - nur ist es fragwürdig, warum bei meinem Mann keine Clamydien festgestellt werden.

Vielen Dank für ihre Bemühung

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Antwort

Beantwortet von Dr. med. Susanne Plotz (Profil ansehen)

Liebe Patientin,

das sind ja ein ganzes Bündel an Fragen:-)
Arbeiten wir uns gemeinsam durch!
1.)Übertragung: Chlamydien werden in der Tat nur durch Geschlechtsverkehr übertragen, wobei ich auch eine Übertragung bei intensivem Petting nicht ausschließen möchte. Tatsache ist, dass die Schleimhäute miteinander in Kontakt treten müssen. Durch Oralverkehr ist eine Übertragung nahezu ausgeschlossen, aber auch hier gilt leider mal wieder: in der Medizin gibt es nichts, was es nicht gibt. Ich halte die Übertragung beim Petting allerdings für wahrscheinlicher.
2.)Oralverkehr und Halsschmerzen: es mag ja sein, dass der ein oder andere nach dem Oralverkehr Halsschmerzen bekommt, aber das hat meines Erachtens nichts mit den Chlamydien zu tun und zählt auch nicht zur typischen Symptomatik.
3.)Die zurückliegende Ansteckung: Sie berichten, dass Sie vor 11 Jahren bereits eine Infektion hatten. Wenn diese nicht ausreichend gut oder lang oder richtig behandelt wurde, dann bestünde die Gefahr, dass die Chlamydien im Körper verblieben sind. Dies muss nicht unbedingt mit Symptomen einhergehen. Sie können es in diesem Falle mit dem Herpes Virus vergleichen: das sitzt im Körper und macht keine Beschwerden, bis es ausbricht.
4.)Für die Diagnostik gibt es inzwischen hochspezialiserte Tests, mit denen sich sowohl die Chlamydien, wie auch die entsprechenden Antikörper nachweisen lassen, die der Körper bildet. Es müssten also auch bei Ihrem Mann (der ja vor 11 Jahren bereits eine Infektion hatte, wenn ich es richtig verstanden habe) zumindest die entsprechenden Antikörper nachweisbar sein. Sollte der Erregernachweis über spezielle Anzüchtung erwiesen haben, dass Ihr Mann zum jetzigen Zeitpunkt keine Chlaymdien hat, dann kann man das erstmal so hinnehmen. Da die Tests sehr spezifisch sind, ist es unwahrscheinlich, dass das Ergebnis negativ war, Ihr Mann aber trotzdem Chlamydien hat.
5.)Ihr Mann als Überträger: eine Übertragung ohne Ansteckung ist nicht möglich.
6.)Ihr Sohn: darüber müssen Sie sich keine Sorgen machen, das Risiko, dass Sie Ihren Sohn anstecken, ist sehr gering. Eine erhöhte Hygienemaßnahme in den sanitären Anlagen (z.B. mit Desinfektion nach jedem Toilettengang) kann allerdings nicht schaden.

Zusammenfassend: es gibt die zwei Möglichkeiten.
Erstens: die Infektion damals wurde nicht ausreichend behandelt und Sie hatten die Chlamydien die ganze Zeit im Körper.
Zweitens: ich kann nicht beurteilen, welche Tests genau bei Ihrem Mann gemacht wurden, um den Chlamydien auf die Spur zu kommen. Vielleicht wurden nicht alle diagnostischen Maßnahmen ausgeschöpft, sodass Ihr Mann die Chlamydien doch hat, sie aber mit den durchgeführten Maßnahmen nicht festgestellt werden konnten. Zum direkten Erregernachweis müssten Ihrem Mann Abstrichmaterial direkt aus der Harnröhre entnommen worden sein (nicht nur Urin!), denn die Chlamydien kann man nur in diesem Abstrichmaterial nachweisen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen und wünsche Ihnen Alles Gute.
Herzliche Grüße
Ihre Susanne Plotz

Nachfrage
Sehr gehrte Frau Plotz,

herzlichen Dank für Ihre ausführliche und nette Beantwortung.Eine Nachfrage gibt es meinerseits noch. Mein Mann möchte das Thema der Untreue für uns gerne abschließen und hat wg. der Clamydien allerdings eine berechtigte Sorge. Er meint, sollten bei mir die Clamydien irgendwann wieder auftauchen und ich für mich fremden sexuellen Kontakt ausschließen könnte - würde ich ja davon ausgehen, dass diese von ihm sein müssten. Welche Möglichkeiten sollten wir ergreifen, um jetzt festzustellen, das wir diese Dinger wirklich losgeworden sind.
Übrigens hat meine Gyn. Ende 07 eine Blutuntersuchung vorgenommen, weil ich abklären wollte, dass die Clamydien von vor 11 Jahren sich nicht mehr in meinem Körper tummeln. Befund:
Clam.Trachomatis IgG-AK (EIA) unter 0,9 Index / kein Hinweis auf eine Clamydia trach.-Infektion
Kann eine Blutuntersuchung eine Infektion nachweisen?
Auf welche Untersuchungen sollten wir auf jedem Fall bestehen, damit nachgewiesen ist, dass die Clamydien verschwunden sind?

Ihnen herzlichen Dank und Danke für die guten Wünsche, die ich gerne an Sie zurückgebe.

Herzliche Grüße

Rückantwort
Liebe Patientin,
also: um ganz sicher zu gehen, dass die Chlamydien verschwunden sind (was nach einer guten und ausreichend langen Behandlung mit einem Antibiotikum aus der Klasse der Macrolide oder Tetracycline- bitte fragen Sie Ihren Arzt- gelingen sollte) können Sie auf einem Test bestehen, in dem der ERREGER, also das Chlamydium selbst, nachgewiesen wird.
Zur Erklärung: es gibt 2 Arten von Tests: die einen weisen Antikörper nach. Das ist bei einer akuten Infektion aber nicht 100% sicher.
Und: die Antikörper verbleiben auch nach der Infektion und auch nach der Ausheilung weiter im Körper (das machen alle Antikörper so, das ist normal). Das heißt: wenn Sie Antikörper haben, haben Sie noch nicht automatisch auch Chlamydien.
Also: Man kann den Erreger entweder durch einen Abstrich aus dem Gebärmutterhals bei Ihnen nachweisen oder inzwischen ganz modern die Teile der Erbinformation der Chlamydien (die so genannte DNS) im Urin.
Ich würde also auf jeden Fall darauf bestehen, dass (nach der Behandlung) nochmal nach den Erregern geschaut wird und nicht (nur) nach Antikörpern.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen abermals weiterhelfen und wünsche weiterhin nur das Beste!
Herzliche Grüße
Susanne Plotz

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